Nach den Reaktionen auf Sven Regeners BR-Interview hat die öffentliche Diskussion um das Urheberrecht mit wir-sind-die-urheber.de einen neuen Tiefpunkt erreicht. Dass Menschen, die zum größten Teil mit Texten ihr Geld verdienen, ihre Unterschrift unter ein solches Pamphlet setzen, lässt echte Verzweiflung vermuten. Auch wenn das Urheberrecht (zumindest in juristischer Theorie) eine stabile Position ist, so wird die traditionelle Rechteverwertung nach und nach von der Realität überholt. Von Filesharing, alternativen Vertriebswege oder jene Künstlern, die dem alten Markt den Rücken zukehren und Ihr Geld mit direkter Leistung (Performance) verdienen.
Die Lager scheinen klar: Der Schaffende, der Konsumierende und dazwischen der Markt. Der Schaffende fordert hier Geld für eine erbrachte Leistung, die mancher Konsument nicht mehr bezahlen will. Am Beispiel Musik: Früher war die Musikindustrie der Weg zum Künstler. Ohne Plattenfirmen keine Studioaufnahmen, ohne Aufnahmen keine Platten - ohne Platten keine Musik. Der Konsument war also angewiesen auf stabile Marktstrukturen. Die waren zwar teuer, aber verlässlich. Heute steht der Markt fast störend zwischen Künstler und Konsument. "Ja, aber ohne Markt, keine Kunst"? Glaube ich nicht. Abgesehen davon, besteht ein Großteil dieses Marktes aus einem reinen Kopier- und Verteilernetzwerk, das immer weniger Menschen benötigen.
Das Hamburger Schauspielhaus erwirtschaftet etwa ein Viertel seiner Kosten selbst, Theater ist schon lange ein reines Zuschussgeschäft. Zurecht und berechtigt. Von mir aus sollen Künstler eine staatliche Grundunterstützung beantragen können. Das wäre zumindest sehr viel verständlicher als ähnliche Forderungen der Zeitungsindustrie. Doch der mit wenig Arbeit erfolgreiche, in Saus und Braus lebende Künstler ist ein Imagephänomen der Neuzeit, das so überhaupt erst durch die Popkultur und deren Industrie möglich wurde.
Ich bin davon überzeugt, dass überlege, ob es der Kunst nicht sogar ganz gut tut, wenn sie sich mit einer breiteren eigenen Basis abfinden muss. Zwangsregulieren lässt sich das nicht, aber freie(re) Lizenzmodelle werden von immer mehr Künstlern genutzt. Auch ohne auf ihr Urheberrecht zu verzichten, lassen viele ihre Arbeiten frei vervielfältigen und verbreiten. Geld verdienen sie mit Leitungen die sich nicht kopieren lassen oder die niemand kopieren will. Gut vorstellbar, dass sich hier ein paralleler Markt entwickelt, während ein veralteter Teil der Kulturindustrie um die Reste ihres Geschäftsmodells kämpft.
Pic: cliff1066™ (CC BY 2.0)
Eine große Freude ist es mir, heute zum ersten Mal Gastgeber der ffluidnetwork Leseparade zu sein. Nähere Informationen zu Sinn und Zweck einer solchen, sowie Links zu den vergangenen Paraden finden sich auf dem Blog des fluidnetworks.
The split brain: A tale of two halves
"David Roberts, head of neurosurgery at Dartmouth-Hitchcock Medical Center in Lebanon, New Hampshire, sees an important lesson in split-brain research. He operated on some of the cohort members, and has worked closely with Gazzaniga. “In medical school, and science in general, there is so much emphasis on large numbers, labs, diagnostics and statistical significance,” Roberts says — all crucial when, say, evaluating a new drug. But the split-brain cohort brought home to him how much can be gleaned from a single case. “I came to learn that one individual, studied well, and thoughtfully, might enable you to draw conclusions that apply to the entire human species,” he says."Dieses wirklich lange Lesestück auf nature.com setzt sich mit der Forschung an den wenigen Menschen auseinander, deren Gehirnhälften voneinander entkoppelt wurden. Ihre Geschichte hat unser Wissen über uns selbst nachhaltig beeinflusst und durch Wissenschaftler - allen voran Michael Gazzaniga - immer neue Erkenntnisse hervor gebracht. Mich nervt oft die Zahlenversessenheit in der Wissenschaft, so ist es mir ein schöner Randaspekt dieser Geschichte, dass man an ihr sehen kann: Auch eine sehr kleine Stichprobe kann unser Weltbild verändern.
"Using visions is a practice that successful companies have in common. Without this coordinating force, people on projects are left to focus only on technical capabilities and features. By only considering what it is and how it will work, you miss out on why the site will matter to users—why it will have meaning in their lives."Es wird immer deutlicher und an verschiedensten Stellen diskutiert: Um ein gutes Produkt zu entwickeln, muss man mehr tun, als technische Funktionen zu diskutieren. Es geht vielmehr um die Vision dessen, was wir für unsere User, Kunden erreichen wollen. Und diese Vision muss von allen Projektbeteiligten (Management, Fachabteilung, Designer, Entwickler...) gleichermaßen verstanden und getragen werden.
"Es ist nicht das Internet, sondern es sind die Verlage, die nicht angemessen bezahlen. Was hier helfen würde, wäre ein weiterer Ausbau des Urhebervertragsrechts zugunsten der tatsächlichen Urheber, damit Knebelverträge wie die des Handelsblatts endlich der Vergangenheit angehören."In den Zeiten der drohenden Veränderungen der Medienlandschaft wie wir sie heute kennen durch ACTA, Leistungsschutzrecht und Co wurde gestern ein offener Brief von 51 Tatort Autoren wild diskutiert im Netz. Der CCC schrieb ebenfalls einen Brief und hält mit blumiger Sprache dagegen. Über dieses Lesestück von Internet-Law-Blogger Thomas Stadler bin ich auf diese ganze Debatte aufmerksam geworden, sehr lesenswert und ein guter Rahmen um beide Positionen!
"Am Stand [eines Lernsoftware-Entwicklers], laufen viele Lehrer nach wenigen Minuten entnervt davon. Kindergartenkinder und Grundschüler werden in einem Meer von Animationen, Aktivitäten und Fragespielen ertränkt.
"Wir verkaufen das, was die britische Regierung von den Kindern zu lernen verlangt". Der Lehrplan als Wirklichkeit. Das ist die schmale Basis vieler IT-Lernprodukte. Stand 2012"Die einzige Hoffnung die mir dieser Beitrag bietet, ist die Aussage, dass Deutschland da offenbar (noch) nicht voll mitspielt. Ich finde neue Lerntechnologien ja auch cool, glaube aber dass sich die Defizite in unserem Bildungssystem nicht durch die Anschaffung von Tablets und Produktion von Animationen beseitigen lassen.
"Kopper macht den Anfang: "Sie lügen, weil Sie jemanden schützen wollen!" Frau Schmitz schweigt. Kopper: »Wenn Sie Pech haben, werden Sie wegen vorsätzlichen Mordes angeklagt. (Vorsatz gehört immer zum Tatbestand des Mordes, einen nicht vorsätzlichen Mord gibt es so wenig wie einen schwarzen Schimmel.)"
"Do not worry about creating a vacuum. If you cannot recover from one person being gone for six weeks, then you do not have an organization; you have a hero culture. No one is indispensable, including the CEO. "Leistung und gute Ergebnisse haben nichts mit Dauerpräsenz zu tun. Ebenso wenig mit ständiger Verfügbarkeit. Freie Wochenenden, Urlaube und auch mal ein halbes Jahr Offline-Zeit - das sollte sich jede Unternehmensstruktur leisten können.
Der Nazivergleich ist in der westlichen Gesellschaft einer der ersten Prüfsteine für ethisch-politische Entscheidungen. Sozusagen als Ergänzung eines vereinfachten kategorischen Imperativs: Könnte ein Verhalten (eine Handlung, Entscheidung, etc.) eine Nazidiktatur ermöglichen und begünstigen? Dann kann ihm keine Maxime zugrunde liegen, die Basis eines allgemeinen Gesetzes sein könnte. Prinzipiell eine zulässige und sinnvolle Überlegung, weswegen ich Nazivergleiche auch nicht per se verurteilen würde. Im Gegenteil: einem Nazivergleich sollte sich jeder stellen können.
