Vom 15. bis 20. Juli 2012 fand das zweite White Ravens Festival - eine Veranstaltung der Internationalen Jugendbibliothek - statt. Hauptveranstaltungsort war die Internationale Jugendbibliothek auf Schloss Blutenburg. Eingeladen waren 14 Autoren aus 11 Ländern, die in über 80 Veranstaltungen in München und 35 Städten und Gemeinden in ganz Bayern Lesungen und Workshops veranstalteten. Das Festival konnte mehr als 7.300 Gäste begrüßen und ist damit noch erfolgreicher als die Premiere im Jahr 2010. Wir bedanken uns bei allen Autoren, Besuchern und besonders bei den Sponsoren des Festivals.
Schon beim Betreten des Festzeltes werden die Besucher an diesem Morgen von neugierigen weißen Raben beäugt - zumindest von deren Origami-Vertretern aus Papier, die von der Decke des Zeltes hängen. 14 von ihnen werden an diesem Tag noch einen besonderen Auftritt haben, werden die 14 Autoren aus 11 Ländern durch das zweite White Ravens Festival begleiten.
Bevor allerdings die Raben sozusagen auf den Schultern der Autoren landeten, betonte die Direktorin der Internationalen Kinder- und Jugendbibliothek Frau Dr. Christiane Raabe, dass das zweite White Ravens Festival gegenüber dem ersten sehr gewachsen sei. 14 Autoren aus 11 Ländern reisen dieses Jahr in 35 bayerische Städte und Schulen, um aus ihren Romanen zu lesen, Fragen der Kinder und Jugendlichen zu beantworten und Workshops abzuhalten.
Wobei - 14 Autoren? So ganz stimmte die Zahl ja nun nicht an diesem Morgen, schließlich waren zum ersten Mal drei junge Autorinnen auf der Bühne. Deren Texte entstanden im Rahmen einer Schreibwerkstatt im Schloss Blutenburg und deuteten die Figur des weißen Rabens. Vielleicht ist ein weißer Rabe jemand, der sich entschließt, nicht wie sonst aufgedonnert und mit lackierten Fingern in die Schule zu gehen - mag auch sein, dass ein weißer Rabe eventuell auch mal rot sein kann, eines ist jedoch gewiß: Ein weißer Rabe spornt an und weckt die Phantasie. Genau das haben die drei jungen Autorinnen mit ihren Texten geschafft. Ein stimmungsvoller Einstieg.
Jetzt aber wurde es Zeit, dass die weißen Raben endlich von der Decke des Zeltes herunterkamen, um bei den Autoren zu landen. Nicht so ganz einfach, weil es einer eigenen Choreographie bedarf um 14 Personen auf die Bühne zu bekommen. Schlussendlich gelang das Kunststück aber, und die Autoren konnten ihre weißen Raben als Origami-Varianten in Empfang nehmen. Nur: Wer Raben kennt weiß natürlich, dass diese vorwitzig sind. Bevor also das Maskottchen seinen Weg in die Hände des Autoren oder der Autorin fand, mussten diese eine Frage beantworten. So wollten sie von Anne-Laure Bondoux wissen, wo und in welchem Umfeld sie schreiben würde. Die französische Autorin hat ihr kleines Büro über einem ehemaligem Heuspeicher: "Ich sammele die gute Ernte von Gedanken ein".
Nils Mohl aus Deutschland musste eingestehen: "Ich kann eigentlich gar nicht aufhören zu schreiben. Schreiben und tippen wird zwar immer in Eins gesetzt, aber eigentlich schreibe ich jetzt, während ich in die Kameras schaue und frage mich, wie ich die Überleitung zur nächsten Frage hinbekomme." Der Spanier Daniel Nesquens dagegen hatte die Antwort auf die Frage, was ihn motiviere für Kinder und Jugendliche zu schreiben, sofort parat: "Die sind intelligenter als die Erwachsenen." Jutta Richter möchte gar in einer Geschichte wohnen und findet: "Die besten Geschichten sind diejenigen, die man als Kinder eigentlich nicht hören darf." Und wie besiegt der kanadische Autor Sylvain Rivard die Angst vor dem weißen Blatt? "Ich singe, zeichne oder tanze die Idee."
Dass Rivard singen und tanzen kann - das Zeichnen glaubt man ihm unbesehen - bewies er im Familienprogramm, das sich an die Eröffnungsveranstaltung anschloss. Vielleicht hätten die Zuschauer bei der Lesung von Frida Nilsson nicht so viel klatschen sollen, denn - so Rivard - Applaus lockt den Regen an. Zeitweise sorgte der aufs Zeltdach prasselnde Regen für eine sehr behagliche Atmosphäre, eine Tasse Tee oder Kaffee kamen da genau richtig, um den Geschichten von Jenny Valentine, Jutta Richter oder Benny Lindelauf zu lauschen. Und irgendwie schienen die Autoren von dem Gesang Slyvain Rivards angesteckt zu sein - Jutta Richter sang eine Ballade über die Seefahrer, während bei Benny Lindelauf und Liselore Strijdhorst Chansons in Deutsch und Limburgisch schon von vornherein eingeplant waren.
Zu den schönsten Moment in unserem Leben gehört es, wenn Kindern in der Familie Geschichten erzählt werden. Davon ist der niederländische Schriftsteller Benny Lindelauf überzeugt, und sorgt sich ein wenig, dass heute immer weniger Geschichten in den Familien erzählt und weitergegeben werden. Nach der gelungenen Veranstaltung gehen alle mit dem Vorsatz nach Hause, die Eltern und Großeltern nach ihren Geschichten zu fragen.
Die Begegnung mit dem symphatisch niederländischen Autor, der in Limburg an der deutsch-belgischen Grenze aufgewachsen ist und noch heute dort lebt, ist ein Erlebnis. Er schafft es, sein Publikum auf leise Art und Weise zu fesseln. In Deutschland bekannt geworden ist Lindelauf durch die zweibändige Familiengeschichte „Das Gegenteil von Sorgen“ und „Unsere Goldene Zukunft“, in die er auch seine eigene Familiengeschichte eingeschrieben hat. Seine geliebte Großmutter, von der er einige Bilder zeigt, ist Vorbild für die Hauptfigur der beiden Romane gworden. Sie hat ihm viele Geschichten erzählt, die ihn bis heute prägen.