Entscheidend ist die Motivation: In der Regel dient der Nazivergleich der Deffamierung eines (politischen) Gegners oder als Totschlagargument - einhergehend mit der völligen Missachtung und Instrumentalisierung dessen, wovor uns diese Überlegung eigentlich bewahren sollte. Ein Überblick. Und wenn nach einem solchen Einsatz dann die inhaltliche Diskussion nachgeschoben wird, wird es reichlich absurd.
Lars war sauer. Er war mit seiner Frau und seiner zehn Monate alten Tochter zur CeBit gefahren, hatte dort erfahren, dass Kinder unter acht Jahren keinen Zugang hätten. Er hat sich beschwert, hätte einer CeBit-Mitarbeiterin fast ihre "debil grinsende Blondinenfresse auf links gezogen", nachdem er ihr gute Karrieremöglichkeiten in Nazideutschland prognostiziert hatte. Dann fragte er einen Soldaten, "ob er es nicht manchmal bereut, so ein Land auch noch verteidigen zu müssen." Und wenn die Deutschen aussterben, sie "haben es nicht besser verdient.". Wie gesagt, Lars war sauer. Er hatte seine Familie zu einer Messe geschleppt, hatte übersehen, dass Kinder dort keinen Zutritt haben und scheiterte mit dem Versuch eine Ausnahme auszuhandeln. Mindestens drei Stunden des Samstags waren damit am Arsch. Ich wäre auch sauer.
Zu diesem Artikel gab es einige Kommentare, nicht alle gefielen Lars. Also schrieb er noch einen Artikel, in dem er die Urheber dieser Kommentare, als die Schreibtischtäter bezeichnet, ohne die es die Nazis nie gegeben hätte. Auch zu diesem Artikel gab es Kommentare, die Lars nicht gefielen, also löschte er alle Beiträge die ihm nicht zusagten und schloss die Kommentarfunktion seines Blogs ganz:
"Es reicht jetzt. Wer sich nicht benehmen kann, fliegt raus."Irgendwie lustig... ;)
Nachdem ich in den letzten eineinhalb Jahren nahezu täglich Artikel auf unserem Agenturblog Wollmilchsau geschrieben hatte, und ich auch sonst nicht gerade wenig mit Text zu tun habe, kam jegliches andere Schreiben in dieser Zeit viel zu kurz. Das soll sich jetzt ändern, es war lediglich noch ein lange überfälliger Schritt zu tun:
Ich habe gerade alle meine alten Blogs gelöscht und dieses eröffnet. Einige der alten Artikel habe ich in dieses importiert, alles andere soll im digitalen Nirvana versinken. Hier Fotos, dort Texte - hier anonym, dort unter Klarnamen. Einiges war nach wie vor öffentlichkeitstauglich; auf anderes wiederum, möchte ich niemals wieder angesprochen werden. Vieles entstand auch einfach aus Neugier auf die jeweilige Plattform. Und dennoch hatte ich lange Hemmungen diese Seiten einfach zu löschen. Als ob ich das Recht an diesen Blogs mit der Zeit verloren hätte und sie zum Allgemeingut geworden wären. Ironischerweise waren es nämlich gerade die fast vergessen Blogs, die noch heute Kommentare und so einige Besuche sammelten.
Ich bin jedenfalls froh, den Ballast los zu sein und meine Online-Profile wenigstens um einige dicke Brocken reduziert zu haben. Mal sehen, wie lange es dieses Blog geben wird.. ;)
Nicht dass die Hertie-Filiale in der Fuhlsbüttler Straße besonders wohl sortiert gewesen wäre. Sie war klein, teuer, alt und bieder. Sie hatte am Samstag schon um 18:00 geschlossen und der Eingang zum Barmbeker Bahnhof hin war seit jeher ein Urinal für jene, die dort schon vormittags mit Oettinger und von Raven anstoßen.
Seit dem 15. August 2009 ist das Haus geschlossen. Schon damals hatte es einen gewissen Vintage-Flair und so kratzte ich heute mal etwas Dreck von den Fenstern und versuchte, durch sie ein paar Fotos zu schießen. Erinnert mich irgendwie an die späte Dallas-Folgen...
Hab mir gestern mal die Mühe gemacht, ein Gespräch vom Sommer 2008 mit Untertiteln zu versehen. Irgend ein sonniger Freitagabend im Karoviertel, Hamburg. Zu gut, als dass man es auf dem Rechner vergammeln lassen könnte.
Die Unterhose ist von entscheidender Bedeutung für die Qualität eines Tages. Die Falsche zu tragen kann das Leben des mobilen Herren massiv einschränken. Meine unterscheiden sich in vier Klassen.
Klasse A: Diese sind meine Premium-Shorts. Sie passen perfekt, sind relativ neu und oft prangt ein Markenname vorne am Bund. Oder sie sind sehr alt und erweisen sich seit Jahren als perfekter Haltgeber an turbulenten Tagen. Man hat sie oft in der Hand und denkt sich: "Nein, die brauche ich heute nicht, heute reicht eine der Klasse B."
Klasse B: Arbeitstiere. Machen ihren Job in allen Lebenslagen, bekommen es selten gedankt. Werden auf Reisen in den Koffer gequetscht, bleiben auch mal 2 Tage in der Sporttasche liegen oder werden als spontane Badehose missbraucht. Die Marke verstecken sie meist schamhaft auf dem Wimpel. Und sie alle haben Schwestern, da sie meistens im 2er- oder 3er-Pack gekauft wurden.
Klasse C: Hier sammeln sich Klasse A-Shorts, denen ein Knopf fehlt oder Klasse B-Hosen, bei denen das Bündchen gerissen ist. Ein gerissenes Bündchen ist als solches ja kein Problem, da die gesamte Konstruktion mit der Jeans und dem Gürtel i.d.R. am Platz gehalten wird. Problematisch wäre es nur, müsste man ohne Hose gehen. Aber das passiert ja nicht. Hoffentlich.
Ganz hinten in den Schubladen lagern Unterhosen der tückischen Klasse D. Diese kommen erst dann zum Vorschein wenn alle der Klasse C durch sind und man immer noch nicht dazu kam zu waschen oder alles – im wahrsten Sinne des Wortes – Tragbare gerade nass auf dem Ständer hängt. Sie fallen auf den ersten Blick nicht auf, teilweise sehen sie sogar relativ schick aus. Das täuscht. Manche sind aus Materialien, die garantiert nicht entwickelt wurden um sie auf der Haut zu tragen, andere haben Nähte an den unmöglichsten Stellen und machen das Gehen nach zehn Minuten zur Tortur. Oder es sind slipähnliche Objekte die ihre Funktion nicht erfüllen. Ohne allzu sehr ins Detail zu gehen: Nach ein paar Schritten ist all das, was eigentlich von Stoff gehalten werden sollte auf der einen, aller Stoff auf der anderen Seite.
Vor einigen Wochen beschloss ich, etwas Ordnung in meine Papierstapel zu bringen und kaufte mir zu diesem Zweck einige Leitz-Ordner. Mit dem Erfolg, nun einen weiteren Stapel auf dem Boden liegen zu haben. Leere Leitz-Ordner.
(...)
Hinter mir im Regal liegt so ein Stapel. Etwa 20cm hoch und 6kg schwer. Die oberste Schicht besteht aus der Zeitschrift der Hamburger Handelskammer: "Hamburger Wirtschaft" - eine sicherlich hochinteressante Postille, die zu lesen ich die Zeit nicht finde. Diese Schicht ist durchsetzt mit Katalogen von Lieferservices, bei denen ich nie bestelle. Darunter eine Doppelseite aus der WELT vom 11. August 2007: Wie nicht nur eine falsche Haltung, sondern auch schon eine falsche Einstellung zu Rückenschäden führen kann... nie gelesen. Es folgen Kataloge von Versandhäusern bei denen ich nichts bestelle, eine Packung Briefumschläge mit Adressfenster (schon lange gesucht), ein Rezeptkalender von Vattenfall, eine Mietwagenrechnung, das Infoheft der Hamburger Müllabfuhr, eine Kaffee-Rechnung aus einer Springer-Redaktion (Dezember 2007), noch mehr Briefumschläge in DIN A5, viele Kopien aus alten Jobs, weitere Zeitungsartikel auf schon leicht angegilbtem Papier, ein alter Mietvertrag, ein vollgeschriebener und mit Zetteln vollgestopfter Collegeblock bildet das Fundament. Und von solchen Stapeln habe ich einige, unauffällig in der Wohnung verteilt.
Jetzt habe ich gerade beim Durchsehen aber immerhin schon mal die Hälfte zum Wegwerfen bereitgelegt. Und die andere Hälfte kann jetzt in eine Kiste. Ich hab nämlich mal einen guten Trick im Radio gehört: Der Halbmessie packe einfach all seine "Schätze" in große Kisten, verklebe diese fest, und wenn er dreizehn Monate nichts aus einer dieser Kisten braucht, werfe er sie ungeöffnet weg.
(...)
Ja der war ich. Schlimmer noch: Ich war auch ein "Essen-im-Turnbeutel-Vergesser". Immer eine große Freude, am ersten Schultag nach den Sommerferien die grausigen Reste eines Leberwurstbrotes und einer Banane zu finden. Idiot. Naja, inzwischen habe ich meine Sporttasche bei mir und unter Kontrolle.
Anderes aus dieser Zeit blieb bis heute hängen: Aus meinem Halbjahreszeugnis, 2. Klasse:
Ich war heute im Baumarkt. Mein Vater befindet sich im Krieg mit einem Marder auf seinem Dachboden. Da galt es sich zu rüsten. Bedeutete: ich trottete hinterher, während er sich mit Bauschaum, Chemikalien und Klosteinen (soll wirken) eindeckte.
Normalerweise bin ich im Baumarkt wie alle anderen Männer. Ich erstarre mit offenem Mund vor Werbevideos von Stichsägen, die durch die verschiedensten Materialien gleiten, als wäre es Butter. Ich fasse alles an, prüfe den richtigen Sitz des Spatengriffs und habe größte Mühe mir nicht einen der Hubwagen zu schnappen, um die schief stehende Palette Laminat dort hinten gerade zu schieben. Ich befinde die Qualität der angeboten Produkte für größtenteils mangelhaft, frage einen Verkäufer nach einer völlig absurden Ware (Klebstoff aus der Raumfahrt zB.), die er natürlich nicht hat. Dann klopfe ich zweimal mit der flachen Hand auf den Tresen, sage: "Dann muss ich mir wohl selbst was überlegen!" und beginne giftig aussehende Tiegel mit vielen Warnhinweisen in den Einkaufswagen zu legen. Ich trage schwere Kanthölzer zu meinem rostigen Pickup auf dem Parkplatz. Ich esse noch eine Wurst mit den anderen Jungs und fahre dann nach Hause zu meiner 7-köpfigen Familie wo ich die nächsten fünf Stunden nicht zu sprechen bin.
Normalerweise bin ich einer von ihnen. Heute nicht. Ich hatte Muskelkater und konnte kaum gehen. Ich konnte nur zuschauen. Das übliche Bild. Aber mir ist heute zum ersten Mal eine kleine Randgruppe aufgefallen: Junge Pärchen. Ein Bild des Grauens. Die erste gemeinsame Wohnung, aber nach zwei Tagen gibt es immer noch kein Licht auf dem Flur. Umstände, die so nicht mehr hingenommen werden und denen heute ein Ende bereitet wird. Arme Kerle schieben Wagen mit kreischenden Wandfarben hinter Frauen mit verheulten Augen her. Streit. Klar, sie haben es noch nicht kapiert. Frauen haben da nichts zu suchen. Frauen, die man in Baumärkten trifft, sind entweder unter 30 und weinen, alleine und entspannt oder dort wo sie hindürfen, wenn der Mann sie gnädigerweise doch mal mitgenommen hat: Im Gartencenter. Aber das ist ja auch immer auf dem Außengelände, nur eingezäunt... an sich ja perfekt.
Abgesehen vom Skaten waren Trendsportarten früher ja eher außerhalb der großen Metropolen zu finden. Surfen, Snowboarden, Free-Climbing und mein Mountainbiken - immer musste man als Stadtmensch in einer Gruppe unheimlich trendiger Freaks in Bussen in die Walachei gekarrt werden. Dann kamen Parcours, Base-Jumping von Hochhäusern, danach kamen einem plötzlich Biker auf Rolltreppen entgegen und nannten sich Freerider oder so ähnlich. Nix für mich. In Sachen MTB hatte ich da eher altmodische Querfeldein-Ansichten. Das hat sich dieses Jahr geändert, denn ich habe meine eigene urbane Trendsportart entwickelt: Nutten-Slalom. X-Games, ich komme!
Die Ausrüstung:
Man benötigt ein herkömmliches Mountainbike gehobener Qualität, die Anforderungen an das Material sind immens. Darüber hinaus eine Gesichtsmaske und eine Stirnlampe mit hoher Leuchtkraft. Zum Einen für die eigene Sicherheit, zum Anderen hat man beim Nutten-Slalom mehr oder weniger intelligente Hindernisse die selbstständig ausweichen können. Je beeindruckender das eigene Erscheinungsbild, desto weniger Lenkbewegungen hat man, umso besser wird die Zeit sein.
Die Regeln:
- Gefahren wird eine festgelegte Strecke zu einer festgelegten Zeit. Es muss ein allgemein bekannter Rotlichtbezirk einer Großstadt sein.
- Abgesehen vom Fahrer darf niemand verletzt werden. Die StVO ist einzuhalten, es gelten aber die für Sportveranstaltungen üblichen Lockerungen. Es wird mit Helm gefahren!
- Man darf nur durch Rufen auf sich aufmerksam machen, andere Mittel wie Klingeln, Hupen etc sind untersagt.
- Prostituierte (und Damen, die von der Jury als solche ausgewiesen werden) sind abwechselnd rechts und links zu umfahren, anderen Passanten ist lediglich auszuweichen.
Zum Üben:
Die erste offizielle Worldcup-Strecke ist Hamburg, St.Pauli. Die vorliegende Strecke ist Samstags um 23:00 zu fahren. (Später hat sich als zu riskant erwiesen). Die Stecke bietet um diese Zeit eine ausgewogene Mischung aus Bordsteinschwalben, ersten angetrunkenen, leicht schwankenden Partygängern, deren Aggressionslevel jedoch noch relativ niedrig ist. Man bekommt i.d.R nicht mehr als zwei Flaschen hinterher geworfen. Empörte Reisegruppen, die auf dem Weg zurück zu ihren Bussen sind, stellen eine weitere Herausforderung dar. Unvorhersehbar umherhüpfende Teenager mit Alcopops und Sektflaschen in der Hand sorgen für den nötigen Nervenkitzel und die ein oder andere Schockbremsung! Zu fahren ist folgende Strecke:
Von der S-Bahn Reeperbahn geht es über die Große Freiheit nach Norden, dann über die Schmuckstraße durch den Hamburger Berg zur Davidwache. Dann nach links zur Esso-Tankstelle, rechts, rechts über die Kastanienallee zum Hans-Albers-Platz, wo sich die Spreu vom Weizen trennt! Hier kann man nochmal richtig Zeit gutmachen, um dann entlang der Reeperbahn zum Schweinske und zur S-Bahn Station zu fahren, wo die letzte Zeit genommen wird. Viel Spaß!
ACHTUNG: Ausführung auf eigene Gefahr! Die Strecke ist kein Zuckerschlecken und wenn man die falschen Leute umsäbelt, kann man ganz schön Ärger bekommen! Und da bei den Hindernissen u.U. eine Menge Drogen im Spiel sind, sind auch deren Reaktionen oftmals nicht vorhersehbar! Wear a helmet!