Benny Lindelauf, der hervorragend Deutsch spricht, eröffnet seine Lesung mit einer Überraschung: Er lese nicht gerne vor, finde es furchtbar, eine Stunde still sitzen und zuhören zu müssen. Viel lieber wolle er sich mit den Schülern und Erwachsenen im Publikum unterhalten, denn er sei neugierig und wolle jeden Einzelnen kennenlernen. Wie das bei 30 Schülern und 20 ausländischen Deutschlehrern des Goethe Instituts gehen kann, zeigt sich in den folgenden 90 Minuten, in denen Benny Lindelauf die Kinder und Erwachsenen zum Reden, Mitmachen und Erzählen bringt. Er holt einen Jungen auf die Bühne, damit er den Anfang von „Das Gegenteil von Sorgen“ vorliest, erzählt von seiner Großmutter und schafft es, dass einige Kinder ebenfalls Geschichten erzählen, die sie von ihren Großeltern gehört haben. Er singt mit dem Publikum gemeinsam Limburgische Lieder und liest einige Passagen vor. Benny Lindelauf hat diesen Festivalmorgen verzaubert.
Beitrag von Christan Spließ
Zu Beginn der Veranstaltung mit Uri Orlev und Mirjam Pressler, die in Kooperation mit dem Jüdischen Museum stattfand, wurde der israelische Schriftsteller Uri Orlev, aus dessen Feder unter anderem „Lauf, Junge, lauf“ stammt, von dem Moderator Jochanan Shelliem gefragt, wann er begann, über seine Erfahrungen mit der Shoah zu sprechen und zu schreiben. Vorsichtig formulierte er, anfänglich habe man den Opfern des Holocaust nicht geglaubt. Man konnte sich nicht vorstellen, dass die deutsche Kulturnation zu solchen Gräueltaten wie der systematisch geplanten und industriell durchgeführten Vernichtung der Juden imstande war. Das Ausmaß erschien undenkbar.
Tatsächlich war es so, dass nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs viele Deutsche behaupteten, vom Genozid nichts gewusst zu haben. Inzwischen weiß man, dass in Deutschland sehr viel mehr über das Ausmaß der Jugendvernichtung bekannt war als behauptet. Man wollte nur nicht wissen, um sich selbst zu schützen: In der deutschen Nachkriegszeit wurde eine kollektive Verdrängungsarbeit geleistet.
Dass man den Opfern nicht gleich und spontan glaubte, erschüttert mich nach wie vor. Und, ja, der Vorfall ist unbedeutend, so wie alles unbedeutend erscheint im Angesicht des Ausmaßes der Naziverbrechen, aber mir fiel während der Lesung ein, dass man letzte Woche meinem Sohn auch nicht glaubte, als er erzählte, er sei mit Füßen traktiert worden, während er am Boden lag. In der von der Schule angeregten Aussprache zwischen ihm und den anderen Kindern stellte man fest, dass er ja tatsächlich oft „nervt“ und überhaupt: Konnte er wirklich beweisen, dass es ein Fuß war, der auf seinem Kopf stand? Hätte es nicht auch eine Hand sein können? Schließlich sieht man nichts, wenn man am Boden liegt.
Man muss die Opfer beim Namen nennen, denke ich, aber auch die Täter. In unserem Fall entschuldigte sich ein Junge, unser Kind verzieh ihm und damit war es gut. Bei einem Völkermord, wie er an den Juden auf eine noch nie gekannte Weise geschehen ist, ist es nie gut. Das Erinnern, Anklagen und Verzeihen darf nicht aufhören. Die Vergangenheit ist nicht tot, lautet ein berühmter Satz von William Faulkner, sie ist nicht einmal vergangen. Die biografisch geprägten Bücher von Uri Orlev und von seiner Übersetzerin Mirjam Pressler, die selbst berührende Bücher über die Zeit von Faschismus und Krieg aus der Sicht von Kindern geschrieben hat, erinnern uns an unsere schreckliche Vergangenheit und daran, dass wir so etwas nie wieder zulassen dürfen.
Beitrag von Bettina Rubow
Wo findet ein Autor seine Geschichten? Meistens im richtigen Leben. So auch Bernard Beckett, der zu seinem bisher nicht in Deutschland erschienen Roman "August" durch eine Nachrichtenmeldung inspiriert wurde. In der Lesung gibt Beckett Einblick in den Entstehungsprozess des Buches und beginnt mit der Geschichte, die er aus den Nachrichten aufgegriffen hatte. Zwei Personen, ein junger Mann und eine Prostituierte, sitzen nach einem schweren Autounfall kopfüber an einem Abhang fest. „Ich fragte mich, über was sich diese beiden die ganze Nacht hindurch bis zu ihrer Rettung unterhalten könnten.“ Die Extremsituation, in der sie sich befinden, dient als Ausgangspunkt und Rahmenhandlung für eine komplexe philosophische Geschichte.
Diese zweite Geschichte, die in Becketts Roman im Zentrum steht, dreht sich um den Konflikt zwischen freiem Willen und der Prädestination des Menschen durch Gott. Der Roman ist angesiedelt in einer alternativen Welt, in der der heilige Augustinus, einer der Kirchenväter der Spätantike, und seine Lehren die Gesellschaft bestimmen – daher auch der Titel des Romans „August“. Den neuseeländischen Autor interessierte besonders die Frage, wie stark sich Menschen durch das Streben nach freiem Willen in ihrem Leben und ihren Entscheidungen beeinflussen ließen. „Nehmen wir einmal an, es gäbe Wissenschaftler, die immer exakt voraussagen könnten, wie man sich verhält? Ich glaube, das würde Menschen extrem verstören.“
Ein Problem stellte sich für den Autor allerdings beim Versuch, die beiden Geschichten in einem Roman zusammen zu bringen. Zwar erlaubte ihm der Wechsel zwischen der Rahmenhandlung in der Gegenwart und den beiden erzählten Lebensgeschichten der Protagonisten in der Vergangenheit das direkte Springen zwischen einzelnen Momenten, wie von einer Szene in einem Theaterstück in die andere; jedoch fühlten sich die zunächst in der ersten Person geschriebene Lebensgeschichten zu glatt und mühelos an. „Solange die Figuren noch so detailliert und zusammenhängend erzählen können, glaubt kein Leser, dass sie sich wirklich schwer verletzt in Todesgefahr befinden.“ Daher entschloss er sich letztendlich, die Ich-Perspektive in eine auktoriale Erzähl-Haltung umzuschreiben.