Ich bin ein Bauer! Mir fehlt jedes Gespür für zeitgenössische Kunst. Ich hasse Kurzfilme, in denen man gezwungen ist, sich minutenlang flackernde Bilder und schreiende Menschen anzuschauen. Mit wackeliger Handkamera in Fehlfarben aufgenommen, liegen Mädchen mit vielen dunklen Locken und buschigen Augenbrauen in Ecken düsterer Studenten-WGs und schreien. Oder lachen. Oder weinen. Was soll das sein? Verstörend? Ach ja. Scheiße kann in der Tat sehr verstörend sein. "Und warum gehst du dann nicht raus?", fragt man mich dann. Ganz einfach, weil ich jedes Mal den Fehler begehe, den Machern solcher Werke ein Mindestmaß menschlicher Vernunft zuzusprechen. Ein wenig Menschlichkeit, ein wenig Mitmenschlichkeit würde genügen, um zumindest gegen Ende so etwas wie eine Auflösung des Ganzen zu präsentieren. Einen Sinn verlange ich noch nicht mal. Nur eine Erklärung. Eine Art Entschuldigung meinetwegen. Nö. Kommt nichts. Der junge Künstler spielt nämlich mit Erwartungen seiner Zuschauer. Ahhh. Begegne mir mal Nachts, Arschloch!
Gestern habe ich einen Poetry-Slam gesehen. Das schießt den Vogel ab. Einige Nichtsnutze stellen sich nacheinander auf die Bühne und lesen Texte, andere Nichtsnutze küren danach durch unterschiedlich lautes Gegröhle einen Sieger. Dass sich in moderner Lyrik oder Poesie nichts reimen darf, habe ich schon mitbekommen. Eine gewisse Metrik, ein Rhythmus? Fehlanzeige! Sprachspiele? Ein irgendwie gestalterischer Umgang mit Worten? Nichts! Assoziative Fetzen? Nicht mal das. Es werden zahlreiche Tagebuchtexte zerbrochener Egos vorgelesen. Und was ist daran Poesie? Kann ich euch sagen. Machen sie alle! Ein simpler Trick:
Man hole tief Luft. Dann lese man seinen Text so schnell wie nur irgend möglich vor, verzichte dabei auf jegliche Satzzeichen oder sonstige sinngebende Betonung. Jetzt wird es wichtig: Sobald man merkt, dass einem die Luft ausgeht, muss man beginnen die Stimme lauter werden zu lassen. Werden die ersten Worte noch betroffen gehaucht, schwillt die Lautstärke nach und nach an, die letzten Sätze werden gerufen, der letzte Halbsatz gebrüllt, das letzte Wort muss nicht mehr verstanden werden, idealerweise ein röchelnder Vokallaut.
Warum bloggen die Leute nicht einfach? Geschriebener Text geht niemandem auf die Nerven, so langweilig er sein mag. Und sollte man es nicht aushalten... ein Klick und man ist weg.
*klick*
Heey!
"Ich brauche den Druck eines unmöglich einzuhaltenden Termins, um mit der Arbeit beginnen zu können."
Ich glaube dieses Zitat ist von Hunter S. Thompson. Wie auch immer; ich auch! Sei es die Küche, die zu putzen ist bevor Gäste kommen, sei es die Überweisung die zu tätigen ist, bevor das Inkassobüro eingeschaltet wird, sei es der Abgabetermin jedweder Arbeit, sei es - mein persönlicher Klassiker - ein Referatstermin. Dieser nimmt jedesmal die Form der klassischen Tragödie an.
Prolog:
Ich sitze in der ersten Stunde nach Vorlesungsbeginn im Seminar bei der Referatsvergabe. Natürlich bin ich dafür mir zu schade, den ersten Termin zu nehmen. Den überlasse ich gerne den Mädchen die gerade von der Schule kommen und sich fingerschnipsend um ein simples Thema bewerben. Ich peile einen Termin in, sagen wir: vier Wochen an. Natürlich darf auch das Thema nicht zu einfach sein. Ich wähle also ein Thema mit hohem kreativen Potiential, gerne Titel wie: "Betrachtungen zu...", "Probleme bei..." oder "Modelle von...". Wenn ich besonders hart drauf bin, teile ich das Thema noch mit einem Referatspartner.
Parados:
Mein Gewissen mahnt mich, diesmal nicht den gleichen Fehler wie die letzen Male zu machen.
1. Epeisodion:
Noch am selben Tag gehe ich die Bibliothek und arbeite mich in das Thema ein. Nach etwa 40min erkenne ich, dass es doch eine Fülle an verwertbarem Material gibt, beginne im Kopf eine Gliederung, ziehe sogar eine private Kurzexkursion zum Thema in Erwägung.
1.Stasimon:
Mein Gewissen mahnt mich, diesmal nicht den gleichen Fehler wie die letzten Male zu machen.
2. Epeisodion:
Die folgenden 25 Tage tue ich nichts. Zumindest nichts, das entfernt etwas mit dem Referat zu tun haben könnte. Zunächst prahle ich noch bei Freunden mit meinem Thema, dann versinkt es nach und nach in den Weiten des Unbewussten. Ich beruhige meinen Referatspartner mit schwammigen Gliederungsvorschlägen und selbstbewusstem "Das wird schon!".
2.Stasimon:
Mein Gewissen mahnt mich, diesmal nicht den gleichen Fehler wie die letzten Male zu machen.
3. Epeisodion:
Noch fünf Tage. Ich beginne mich mit der Tatsache auseinander zu setzen, dass ich jetzt zumindest mit der Recherche beginnen müsste: Die Literatur muss gesichtet, Bücher bei der Bibliothek vorbestellt, Artikel kopiert werden. Zudem müssen entsprechende Termine wie Arbeit und Soziales verlegt oder abgesagt werden. Was ich davon tue? Fast nichts. Aber ich beginne mir schon mal den Tag mit Stress zu versauen und meinen Mitmenschen mit selbigem auf die Nerven zu gehen.
3.Stasimon:
Mein Gewissen straft mich, diesmal genau den gleichen Fehler wie die letzten Male gemacht zu haben.
4. Epeisodion:
Noch 10 Stunden, Schlaf inklusive. Kaffee und Vitamine sollen für die nötige Konzentration sorgen, ein Chaos von Büchern und Kopien auf dem Boden sorgen für das Gegenteil. Panisch tippe ich mit blutunterlaufenen Augen Handouts, erstelle fluchend PowerPoint-Präsentationen und versuche mich für eventuelle Nachfragen zu wappnen. Wenn ich noch drei Stunden Schlaf möchte, muss ich jetzt fertig sein. Naja, hätte ich noch etwas mehr Zeit wäre es gut, so ist halt nur OK.
Das Referat wird mehr oder weniger in Trance gehalten; ich kann inzwischen gut genug blenden, so dass es niemandem auffällt.
Exodos:
Mein Gewissen mahnt mich, beim nächsten Mal nicht wieder den gleichen Fehler zu machen.
(...)
Viele machen aus einem "ein" ein "nen". Fragt mich nicht, warum. Fragt mich nicht, warum man ein richtiges Wort mit drei Buchstaben durch ein falsches mit drei Buchstaben ersetzt. Eine Abkürzung ist das nicht. Das aus "einNEN" "NEN" wird ist klar. Aus "eiNER" wird "NER". Aus "eiNE" wird meinetwegen auch gerne "NE" und aus "eiN" "N". Dass man dabei auf das "`" als Auslassungzeichen verzichtet ist doch auch völlig in Ordnung. Aber wie kommt man auf die Idee aus "ein" "nen" zu machen...?
- "du bist nen hippi du freak"
- "Er ist nen starker Spieler"
- "Ich bin nen bisschen am üben"
- (...)
So sagen es viele. Sie lügen. Ich glaube ihnen kein Wort. Sie stehen morgens pünktlich an der Bushaltestelle und sagen: "Ich kam heute nicht aus dem Bett!" Blödsinn! Dann stünden sie jetzt nicht seelenruhig hier. Sie wären panisch, ihr Blick würde springen, von Uhr zur der Straßenecke, um die der erwartete Bus biegen muss. Ich weiß das. Ich komme nämlich wirklich nicht aus dem Bett.
Ich habe zwei Wecker. Als erstes klingelt ein grüner Würfel, dessen Funktionen durch 90°-Drehungen abgerufen werden. Super! Wenn dieser Alarm schlägt, genügen ein bis zwei notdürftig koordinierte Schläge über das Kopfende des Bettes um weiter schlafen zu können. Einsatz für das Handy, das absichtlich in der anderen Ecke des Zimmers abgelegt wurde. Also muss man aufstehen um den Alarm auszuschalten, und wenn man eh schon mal steht, kann man auch gleich unter die Dusche gehen.
So der Plan. Ich jedoch stehe dann morgens zitternd im Zimmer, umhüllt von der Bettdecke und versuche die Schlummer-Taste zu aktivieren. Schnell zurück ins Bett! Kalt. Kalte dunkle Welt, was sollte mich bewegen sie zu betreten? Eine Zivilrechtsvorlesung? Niemals! Fünf Minuten später werde ich erneut geweckt. Das Spielchen wiederholt sich einige Male, bis meine linke Gehirnhälfte der rechten sagt: "Du wirst in der Gosse landen und nie wieder in einem warmen Bett aufwachen, wenn du nicht sofort zur Uni fährst!".
Kurze Zeit später stehe ich wankend an der Bushaltestelle. Mein Blick springt von Uhr zu Straßenecke. Ich hetze zurück zum Fahrplan. Es hätten schon zwei Busse kommen müssen. "Heute ist doch ein Werktag, oder irre ich mich!?", frage ich einen anderen Wartenden. Sarkasmus und öffentliche Verkehrsmittel vertragen sich nicht. Wenn man in ihnen oder in deren Peripherie angesprochen wird, dann nur von Betrunkenen, so die Regel. Der Mann entfernt sich hastig einige Schritte. Meine leichten Gleichgewichtsstörungen mögen den Eindruck verstärkt haben.
Uuups, schon fast wieder 3:00.. ich sollte mal schlafen gehen
Tom Malecha, der Kopf hinter Filme von Draussen, hat in einem Kurzfilm zehn Einsichten zusammengefasst, die ihm das Mountainbiken gelehrt hat. So schön es ist, dass in Zeiten von GoPro-Kameras jeder Biker schicke Bilder mit nach Hause bringen kann - so schön ist es auch Filme zu sehen, die von jemandem gemacht wurden, der wirklich weiß, wie man mit Kamera und Schnitt umgeht.
Spectrum - ein tschechischer Film, der sich in acht Teilen acht unterschiedlichen Disziplinen des Mountainbikens widmet: Street, Park, North Shore, Dirt, Trial, Freeride, Fourcross, Downhill and Backcountry. Alle weiteren Infos bei freecaster.tv und bei Fullface Productions.
Danny Hart hat im Worldcuprennen in Campéry 11 Sekunden Vorsprung vor Damien Spagnolo herausgefahren - und das auch nur weil er sich die Zeit gelassen hat mit ordentlich Show über die Jumps gehen. Unglaubliche Fahrt! Die beiden Moderatoren sind aber fast noch mitreißender als Danny selbst. ;)
Ausrüster VAUDE hat seine beiden Teamfahrer Stefan Schlie und Philipp Foltz auf die Zugspitze gejagt. Nachdem Stefan 1997 schon einmal eine Zugspitzenabfahrt gemeistert hat, wurde er von Philipp diesmal zur doppelten Strecke überredet. Bergauf und danach der Downhill. Startpunkt war Lermoos in Österreich, Ziel war Garmisch - die genaue Route wird allerdings nicht veröffentlicht werden, da sie "nicht zur Nachahmung empfohlen" sei. Für die 2100 Höhenmeter bergauf benötigten die beiden sechs Stunden, die 2300 Höhenmeter ins Tal waren nach weiteren vier Stunden geschafft.
Waldo Uribe fährt mit seinen Kumpels Fahrrad in Chile. Und er filmt sich dabei. Mehr weiß ich auch nicht, das Video ist wenige Tage alt und ich habe es zufällig auf Vimeo gefunden. Und wenn jemand das Lied genau geil findet wie ich: Es ist The Cat Empire - "On My Way" vom Album "Cinema"
Klunker: Als man noch auf Helme geschissen hat und Suspension höchstes am Sattel stattfand. Umgebaute Cruiser, mit dicken Reifen, stabilen Rahmen und einiges an Kilos. Diese Aufnahmen aus den späten 70ern entstanden für das Evening Magazine und wurde jetzt aus deren Archiven ausgegraben. Sie zeigen das legendäre “Repack”-Downhillrace und natürlich darf Gary Fisher, Gründer der gleichnamigen Traditionsmarke, unter den Veteranen nicht fehlen.
Was soll man sagen - er geht wieder ab. Danny MacAskill für Inspired Bicycles und Channel 4s "Concrete Circus". Und ich mag Industrieatmosphäre!
Westlich von Canberra liegt der Mount Stromlo. Sandige Trails und eine wunderschöne, karge Landschaft mit zähem Gestrüpp aus der Rahmen-Perspektive. Ein entspanntes Singletrail-Video.
"Das liegt vor allem an der etwa 15 Prozent längeren Aufstandsfläche. Somit sind mehr Stollen im Kontakt mit dem Untergrund, und der Fahrer hat mehr Traktion in allen Fahrsituationen."Wer allerdings Wert auf ein möglichst geringes Gewicht und maximale Agilität legt, der ist mit den alten Schlappen besser beraten. Die Profis sind sich inzwischen einig: Fast alle Teams fahren 2011 auf den 29ern, nachdem sie die letzten großen Wettkämpfe mit ihnen gewonnen haben. Viele gesehen habe ich allerdings noch nicht - zumindest nicht aus
Freunde des Abwärtsfahrens sollten diese Tage ihren Blick gen Südtirol richten: Der Bikepark Hopfgarten öffnet am 28.5. seinen 3km-Downhill mit einem Gefälle von 30%. Schon der Trailer zeigt, dass es sich hierbei um keine Anfängerstrecke hendelt:
Shimano hat die Geschichte der XTR-Edelkomponenten in 6 kurzen YouTube-Clips aufbereitet. Auch wenn meine Bikes selbst nie über die XT hinauskamen (ehrlich gesagt: ich war auch mit allen LX-Bauteilen bereits sehr zufrieden), so bin ich die XTR doch ein paar mal gefahren und muss sagen: Sie versprüht schon etwas von dem Charme der japanischen Schmiedetradition und -präszision - ein Image dass in den Videos sehr bewusst transportiert wird. Interessant sind sie trotzdem, vor allen Dingen die frühen Jahre sind spannend und man sieht so manche Legende (sowohl Person als auch Bike) durch die Gegend fahren:
Hier werden wenig private Bilder und Geschichten kommen, sondern News, Fotos und Videos aus aller Welt. Natürlich werde ich meinen Senf dazu geben und auch die Auswahl hat etwas "persönliches" - aber es geht um Bikes, Trails und Technik - um Biker, Wettbewerbe und Wunden. Nicht um mich. Soweit der Plan heute, vielleicht entwickelt es sich auch in eine andere Richtung.
Es ist zudem noch ein weiteres Experiment: Es ist nach vielen Wordpress-Blogs, Tumblr und Posterous mein erstes Blogspot-Blog. Mich interessiert die Dynamik der (irgendwie in sich abgeschlossen) Blogspot-Community. Außerdem werde ich hier auch mit Ad-Sense und anderen Monetarisierungs-Modellen für private Blogs spielen. Die Betonung liegt auf "spielen", Erwartungen habe ich keine. Wisst nur, dass Ihr auch etwas Versuchskaninchen seid. ;)
Viele Meldungen gab es diese Woche, die aufgrund von StatCounter-Zahlen der aktuellen Browsernutzung den Google Chrome weltweit an Position 1 sahen. Ich stellte mir gleich die Frage, wie diese Zahlen interpretiert werden können. Hierzu fasse ich ein paar Fakten zusammen:
Fakt ist, dass es Chrome diesen Monat gelungen ist, erstmals in seiner Geschichte die Nutzungszahlen des Internet Explorers zu überholen. Diese Entwicklung brauchte nicht lange und es war nur eine Frage der Zeit, wann wir einen neuen Spitzenreiter haben würden. Wenn man die Zahlen vom letzten Jahr und heute vergleicht, fällt auf, dass nur der Chrome seine Nutzung um 12,8% steigern konnte, alle anderen Browser haben Marktanteile verloren: Firefox im Vergleich zum Vorjahr 4%, der Internet Explorer ganze 13%.