Auf eine Frage aus dem Publikum entgegnete Beckett, er sei gut darin während des Schreibens zu entscheiden, in welche Richtung sich eine Geschichte entwickelt und bei zwei möglichen Varianten Dinge schnell zu verwerfen. Bei seinen Entscheidungen hilft ihm gelegentlich seine Erfahrung als Highschool-Lehrer. Neben den Fächern Englisch und Mathematik unterrichtet er auch Theatergruppen und vielen seiner Romane gehen Theaterstücke voran, die von seinen Schülern aufgeführt werden. Dieser Einfluss wirkt sich auf die Romane aus.
Bernard Beckett ist es wichtig, in seinen Büchern am Ende, die Versprechen einzulösen, die er sich selbst und dem Leser zu Beginn des Romans gegeben hat. In „August“ mussten dafür beide Geschichten ineinander verflochten werden und ein zwar überraschendes aber doch unausweichlich logisches Ende gefunden werden. Ob und wie ihm dies gelungen ist, verriet Beckett natürlich nicht – dazu müssen die Zuhörer und Leser den Roman schon selbst in die Hand nehmen.
Wo soll man leben, fragt ein Junge aus dem Publikum die Schriftstellerin, in Deutschland oder der Türkei? Das kannst nur du entscheiden, antwortet Suzan Geridönmez. Du musst da leben, wo du dich wohl fühlst und dich am besten entfalten kannst. Aber woher soll man das wissen? Du musst es ausprobieren, meint sie.
Sie selbst hat es ausprobiert, als sie vor über dreißig Jahren, da war sie noch ein Teenager, Deutschland verließ und in die Türkei ging. Sie hatte sich in Istanbul verliebt und sie liebt die Stadt bis heute. Auch ihre Gegensätze. Ist es nicht brutal, als Mutprobe Katzenjunge zu erwürgen, wie eben (beinahe) in ihrer Erzählung geschehen? Sie nickt nur. Ist ihr Wohnviertel in Istanbul nicht zu gefährlich für eine Frau? Mir ist noch nichts passiert, lacht sie. Sie ist der lebende Beweis dafür, dass die Türkei anders ist. Frei. Laut. Mit großen Gesten und viel Liebe zu Musik und Tanz. Ob ihr, frage ich mich, klar ist, dass sie dazu einen gar nicht so kleinen Beitrag leistet? Und weiter: Lebe ich dort, wo ich mich am besten entfalten kann? Kann ich nicht auch meine Umgebung so verändern, dass sie schließlich zu mir passt? Das sind so Fragen ... in die Weite des Netzes gerufen…. von Bettina Rubow.
Auch Plattenbausiedlungen sind Westernstädte. High Noon jeden Tag, im Hintergrund reckt ein dürrer Busch die Äste in den Himmel, flirrende Sommerhitze liegt staubtrocken über der Vorstadt und der namenlose Ich-Erzähler in "Es war einmal Indianerland" fühlt sich wohl wie einer dieser Outlaws in den Western.
"Ich wollte einen Roman schreiben, der einen Jugendlichen nicht in Verlegenheit bringt, wenn ihn jemand Anderes zufällig im Rucksack finden sollte. Denn lesen ist ja schließlich irgendwie schon so okay, aber ein Jugendbuch und dann auch noch über Indianer?" Nils Mohl, der an diesem Abend im Import/Export selber etwas von der Coolness seiner Romanfigur hat, macht es dem Leser seines ersten Jugendbuchs nicht leicht. Er wirft ihn in die Handlung, erklärt zu Beginn erstmal so gut wie nichts, verwirrt und irritiert, und gesteht selbstbewusst, der Leser müsse ihm schon vertrauen, dass am Ende etwas Sinnvolles herauskomme.
Bevor er aber auf dieses Buch zu sprechen kommt, kündigt er sich selbst als seine eigene Vorgruppe an und beginnt die Lesung im gerammelt vollen Club mit der Kurzgeschichte "Birth. School. Work. Death" aus dem Band "Ich wäre tendenziell für ein Happy End". Vier Handlungsstränge, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, lässt Mohl in der Erzählung witzig, lalonisch und voller schwarzem Humor in einem überdrehten Ende zusammenlaufen. "Ich rate meinen Zuhörern immer, Papier und Bleistifte rauszuholen, um mitzukommen. Wer nicht aufpasst, ist draußen. Es gibt am Ende eine Stelle, an der ich merke, ob Ihr noch dabei seid oder nicht“, witzelt der Autor. Als Einstieg passt die Kurzgeschichte gut, denn der Roman "Es war einmal Indianerland", der im zweiten Teil auf dem Programm steht, arbeitet mit der gleichen Technik der Vor- und Rückblenden.
Nach der Pause beginnt das, was Mohl „Sitzdisko“ nennt, ein Format, das er heute zum ersten Mal ausprobiert. 14 Titel haben Mohl beim Schreiben des Buches "Es war einmal Indianerland" begleitet, haben ihm geholfen, sich daran zu erinnern, welches Lebensgefühl er als 17-jähriger hatte, wie sich die Liebe damals anfühlte. Die Songs lässt er von DJ Quirin anspielen und erzählt, was die Musik mit dem Roman und seinem Schreiben zu tun hat.
Da sind Elvis, der eine Liebesschnulze flötet, die Pixies, deren Song "Where is my mind?" im Film "Fight Club" vorkommt, oder Nirvana, die Nils Mohl als Student in Kiel fast live erlebt hätte. Dazu erzählt er unterhaltsam, lässig und komisch, wie er mit Jugendsprache, mit Kitsch und Klischees umgeht, und erwähnt literarische Einflüsse wie Salinger oder Karl May. Der Abend hat einen schönen Rhythmus. Es ist eine gelungene Premiere, die ihm sehr viel Applaus einbringt.