Betrachtet man aber die Zahlen etwas genauer, sieht das Ergebnis ein wenig anders aus: Die Meldungen bezogen sich auf einen einzigen Tag im Mai dieses Jahres – einen Sonntag. Bedenkt man, dass der IE in Unternhemen weit verbreitetet ist, erklärt sich diese Wochenendschwäche: Viele Millionen Berufssurfer waren offline. Microsoft vergleicht die Zahlen überdies mit denen anderer Statistikdienste wie Net Applications: hier hat der IE weiterhin die Führungsposition (IE: 54%, FF: 20,3%, CH: 18,6%).
Auch ergeben sich in unterschiedlichen Regionen andere Bilder: In Deutschland selbst führt nach wie vor der Firefox mit über 50,1% das Feld an, weit abgeschlagen der IE mit 23,2% und noch weiter unten Chrome mit 15,9%. Dieser wiederum kann gerade in schnell wachsenden Regionen wie Asien oder Lateinamerika seine besten Nutzerzahlen einfahren. Wir sehen: Das Rennen ist noch nicht vorbei. Hier der aktuelle Stand der letzten sieben Tage (weltweit):
Source: StatCounter Global Stats – Browser Market Share
Pic: nojan (CC BY-SA 2.0)
Im Rahmen der von Google bei Millward Brown in Auftrag gegebene Studie “How social technologies drive business success” wurden 2.700 Berufstätige in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Spanien und Schweden befragt, wie sie soziale Tools (Facebook, Twitter, Google+, LinkedIn sowie interne soziale Tools wie Yammer und Chatter) in ihr Unternehmen und in ihren Arbeitsalltag integrieren und welchen Einfluss diese auf ihre Karriere haben.
Einige Ergebnisse und Interpretation sehen wie folgt aus:
1.) Ergebnis: 86% (BRD 79%) der Nutzer, die Social Tools so gut wie jeden Tag nutzen, wurden kürzlich befördert; und 72% (BRD 63%) gehen von einer baldigen Beförderung aus. Im Vergleich dazu wurden “nur” 61% (BRD 54%) der Beschäftigten, die auf den Einsatz von Social Tools verzichten, befördert und “nur” 39% (BRD 33%) sehen einen baldigen Aufstieg in der Karriereleiter als wahrscheinlich an.
Interpretation (Google Pressemitteilung): “Die Ergebnisse zeigen, dass soziale Tools keineswegs reine Zeitverschwendung sind. Im Gegenteil: Sie helfen Mitarbeitern dabei, die Karriereleiter schneller zu erklimmen.”
Frage: Werden die Beschäftigten befördert, weil sie Social Tools nutzen oder weil sie ein bestimmter Typ von Arbeitnehmer sind, der u.a. Social Tools nutzt? Oder nochmal anders: Werden Männer häufiger vom Blitz getroffen, weil sie Männer sind, oder weil sie bei einem nahenden Gewitter länger draußen bleiben?
2.) Ergebnis: Mehr als ein Drittel (38%; BRD 29 %) der häufigen Nutzer von Social Tools sind sehr zufrieden mit ihrem Job, und 64 % (BRD 62%) würden ihre Firma als Arbeitgeber weiterempfehlen. Nur 18% (BRD 22%) der Nicht-Nutzer sind sehr zufrieden mit ihrem Job und nur 42% würden ihre Firma empfehlen (BRD 47%).
Interpretation (Google Pressemitteilung): “Die häufigen Nutzer von sozialen Tools sind außerdem glücklicher mit ihrer Arbeit”.
Frage: Sind die Nicht-Nutzer unzufriedener, weil sie keine Social Tools verwenden und deshalb z.B. weniger mit den Kollegen und der Firma “vernetzt” sind oder weil sie nicht damit rechnen befördert zu werden?
Auch wenn mir einige der Interpretationen eher wie geplante Fehlschlüsse nach dem Motto “cum hoc ergo propter hoc” vorkommen, liefert diese Studie doch noch weitere interessante Zahlen.
1.) Für drei Viertel (75%; BRD 74%) der befragten Führungskräfte hat Social Media ihre Unternehmensstrategie positiv verändert und zu messbaren Erfolgen geführt:
2.) Fast 70% der Befragten europaweit gehen überdies davon aus, dass die Firmen schneller wachsen, die Social Media aktiv in ihr Unternehmen integrieren.
3.) Nach Aussage der “Social Networker” führt die Nutzung von Social Media zu folgenden Vorteilen:
Fazit: Social Media ist ein wichtiges Tool auf dem Weg zur effektiveren Arbeit – aber nicht der Garant für ein glückliches Arbeitsleben mit eingebautem Karriere-Boost.
Die BBC hat in den vergangen 18 Monaten eine Studie mit 7500 erwachsenen Onlinern in Großbritannien durchgeführt und diese zu deren teilnehmender Internet-Nutzung befragt. Es zeigten sich einige auf den ersten Blick überraschende Ergebnisse. Hier vorgestellt (mit sehr charmantem Akzent) von Holly Goodier, Head of Audiences bei BBC Future Media.
Nun hieß es in den letzten Tagen, die 1-9-90-Regel sei abgelöst. Wie oben gesagt: Die Partizipation einer Online-Bevölkerung an diesem Schema zu messen, ist prinzipiell so nicht möglich. Und selbst wenn: Das Format von Online-Angeboten hat sich grundlegend geändert. Jeder größere Webauftritt bietet heute mindestens eine Kommentarfunktion oder ein paar Share-Buttons. Schon durch die Infrastruktur sind viele durchschnittliche Onliner zum Mitmacher geworden. Zu welchem Grad und Zweck spielt hier für mich eine untergeordnete Rolle: Wichtig ist, dass dieses Angebot in der Gesellschaft angekommen ist.
Die Social Media Recruiting Conference geht in ihr drittes Jahr – mit diesmal drei Terminen: Auf Zürich folgt am 28. und 29. Juni 2012 Wien. Dort werden Euch am ersten Tag praxisnahe und fundierte Vorträge zu den Schwerpunkten Personalmarketing & Recruiting mit Facebook, Generation Y Recruiting, Employer Branding mit Blogs und Serious Gaming als Recruiting-Tool geboten. Best Practice Cases aus der Personalpraxis gewähren Euch Einblicke in die Zukunft der Personalsuche mit Strategien des Social Recruitings und ermöglichen Euch den Grundstein für eine erfolgreiche Recruitingstrategie im Social Web zu legen.
Am zweiten Konferenztag könnt ihr dann in Intensivseminaren das Wissen des Vortages vertiefen und lernt in einer kleinen Gruppe Social Media richtig einzusetzen. Zudem erhaltet Ihr von den Experten praxisbezogene Antworten auf Eure Fragen zum optimalen Einsatz von Blogs, Facebook und Twitter für Recruiting und Employer Branding. Diesmal sind unsere Medienpartner Xing, W&V, karrriere.at und Netzwerk Humanressourcen.
Tag 1 – 28.6.
Moderiert von Ralf Tometschek (wortwelt/IDENTITÄTER)
Employer Branding & Recruiting im Social Web – eine Bestandsaufnahme
Jan Kirchner, Geschäftsführer/ Partner, atenta – Social Web Stuff
Generation Y Recruiting und Social Media
Jörn Hendrik Ast, ffluid fast forward concepts
Community Management – Was es ist und worauf es ankommt
Friedrich Bardt, Senior Manager Strategic Business Development, Xing AG
Personalmarketing und Recruiting mit Facebook
Sebastian Manhart, Fachgruppengeschäftsführer, Wirtschaftskammer Vorarlberg und Geschäftsführer Vorarlberger Elektro- und Metallindustrie (VEM)
Employer Branding mit Blogs
Oliver Sonnleithner, Geschäftsführer, karriere.at
Fliplife – Serious Gaming als Recruiting-Tool
Ibrahim Evsan, Gründer & Geschäftsführer, fliplife GmbH & united prototype GmbH
Tag 2 – 29.6.
Intensiv-Seminare in zwei Gruppen unter der Leitung von Jörn Hendrik Ast und Jan Kirchner
Das Intensivseminar ist auf 2 x 15 Plätze limitiert und nur in Kombination mit der Social Media Recruiting Conference buchbar.
Wir würden uns freuen, wenn Ihr in Wien dabei seit. Als treue Leser erhaltet Ihr 10% Rabatt (Invitecode: wollmilchsau12)
Zur Anmeldung geht es hier.