In Istanbul gibt es, nur wenige Schritte vom Shoppinglanz der Malls entfernt, ein Viertel, in dem die Fenster mit Brettern verhauen sind. Die türkische Autorin Suzan Geridönmez liebt dieses Viertel, das als gefährlich verrrufen ist. Istanbul ist eine Stadt der Gegensätze, eine lebendige Metropole, die Suzan Geridönmez mag. Davon erzählt sie in Bildern, die die Autorin mitgebracht hat. Sie zeigt türkische Jugendliche auf einem Festival, verschleierte Mädchen am Laptop, Studenten, die für ihre Rechte demonstrieren, schick gekleidete Absolventen des Gymnasiums auf der Abschlussfeier.
Eine Liebe, die mit 14 Jahren begann, als die in Deutschland geborene und aufgewachsene Autorin während eines Sommerurlaubs in der Türkei beschloss, dort zu bleiben. "Es war der Mut des Unwissens", sagt Geridönmez, "aber ich hatte für mich entschieden: Ich möchte in der Türkei leben." Und das, obwohl sie kein Wort Türkisch sprach. In Istanbul gab es eine Schule, in der Naturwissenschaften auf Deutsch unterrichtet wurden, und obwohl sie keine gute Schülerin war, bestand sie die Aufnahmeprüfung. Ihre Eltern, über den Entschluss der Tochter entsetzt, ließen ihr trotzdem den Willen, ein Onkel nahm sie zu sich, drei Monate später kam die Familie nach.
Geridönmez erlebte das Land nach dem Militärputsch mit Aussgangssperre, Versammlungsverbot und Repressalien. Sie fügte sich nicht ein, war eine aufsässige Schülerin und flog von der Schule. Geridönmez sah das damals sehr naiv: "Ich dachte, arbeiten ist auf jeden Fall besser als Schule. Nachdem ich verschiedene Jobs durch hatte, kam die Erkenntnis, dass Schule vielleicht doch nichts das Schlechte sei." Sie kehrte zurück aufs Gymnasium, machte ihren Abschluss, studierte Germanistik, arbeitete als Journalistin, leitete eine Schulbibliothek.
An diesem Abend liest Suzan Geridönmez im Münchner Michaeli-Gymnasium eine Erzählung aus ihrem Buch "Ötesi yok" vor. Ihre Jugendbücher sind bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt worden. Für die Lesungen auf dem White Ravens Festival hat Anke Bartholomä erstmals einige ihrer Texte ins Deutsche übertragen. Die Geschichte von einem Jugendlichen, der als Mutprobe ein Kätzchen ermorden soll, können deshalb alle 60 Zuhörer verstehen. Wie der Junge die Mutprobe besteht, sei hier nicht verraten.
Während türkische Kinder- und Jugendbücher bisher kaum ins Deutsche übersetzt werden, sind umgekehrt sehr viele deutsche Kinderbuchklassiker auf dem türkischen Buchmarkt erhältlich. Geridönmez hat daran einen großen Anteil, weil sie nicht nur als Autorin, sondern hauptsächlich als Übersetzerin von deutschsprachigen Kinder- und Jugendbüchern arbeitet. Deswegen ist sie in der Türkei als Übersetzerin bekannter denn als Autorin.
Ob es einen Unterschied zu den Lesungen gibt, die sie in der Türkei hält? "Nein, eher nicht. Auch in der Türkei besteht eine Lesung aus dem Vortrag des Textes und dem Gespräch mit den Autoren." Als Kind hat sie Unterschiede zwischen Deutschland und der Türkei nicht wahrgenommen, obwohl unmittelbar nach dem Militärputsch ein Klima der Angst und der Unsicherheit herrschte. "Kinder achten auf so etwas nicht." Und heute? Gibt es große Unterschiede zwischen den Jugendlichen in den beiden Ländern? "Mein Eindruck: ist, dass junge Mädchen in der Türkei selbstständiger sind, weil sie ihre Rechte mehr durchsetzen müssen." Ansonsten leben Jugendliche in der Türkei aber genauso wie in Deutschland
Bettina Neu (Moderatorin) und die Autorin Suzan Geridönmez.Beitrag von Gastblogger Christian Spließ.
Am Sonntag gab es ein schönes Eröffnungfest für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Das White Ravens - Webteam wurde dabei über die ersten Eindrücke vom Festival interviewt und nutze gleichzeitig die Gelgenheit allen Followern und Fans ein dickes Dankeschön auszusprechen!
Man hätte im Christa-Spangenberg-Saal das klirrende Geräusch hören können, das eine Stecknadel macht wenn sie zu Boden fällt. Fasziniert und gebannt hören die Schüler und Schülerinnen Mirjam Pressler zu, die einen längeren Text von Uri Orlev über seine Kindheit im Warschauer Ghetto vorliest. Literatur gegen das Vergessen.
Paradoxerweise waren die zwei Jahre im Warschauer Ghetto vor seiner Deportation die glücklichsten im Leben von Uri Orlev. "Meine Mutter ging früher immer zur Arbeit, und mein Bruder und ich sahen sie dann kaum. Im Ghetto hatte meine Mutter plötzlich Zeit für uns." Es gab natürlich das Grauen und den Hunger, aber das Leben nahm auch im Ghetto seinen normalen Gang. "Wir redeten, wir stritten, wir versöhnten uns. Nur einmal habe ich im Ghetto geweint, als meine Mutter mir ein Buch n icht kaufen wollte, weil es zu teuer war." Die Schüler und Schülerinnen hingen an den Lippen von Mirjam Pressler, Orlevs Übersetzerin und selbst große Autorin, und ließen sich kein Wort entgehen."Wir spielten mit Bleisoldaten Krieg mitten im Krieg, führten die Helden von Romanen als Generäle und Soldaten auf 'unser Schlachtfeld'." Im Ghetto selbst stöberte Uri Orlev in verlassenen Wohnungen von deportierten Juden und sammelte zurückgelassene Briefmarken und Bücher. Dabei machte er mehr als einmal grauenvolle Begegnungen. So etwa, als er sich mit Freunden in eine Wohnung schlich und eine ganze Familie tot am Essenstisch vorfand. "Sie hatten sich vergiftet, weil sie keinen Ausweg wußten. Aber zu mir sagten die Erwachsenen: Du bist ein Junge, du wirst überleben." Und er überlebte. Mit 12 Jahren kam
Mit 23 Jahren begann Uri Orlev zu schreiben. Schriftsteller? Er? Der die Schule nicht mochte? Als der Lehrer eines Tage sagte, Uri könne nicht mehr in die Schule gehen, weil er Jude sei, war er ungeheuer erleichtert gewesen. Erst später hat er durch den Privatunterricht das Lernen liebgewonnen. Bis heute hat er 34 Bücher veröffentlicht.
Uri Orlev erzählt nicht nur aus seiner eigenen Kindheit, sondern oft die Erlebnisse anderer Überlebender, etwa in seinem bekannten Roman "Lauf, Junge lauf", der demnächst verfilmt wird. Er hörte sich die Lebensgeschichte an, las Protokolle und hörte sich wieder und wieder die Tonbänder an. Immer wieder fragte er: "War das damals wirklich so?" Natürlich haben die Menschen kein perfektes Gedächtnis und können sich nur in Ausschnitten erinnern, weshalb ein Schriftsteller dazu erfinden muss. Was Uri Orlev aber im Fall von "Lauf, Junge lauf" erstaunt, dass ausgerechnet die wahren Stellen vom Leser als erfunden gelesen werden. "Die Begegnung des Jungen mit seinem Vater im Feld ist beispielsweise passiert."
Wann genau sich Mirjam Pressler und er kennengelernt haben? Die beiden wissen das nicht mehr. Sicher ist nur, dass sie eigentlich nicht aus dem Hebräischen übersetzen wollte. 'Viel zu aufwendig." Dann ließ sie sich doch überreden. Ein Glück für die Literaturszene. Sie hat fast alle Bücher von Uri Orlev ins Deutsche übertragen. Schreibt oder übersetzt sie denn lieber? "Eigentlich schreibe ich lieber. Nach einem fertigen Roman falle ich meistens in ein Loch. Dann bin ich froh, wenn schon ein Mansukript zum Übersetzen griffbereit ist." Zum Schluss empfiehlt sie den Sechstklässlern, die in der Fragenrunde vor allem über die Kindheit von Uri Orlev im Ghetto wissen wollten: "Lest 'Die Bleisoldaten'. Darin hat Orlev seine Kindheit verarbeitet. Ihr seid schon alt genug dafür."
Beitrag von Christian Spließ
Der Junge Koumaïl kennt die Geschichte seiner Geburt zwar auswendig, aber Gloria muss sie ihm während der Flucht aus dem Kaukasus nach Frankreich immer wieder erzählen: Wie der Zug entgleiste, wie Gloria seine Mutter, eine Französin, fand, wie sie Koumaïl das Leben rettete. In "Zeit der Wunder" zeichnet Anne-Laure Boudoux die Geschichte einer Flucht nach.
In „Die Zeit der Wunder“, aus der naiven Perspektive des Flüchtlingsjungen Koumaïl geschrieben, spielen Legenden, Lügen und Wunder eine große Rolle. Die Hauptfigur Gloria, eine starke aber auch undurchschaubare Frau, erzählt dem Jungen Koumaïl, den sie auf der abenteuerlichen Flucht begleitet, immer wider Familiengeschichten, die für ihn zu einer schützenden Behausung werden. Was davon „die reine Wahrheit“, was Fiktion ist, löst sich erst am Ende des Romans auf. In jedem Fall retten die Lügen dem Jungen das Leben.
Schreiben beginnt bei Boudoux mit den Personen, die sie sich erträumt: "Für 'Die Zeit der Wunder' hatte ich eine optimistische Figur im Kopf, jemanden, der trotz der bedrängenden Umstände immer den Kopf hoch hält. Aus dieser Figur wurde Gloria." Bis die Figuren allerdings tatsächlich vom Kopf auf das Papier kam, dauerte es. "Es gibt einen gewissen Moment, eine Verwandlung, etwas ganz Besonderes. Dann weiß ich: Es ist soweit, ich kann anfangen. Bis es dazu kommt, dauert unterschiedlich lange: mal 10 Sekunden, mal 10 Jahre."
Einen Spannungsbogen wie für einen Krimi hat Boudoux für "Die Zeit der Wunder" nicht entwickelt. "Wichtig war ihr, den Leser von Anfang an zu packen und in die Geschichte reinzuziehen. Das ist ihr gelungen. Die Schülerinnen und Schüler dankten es ihr mit großer Aufmerksamkeit und vielen Fragen.
Beitrag von Christian Spließ
„Oh, es gibt ja zwei von euch“ - dieser überraschten Ausruf der Kunden des Geschäfts, in dem Jenny Valentine arbeitet, war eine Inspiration für ihren neusten Jugendthriller. Die andere Inspiration war der tatsächlich existierende Betrüger, „The Comedian“, der stets in andere Identitäten schlüpfte. So wie der Protagonist Chap in Jenny Valentines „The Double Life of Cassiel Roadnight“.
„Es ist schon erstaunlich, dass der Comedian mit seinen Betrügereien durchkam. Er gab sich immer als Teenager aus, der seit einiger Zeit verschwunden war - dabei war er eigentlich schon erwachsen,“ so Jenny Valentine in ihrer Lesung, die komplett auf Englisch gehalten wurde. Manchmal allerdings ist das Leben eines Anderen gar nicht so erstrebenswert. Diese Erkenntnis macht auch Chap, der Held des Thrillers, der in die Rolle von Cassiel schlüpft. Jenny Valentine las auf dem White Ravens Festival aus dem Anfangskapitel und erzählte anschießend über den Prozess des Schreibens an dem Buch: „Ich musste vorsichtig sein, ein Thriller ist wie eine Achterbahn, die Spannung baut sich langsam auf und dann geht es rapide in die Tiefe. ... Ich habe versucht, Geschichten so zu schreiben, wie man das in der Schule lernt - also mit einem Anfang, Mitte und Schluss, wobei ich das Ende schon vorwegschrieb. Für mich funktionierte das aber nicht. Deswegeb habe ich den Schluss dann doch noch mal geändert.“ Vierfüntel des Romans war in vier Monaten geschrieben, der Rest brauchte drei Wochen.