Der (mobile) Facebook-User kennt und hasst sie zugleich: Die mobile Ansicht von Facebook. Es wurde höchste Zeit, dass sich in dieser Richtung was tut und in der Tat hat Facebook wirklich nach gebessert. Die Fotos werden nun in voller Bildschirmgröße dargestellt und auch die kleine Vorschau von Alben zeigt jetzt bis zu drei Bilder an.
Diese Veränderungen betreffen nicht nur die mobile Ansicht, sondern auch die Android/iOS Apps, die im Prinzip eine 1:1 Umsetzung der mobilen Browseransicht sind. Man merkt, dass Facebook den vorhandenen Platz auf mobilen Geräten besser nutzen will. Das wurde auch nötig, wenn man dort irgendwann doch noch Anzeigen schalten will. Subjektiv betrachtet ist das der richtige Schritt, doch solange wichtige Funktionen in der mobilen Ansicht noch fehlen, wird diese niemals ein vollständiger Ersatz für den fortgeschrittenen Facebook-Nutzer werden. Was sind denn eure Erfahrungen mit der neuen, mobilen Ansicht?
Pic: A N D A L I B (CC BY-SA 2.0)
Das Kelkheimer Zukunftsinstitut hat in seiner work:design-Studie “11 Typen der Arbeit” definiert. Dabei entsteht eine Kartoffelgrafik, die nicht nur optisch stark an die renommierten Sinus-Milieus erinnert: Zwischen den vier Grundbestrebungen Status, Sicherheit, Flexibilität und Selbstbestimmung verteilen sich elf Cluster; jedes steht für einen Typ der Arbeit, bzw. des/der Arbeitenden.
Stehen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Sie arbeiten als Träger, Vermittler und Entwickler von Know-How im Unternehmen. Hauptmotivation ist eher intrinsischer Natur als monetär. Mal Nerd, mal Teamworker – aber stets flexibel, ergebnisorientiert und auf der Suche nach neuen kreativ-kognitiven Herausforderungen.
Leistungsbereit, statushungrig, aggressiv, machtorientiert. Meist in großen Firmen auf der Karriereleiter zu finden, die Schritte in Abstimmung mit den Hierarchiemodellen langfristig geplant bei gleichzeitig hoher Identifikation mit dem Unternehmen. Bekommen nach und nach Probleme in Unternehmen, die nicht mehr nach den typischen Leitwölfen suchen.
Die “guten Seelen”, die den Laden zusammenhalten. Vermitteln zwischen Führung und operativen Ebenen und haben ein gutes Näschen für die Stimmung im Unternehmen. Verkörpert durch die klassische Chefsekretärin wachsen Intermediären im Zuge zunehmender Projektifizierung neue Verantwortungsbereiche zu.
Haben einen Gang rausgenommen. Sei es aufgrund von Bore- oder Burnouterfahrungen oder eines anderen Verständnisses von Arbeit. Teilzeitmodelle, viel privater Raum stehen projektbezogen hohem Engagements gegenüber. Alternative Arbeitsmodelle finden sie auch in (Ehren)ämtern oder gemeinschaftlichen Organisationen.
Fühlen sich in festen Bezugsgruppen wohl und versuchen etablierte Methoden in Frage zu stellen. Kreative Revolutionen im kleinen treiben sie voran, ohne das mit direkten Karriere-Ansprüchen zu verbinden. Loyal und fleißig, aber auch kritisch und etwas empfindlich. Kleine Rebellen, die zu ihren Überzeugungen stehen, ohne das Unternehmen selbst in Frage zu stellen.
Das berufliche Leben wird hinter ein hohes Maß an persönlichem Individualismus gestellt. Private Wechsel werden niemals an der Arbeit scheitern, der Job ist oft das erste was sich ändert. Horizontale Karrieren ohne Aufwärtsmobilität gehen einher mit überkritischem und renitentem Verhalten einerseits, andererseits mit punktuell hohem Engagement.
Die große Durchschnittsmasse: Arbeit ist getrennt vom Privatleben und dient dem Broterwerb. Allenfalls ist ein gesellschaftlicher Begriff von “Pflichterfüllung” eine weitere Motivation. Es wird wenig geklagt und Arbeit wird zuverlässig erledigt. Die Erfüllung traditioneller Rollenmodelle und das Streben nach Sicherheit stehen im Vordergrund.
Noch tiefer in der Sicherheitszone stehen die Passivisten. Jede Abweichung von althergebrachten Abläufen werden vermieden, sämtliche möglichen Störquellen werden eliminiert. Sie sind Befehlsempfänger und verteidigen diese Struktur ggf. mit Nachdruck. Neigen durch die zunehmende Bedrohung ihrer Positionen durch Technisierung und Outsourcing zu Radikalisierung.
Sie zeigen eine Hyperspezialisierung auf einen eng definierten Bereich. Der “Fachidiot” ist projektbezogen sehr gefragt und hoch bezahlt. Programmierer oder Off-Shore-Arbeiter arbeiten streckenweise intensiv und jenseits aller Arbeitszeiten, um dann wieder in wohlverdiente Regenerationsphasen geschickt zu werden. Manchmal schwierige Individualisten.
Eine hohe Mobilität auf dem Arbeitsmarkt sorgt auch für Bewegungen von oben nach unten. Im Prekariat der Arbeitswelt finden sich nicht nur die sozial Benachteiligten, auch viele Abgerutschte sammeln sich in diesem Bereich. Gelegenheits- und Zeitarbeiter, Minijobber, Akademiker, die den Absprung verpasst haben – die Auswüchse reichen bis ins mittlere Management hinein.
Erfüllt nicht mehr nur das Klischee vom Laptop im Café: Aus den autonom agierenden “Netzgemeindlern” werden nach und nach stabile Netzwerke mit erheblicher Schaffenskraft. Projektbezogen oder in lockeren Angestelltenverhältnissen. Auch hier fassen viele alternative Modelle Fuß: Von Coworking Spaces bis Social Entrepreneurship.
Auch wenn Das natürlich eine recht grobe Typologie ist und sich die wenigsten ausschließlich in nur einem Cluster aufhalten, so finden sich doch viele gute Anhaltspunkte, den ein oder Anderen in seinem beruflichen Selbstverständnis etwas besser einschätzen können – oder sich selbst zu finden.
Pic: Jacob Davies (CC BY-SA 2.0)
Sorgst Du Dich wirklich um andere Menschen? Würdest Du Deine Freiheit aufgeben, um anderen zu helfen? Das sind schwerwiegende Fragen, die einem nur ganz selten bis gar nicht gestellt werden. Die schwedische Armee hat es getan.
Nachdem vor zwei Jahren in Schweden die Wehrpflicht ausgesetzt wurde, hatten die dortigen Streitkräfte ähnliche Probleme wie die Bundeswehr beim Recruiting des Soldatennachwuchses. Wie soll man junge Menschen heutzutage dazu bewegen, sich für eine Militärlaufbahn zu entscheiden? In Kooperation mit der Agentur DDB Stockholm wurde zu diesem Zweck eine “sehr wirkungsvolle und innovative Social Recruitment” Kampagne entworfen – wie der Social Media Guide berichtet. Ziel war es, mindestens 4300 Bewerbungen für die 1430 offenen Stellen zu erreichen. Das Ziel wurde mit 9930 Bewerbungen mehr als erfüllt. Doch wie?
Mit der Kampagne “Who Cares?” wurde der mitmenschliche Aspekt des Militärdienstes propagiert: In der Stockholmer Innenstadt wurde ein schwarzer Container abgeladen, in dem eine Person für mindestens eine Stunde von der Außenwelt isoliert wurde. Kein Tweet, kein Statusupdate konnte sie befreien. Nur wenn ein anderer seinen Platz einnahm, durfte der Eingesperrte wieder an die frische Luft. Kam keiner, blieb die Tür für eine weitere Stunde geschlossen. Per Kamera wurde das Innere der Box auf die Kampagnenseite und auf Leinwände gestreamt – Online-Banner, Aktionen in den sozialen Netzwerken, Zeitungsanzeigen und Außenwerbung begleiteten die Aktion. Die Befreier eilten aus ganz Schweden herbei und gaben sich die Klinke in die Hand. In 89 Stunden verzichteten 74 Leute auf ihre Freiheit, um sie einem Unbekannten wieder zu geben. Die Kampagne wurde zu einem viel diskutierten Thema im Social Web und die Kampagnen-Seite hatte über 100.000 Besucher in vier Tagen.