Jenny schreibt mittlerweile einen Roman im Jahr. Warum wählte sie in ihren Romanen meistens die Ich-Perspektive, wollte eine Schülerin wissen? Die Autorin findet, das sei für sie einfacher und auch für den Leser. „Die dritte Perspektive - also ,Sie sagte, sie meinte‘ - baut eine Distanz auf. Beim Schreiben bin ich näher an der Ich-Perspektive dran. Für mich ist es ungeheuer schwierig, in der dritten Person zu schreiben.“ Und was tut Jenny Valentine, wenn sie beim Schreibprozess mal steckenbleibt? Die Antwort der Autorin: „Ich gerate in Panik.“ Und damit hat sie die Sympathien der Zuhörer vollends auf ihrer Seite.von Christian Spließ
Kaum haben sich die Türen für den großen Saal geöffnet, stürmen die Erst- und Zweitklässler auch schon nach vorne, um möglichst nahe bei der schwedischen Autorin Frida Nilsson zu sitzen. Deren Geschichten um Hedvig treffen voll ins Schwarze.
Während die Autorin ein kurzes Stück der ersten Geschichte auf Schwedisch liest, schnellen die Hände der Kinder in die Höhe, sobald die Wörter erkannt werden. „Bus“, „Hedvig“ oder „Schule“ etwa. Danach liest Julia Cortis, Sprecherin beim Bayerischen Rundfunk, die Geschichten von Hedvig auf Deutsch. Mit Hedvig hat Frida Nilsson eine sympathisch-freche Heldin erschaffen. Kein Wunder, dass die Kapitel, in denen Hedvig eine Frisurenkatastrophe erlebt oder in dem sie ihren Klassenkameraden Rickard Seife in die Trinkflasche tut, bei den Kindern auf offene Ohren stoßen.
Nach der Lesung wird Frida Nilsson mit Fragen bestürmt: Woher kommen ihre Ideen? Wie lange schreibt man an einem Buch? Kann Frida Nilsson vom Schreiben leben? Und ihr Lieblingsessen?
Die Ideen für die Hedvig-Bücher stammen teilweise aus der eigenen Kindheit. Frida Nilsson befragte aber auch Freunde oder ihre Eltern. Und ja, sie hat tatsächlich auch selbst Seife in die Trinkflasche ihres Klassenkollegen getan und auch sie hat die Episode mit dem Friseur erlebt.
Frida Nilsson schreibt unterschiedlich lange an ihren Büchern. Für das erste Hedvig-Buch hat sie einen Monat gebraucht, an ihrem aktuellen Buch hat sie ein Jahr geschrieben. Den Titel des neuen Romans wollte sie allerdings noch nicht verraten. Das bleibt erstmal ein Geheimnis.
Da Frida Nilsson nicht nur als Autorin sondern als auch Übersetzerin arbeitet, kann sie von ihrem Beruf leben. Mittlerweile hat sie acht Bücher geschrieben, vier davon sind auf Deutsch erschienen. Sie hat Bücher schon immer geliebt und es gefällt ihr, wie selbstbestimmt man als Autor leben kann. Und ihr Lieblingsessen? Das sind kleine schwedische Krebse. Wahre Leckerbissen seien das, versichert Frida Nilsson. Da haben die Schüler allerdings so ihre Zweifel, wenn man in ihre Gesichter schaut...
Während Jenny Valentine im englischen Bücherdorf Hay-on-Wye lebt ist Jutta Richter zumindest ein Schloss vertraut. Die deutsche Autorin wohnt nämlich in Schloss Westerburg.
"Mach das bloß nicht vor Mutter, sonst schreibt sie das in ihr Buch" - so die Reaktion der zwei Töchter von Jenny Valentine auf die bisher erschienen "Kiki"-Büchern. Denn diese basieren auf den Taten der beiden Töchter, obwohl diese mittlweile stolz sind, als Vorlage für die Buch-Reihe gedient zu haben. Wobei: Im Englischen heißt Kiki, die kleine Schwester, dann doch tatsächlich anders. Iggy nämlich. Der Grund für die Umbenennung? Vermutlich klang der englische Name in deutschen Ohren doch zu sehr nach "Igitt". Jenny Valentine nimmt's gelassen und liest einen Teil der Geschichte vor, in der Kiki beschließt künftig Kiki zu heißen. Für die deutschen Zuhörer gibt's anschließend die Übersetzung. In England ist gerade der neueste Band der Reihe erschienen, aber ob das im Titel erwähnte neue Baby nun zur Kiki-Familie gehört oder nicht, das verriet Jenny nicht. Wohl aber, dass sie selbst in der Familie die Kiki war - die ältere Schwester sei ja immer so ernst und vernünftig - , während die jüngere meistens etwas ausgeflippter sei. Ideen für die Kiki-Bände hat Jenny jedenfalls noch genug. Zwei Auszüge aus zwei Büchern las anschließend Jutta Richter, die ihre Lesung stimmgewaltig begann. Ein Lied von azurnen Himmeln, mächtigen Wogen sang sie. Eines, das eine kleine Rolle in ihrem neuen Roman spielt, aus dem sie zum ersten Mal überhaupt einen kleinen Auszug las. In "Das Schiff im Baum" verschlägt es zwei Großstadtkinder in den Norden. Genauer gesagt nach Betenbüttel. Kein Fernseher, kein Schwimmbad: Die Sommerferien für die Beiden beginnen ziemlich trostlos. Wenn da nicht Onkel Fiete wäre, der behauptet, zusammen mit Kapitän Ahab auf See gefahren zu sein... Ob das vielleicht doch nur Seemansgarn ist? Erst am 30. Juli weiß man mehr. Zum Schluss gab es einen Auszug aus "Ich bin hier bloß der Hund", das recht anschaulich die Kommunikationsprobleme zwischen Hunde und Katzen schilderte. Merke: Katzen möchten nicht spielen wenn sie "knurren" und "mit dem Schwanz wedeln"...
Beide Autoren sind im Norden der Welt zu Hause aber das ist dann wohl auch das Einzige, was beide miteinander verbindet. Denn während Frida Nilsson mit ihren Büchern über Hedvig Geschichten über die Schule und freche Streiche erzählt wird es bei Sylvain Rivard göttlich-superheldisch.
Ob die Geschichten über Hedvig und ihre Eltern allesamt wahr sind? Zumindest im ersten Buch der schwedischen Kinderbuchautorin Frida Nilsson sind alle Details wahr. Behauptet sie jedenfalls steif und fest, allerdings liegt in ihren Augen ein leichtes amüsierte Funkeln. Vier Bücher hat die Autorin jedenfalls schon über Hedvig geschrieben, vorerst ist in Deutschland nur das erste Buch - "Hedvig! Das erste Schuljahr" - erhältlich. Für die Geschichten gehe ihr der Stoff vorerst nicht aus. Das wäre auch schade, denn wenn Hedvig etwa aus Rache etwas Seife in den Trinkflasche eines Jungen ihrer Klasse gießt oder wenn etwa die Shorts für das Kuscheltier "Snoopy" im Urlaub vom Winde verweht werden - dann können sich auch die Erwachsenen kaum das Lachen verkneifen.
Sylvain Rivard ist dagegen ein Meister im Improvisieren - eigentlich sollte er mit mehreren Koffern voller Felle und Bärentatzen angereist sein, aber irgendwie sind die Koffer an diesem Tag des Festivals noch nicht da. Eine gute Geschichte braucht aber zum Glück nur wenig Requisiten und so erzählt Rivard wie der Elch seine eigentliche Gestalt bekam. Wobei der Schöpfer der Welt in dieser Geschichte überhaupt keine Lust hat sich um die das Problem des zu großen Elches zu kümmern - "Ich bin fertig. Macht mal." - und stattdessen einen indianischen Superhelden schickt um das Problem zu beseitigen. Immerhin wissen die Zuhörer jetzt: Der Abdruck auf dem Kopf des Elches stammt von diesem Helden und wenn man applaudiert, vertreibt man nicht nur die guten Geister sondern lockt auch den Regen herbei. Deswegen bei weiteren Veranstaltungen mit Rivard: Händewedeln!
Für mich als Kinder-und Jugendbibliothekarin im freiwilligen „Exil“ war es sehr schön so aus der Ferne das „White Ravens Festival 2012" auf allen Kanälen mitzuverfolgen.
Besonders sei hier hervorzuheben der Gastblogger Christian Spliess für seine qualitativ hochwertigen Artikel, die ein guter Ersatz für „Nichtdabeiseinkönnende“ waren! Wie überhaupt alles toll war, was an Berichterstattung auf den verschiedenen sozialen Netzwerken (livetweets, Facebook, Kurzvideos auf vimeo und Bloogbeiträge verschiedener Autoren) lief!
Ein grosses Lob an das Web-team des „White Ravens Festivals" (Tanja Leuthe and Petra Wörsching und viele Helfer) unter der Leitung von Frank Tetler.
Besonders gut kam dessen hervorragende Team-arbeit beim „tweet-up“ zur Eröffnung zur Geltung. Durch live-tweets und Fotos auf Twitter, war man quasi „dabei“ und fieberte mit den Organisatorinnen mit, ob alles klappen würde!
Diese live-tweets waren auch während des Festivals von den Autorenlesungen sehr hilfreich, neben modernen Klassikern wie Mirjam Pressler und Jutta Richter, neue und zum Teil noch nicht übersetzte Autoren zu entdecken.
Besonders hervorheben muss man auch die hochinteressanten live-tweets zur Lesung von Mirjam Pressler und Uri Orlev im Jüdischen Museum, bei der ich sehr gerne dabei gewesen wäre und deshalb besonders dankbar für die lebhafte Berichterstattung auf Twitter war.
Nun mein Wunsch an das nächste „White Ravens Festival": weiter so!
Andrea Delumeau, American Library in Paris (http://www.americanlibraryinparis.org/ )
Deutsch, niederländisch und limburgisch: Der Autor Benny Lindelauf kann diese drei Sprachen aus dem Effeff. Zwar mochte er die Suppe seiner Großmutter nie, aber jeden Sonntag kam er sie wegen ihrer Geschichten besuchen. Die er dann aufschrieb.
"Ein Autor gebraucht Wörter um Bilder im Kopf entstehen zu lassen", beschreibt Lindelauf seine Tätigkeit. Wobei er auch Texte für Chansons schreibt und diese vertont. Eines dieser Chansons erzählt von der Maas und den Menschen. Während der Fluss immer derselbe zu sein scheint, ist die Zeit für den Menschen dagegen fast kaum zu messen. Begleitet wird Lindelauf, der selbst Gitarre spielt, von Liselore Strijdhorst auf dem Akkordeon.
Den Anfang des Romans "Das Gegenteil von Sorgen" liest Lindelauf dann dreimal vor und selbst wenn man kaum niederländisch kann wird man doch erahnen, worum es in den ersten Sätzen geht. Darum, wie das Haus in das die Familie Boons zieht, seinen Namen bekam. Lindelauf hat die eher lustigen Geschichten seiner Großmutter in eine nachdenklich machenden Rahmen gespannt: Denn der Grund, warum die Großmutter schließlich tatsächlich umzog wurde nie erzählt. Vielleicht, so Benny Lindelauf, weil im Zweiten Weltkrieg eher die guten und lustigen Geschichten gebraucht wurden. Die Lücken, die hat er nun selbst gefüllt - der zweite Band der Familienchronik "Unsere goldene Zukunft" ist vor kurzem auf deutsch erschienen.
Zum Schluss gibts für die Zuhörer noch eine besondere Herausforderung: Den Refrain eines limburgischen Chansons im Original zu singen und anschließend noch im Kanon. Was gar nicht so einfach ist, aber immerhin trotz des späten Nachmittags und des Regens, der ja immer auf die Stimme drückt, dennoch gelang.
Hier ein paar Worte wie ich das Festival erlebt habe:
Ein tolles Team, aufregende Autoren, interessante Orte, Zugreisen durch unbekannte Landschaften, eine super Moderatorin und ein neugieries Publikum… dass ist es was ich mir von einem Literaturfestival wünsche und das ist es, was ich beim White Ravens Festival erleben durfte.
Es waren alles in allem spannende, inspirierende Tage und ich bin mit vielen bunten, bereichernden Eindrücken und einem gefalteten weissen Raben, dessen Inschrift mir eine unbeantwortete Frage beschert hat abgereist. Nun hängt der Rabe neben meinem Schreibtisch und ich denke oft über seine Frage: “Worüber würden Sie nie schreiben?” nach. Ich habe noch immer keine Antwort gefunden. Trotzdem weiβ ich mehr als vorher. Es ist ein wundervolles Ereignis, wenn aus aller Welt viele weiβe Raben kommen, sich austauschen, ausfliegen, Schulen, Bibliotheken, Kulturorte besuchen und jungen Menschen ihre Geschichten vortragen. Kurz, es war toll beim White Raven Festival dabei zu sein. So toll, dass man leicht vergisst wieviel Arbeit und sorgfaeltige Organisation dahinter steckt. Darum ein riesengroβes Danke an das ganze Team!Suzan, rechts im Bild
Uri Orlev am Eröffnungstag des Festivals
Uri Orlev, geboren 1931 als Sohn jüdischer Eltern in Warschau, verbrachte einen Teil seiner Kindheit im Warschauer Ghetto. 1943 wurde er ins KZ Bergen-Belsen deportiert. Er ist einer der wenigen heute noch lebenden Zeitzeugen des Holocaust. – Nach der Befreiung wanderte er nach Erez-Israel aus, wo er zwanzig Jahre in einem Kibbuz arbeitete. Sein weltweites Renommee als Schriftsteller gründet auf seinen Jugendromanen, in denen er seine Kindheit und das Leiden an Faschismus und Krieg verarbeitete, etwa in Die Insel in der Vogelstraße (1981, D: 1986) oder in seinem autobiografischen Debüt Die Bleisoldaten (1956, D: 1999). Uri Orlevs Werke, darunter auch Kinderbücher, wurden aus dem Hebräischen in mehr als 25 Sprachen übersetzt. 1996 wurde er für sein Gesamtwerk mit der Hans-Christian-Andersen-Medaille ausgezeichnet, der wichtigsten internationalen Auszeichnung für Kinderbuchautoren. Der Autor hat vier erwachsene Kinder und lebt mit seiner Frau in Jerusalem.
Es war eine große Ehre für uns, Uri Orlev als Festivalautor gewinnen zu können. Nach seiner Rückkehr nach Jerusalem, hat uns Uri folgendes geschrieben:
I want to thank all wonderful people who made our stay in the White Ravens Festival so exceptional. Everything was just perfect for us: starting from the weather, via the high level of the contents and meetings with the audience, to last but not least, the warmth and kindness with which we were welcomed and taken care of. All the best, Uri
The White Ravens was, I think, the best book festival I have ever attended. A number of things stand out for me. The first is the explicit internationalism of the festival, it was an absolute treat to meet and share experiences with writers from around the world. It reminds one how basic and essential this business of telling stories is, and I was proud to be in the company of such a talented and diverse bunch of people. I know this is a very expensive undertaking, and I'm very grateful. I very much like the size of the festival. Limiting it to a small number of authors means that we all feel we are a critical part of its success, and I think that affects the way we contribute.
The opportunity to move out into schools around the region and interact with students in their environment was the true highlight for me. As a school teacher, I know how difficult it is to arrange these visits, particularly at the end of a school year, so your organisers did a superb job in this regard. The schools were well organised, and had prepared for the visits, which made it much easier for me. And of course it is so impressive to be able talk to these students, and have them talk back, in a language that isn't native to them. The teachers in the school friendly and supportive and I really appreciated that.
The level of individual support and attention we all received, with our own minder/translator to help us out, was tremendous. Claudia was a delight to be with, and had everything organised so well that really I could just relax and treat a good deal of it as a holiday.
And of course, Bavaria is such a beautiful place, with wonderful scenery, people and food, and all of that is quite the bonus.
Anyway, overall a wonderful experience that has left me with a new enthusiasm for writing. Thank you again and all the very best for future events.
What an incredible library! I wanted to move in downstairs with all those wonderful books. I feel so grateful to have been invited. For me it was a huge inspiration to meet so many writers from across the world, and so many children. I didn't know about Jella Lepman before, I'm ashamed to say, and now I am telling everyone I meet about her, and about the work that you all do.
Aber auch für uns war der Besuch Jenny Valentines eine große Freude!
Tanja Leuthe (Presse- und Programmabteilung) und Petra Wörsching (Direktionsassistenz) schildern nach intensiver Vorbereitung ihre ersten Eindrücke des White Ravens Festival 2012 das Heute seine Tore öffnete.
Cast: Internationale Jugendbibliothek and Christoph Müller-Girod
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Die Vertreter der Stiftung Internationale Bibliothek Dr. Dominik von König
Vorsitzender des Stiftungsrates und Nikolaus Turner
Vorsitzender des Stiftungsvorstandes geben Einblick in Ihre Arbeit und die internationale Bedeutung des White Raven Festivals
Cast: Internationale Jugendbibliothek and Christoph Müller-Girod
Tags: White Ravens Festival, wrf12, Internationale Jugendbibliothek, Dr.Dominik von König, Nikolaus Turner and Doku
Frank Tentler und Tanja Praske erklären was ein Tweet Up ist und wofür es eingesetzt wird
Cast: Internationale Jugendbibliothek and Christoph Müller-Girod
Tags: Tanja Praske, Frank Tentler, IJB, Internationale Jugendbibliothek, Festival, White Ravens Festival, wrf12 and Doku
In einem Interview stellt Dr. Christiane Raabe, Direktorin der Internationalen Jugendbibliothek, das Projekt White Ravens vor und begründet die Entscheidung auch im Social Web aktiv zu werden.
Cast: Internationale Jugendbibliothek and Christoph Müller-Girod
Tags: White Ravens Festival, Internationale Jugendbibliothek, wrf12, Social Web, Web2.0, Christiane Raabe, Interview and Doku
Cast: Internationale Jugendbibliothek and Christoph Müller-Girod
Tags: Doku, White, Ravens, Festival and Zusammenfassung
Ursprungsmythen und -märchen aus aller Welt. Was war am Anfang? Wie bildeten sich Kosmos und Erde? Warum erschien plötzlich das Licht? Unsere Ausstellung gibt dem Reichtum, der Vielfalt und Unterschiedlichkeit dieser Geschichten Raum. Zu sehen noch bis 16. September, Mo -Fr 10 - 16 Uhr, Sa und So 14 - 17 Uhr.
Cast: Internationale Jugendbibliothek
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