Auch wenn hier niemand wirklich gefangen war und deshalb für viele der Befreier wohl eher “Action” als “Moral” im Vordergrund stand, der Erfolg der Aktion steht für sich.
Pic: fluffisch (CC BY 2.0)
Wir hatten letzte Woche eine schöne Zeit in Berlin: Die re:publica 2012 lockte uns und viele andere Menschen in digitalen Metiers mit drei Tagen voller Vorträgen und offenen Sessions zu den unterschiedlichsten Themen rund um Internet, Gesellschaft und Politik. Wir hörten viele spannende Geschichten, trafen alte Bekannte und lernten neue Leute kennen. Und da wir eine Kamera dabei hatten, konnten wir sogar noch ein paar Impressionen und wertvolle Statements sammeln. :)
Wer mehr inhaltliches möchte, dem sei das re:publica-Archiv empfohlen, auf dem in Kürze viele Videos und Aufzeichnungen veröffentlicht werden sollen. Auch die spreerunde hat fleißig mitgefilmt und stellt einiges an Material zur Verfügung.
Pic: re:publica
Und es ist doch passiert was prophezeit wurde: Facebook hat nun seinen eigenen App-Store angekündigt. Kurz vor dem geplanten Börsengang in den nächsten Tagen hat FB nun auf die Kritik der letzten Tage reagiert, kaum Umsatz mit Apps zu generieren und auch sonst im mobilen Bereich zu wenig zu tun (z.B: mobile Ads).
Die Besonderheit des neuen “App Center” (so der offizielle Name) wird die plattformübergreifende Funktionalität sein. Fortan wird der Nutzer z.B. das beliebte Spiel “Angry Birds” direkt auf sein Android Phone laden können, ohne Facebook verlassen zu müssen. Zwar wird vorerst zu der jeweiligen Partnerseite weitergeleitet, doch Facebook bereitet sich damit einen Weg, selbst einmal kostenpflichtige Apps, die die Plattformen der Konkurrenz umgehen, anzubieten.
Dieses App Center könnte die Rettung im mobilen Sektor werden. Auf der einen Seite können so neue Gewinne generiert werden (Bezahl-Apps oder gezielte Werbung anhand des Nutzerverhaltens) und auf der anderen Seite entstehen neue Anreize für die vielen Facebook-Entwickler, noch mehr Nutzer zu erreichen, die andere Plattformen oder überhaupt keine mobilen Geräte benutzen. Betrachtet man den gesamten App-Markt etwas genauer, findet man derzeit eine Aufteilung zwischen Google und Apple, und einem kleinen, kaum messbaren Rest der Konkurrenz (Black Berry, Nokia, Microsoft). Dementsprechend bleibt nicht mehr viel Zeit, noch ein Stückchen vom App-Store-Kuchen zu erhaschen und im mobilen Segment mitzumischen.
Für mich kommt diese Neuerung keineswegs überraschend, denn vor über einem halben Jahr war ich der festen Überzeugung, dass Facebook hier bald nachlegen wird und die Plattform somit interessanter für Entwickler wird. Und ich empfehle allen Facebook-Entwicklern, mal einen Blick auf den neuen Laden zu werfen und jetzt schon prüfen, wie sie den besten Nutzen aus dem App Center ziehen können. Mit einer optischen Präsenz oder einem kleinen Bewertungssystem kann man noch weit mehr aus der eigenen App herausholen. Ich bin mal auf die nächsten Fortschritte in dieser Richtung gespannt und der Store wird in den kommenden Wochen unter diesen Link eröffnet.
Pic: Mr Wabu (CC BY 2.0)
Es ist ein Schock, wenn kulturelles Wissen in großem Maße verloren geht. Vor jetzt schon fast acht Jahren wurden große Teile der Anna-Amalia Bibliothek in Weimar Opfer der Flammen. Oder man denke an die Zerstörung der großen Bibliothek von Alexandria. Der unwiederbringliche Verlust von unschätzbar wertvollem Wissen über die Antike wird noch heute besonders von der Geschichtswissenschaft betrauert. Die Frage einer sicheren Langzeitarchivierung ist nicht erst durch den Brand der Anna-Amalia Bibliothek aufgekommen, sondern ist vor allem “brandaktuell” durch die fortschreitende Durchdringung unseres Lebens mit digitalen Daten für die bisher keine zuverlässigen Konzepte zur langfristigen Sicherung existieren. Ohne solche Konzepte besteht jedoch die reale Gefahr, diese Daten unwiederbringlich zu verlieren.
Der große Umschwung, den die Digitaltechnik mit sich brachte, besteht darin, dass die Verbindung von Information und Informationsträger aufgelöst ist. Es kommt zu einer Entmaterialisierung, einer Verflüssigung der Information, indem ihre Verbreitung nicht mehr an fassbare Informationsträger wie Papier und Film gebunden ist. Immer mehr Informationen von nachhaltig, kulturellem Wert liegen nur noch in digitaler Form vor. Seien es nun wissenschaftliche, wirtschaftliche, rechtliche oder anderweitig für die Kultur relevante Daten. Hinzu kommt, dass die Masse digitaler Daten stetig zunimmt und es bei vielen dieser Daten eine gesetzliche oder andere Verpflichtung zur Langzeitarchivierung gibt. Die Archivierung dient in diesem Fall dem Erhalt des kulturellen Erbes und so des kollektiven Gedächtnisses.
Digitale Medien sind jedoch auf den ersten Blick viel geeigneter für eine Archivierung als analoge: Bitströme lassen sich generell über längere Zeiträume ohne Informationsverlust aufbewahren und durch die rasant steigende Speicherkapazität und die fortwährende Miniaturisierung ist es möglich, eine große Anzahl von Daten Platz sparend zu speichern. Dabei ist es egal, ob es sich um Musik, Bilder, Texte, Animationen oder Filme handelt. Jede Information, die sich in den Binärcode übersetzen lässt, kann gespeichert werden und somit ergibt sich daraus eine attraktive, universell einsetzbare Basis für die Archivierung.
Die Probleme liegen woanders: Elektronische Datenträger sind für den Menschen nicht direkt lesbar. Sie benötigen ein geeignetes Abspielsystem, bestehend aus einer bestimmten Kombination aus Hard- und Software. Und hier liegt das Problem, denn schneller als die Datenträger altern diese Komponenten der Computersysteme. Bei der Archivierung von digitalen Daten muss also an zwei Punkten angesetzt werden. Einerseits bei den Datenträgern und andererseits bei der Abspielumgebung, in der die Daten interpretierbar bleiben.
Ein weiteres Problem sind technische Bedrohungen wie sie Hackerangriffe darstellen. Diese führen potentiell zu weit größeren Schäden als alle Bibliotheksbrände früherer Zeiten. Moderne Systeme können hier zwar Abhilfe schaffen, aber nur sofern sie richtig eingesetzt werden. Eine “Cloud” archiviert z.B. verlässlich, wenn sie als redundantes System aufgebaut ist, die Daten also an mehreren Stellen parallel gesichert und synchronisiert werden.
Meiner Meinung nach, sollte man sich jedoch eher über den Stellenwert der Archivierung selbst Gedanken machen. Im Zeitalter von “Big Data” wird der Wert der einzelnen Information verschwindend gering. Die Bewertung, die Verbindung und Interpretation der Datenströme stellt die Menschen vor viel größere Herausforderungen, als die Frage nach der Haltbarkeit einer einzelnen Datei.
Was meint Ihr, sollte der Fokus auf der Archivierung einzelner Daten liegen oder in der Aufklärung des digitalen Nebels?
Pic: springfeld (CC BY 2.0)
Die heute veröffentliche repräsentative BITKOM Studie stellt fest, dass für fast die Hälfte der deutschen Unternehmen (47%) Social Media inzwischen zu einer ganz konkreten Angelegenheit geworden ist. Weitere 15% planen den Einsatz in Kürze.
Die Erwartungshaltung der Unternehmen, die Social Media einsetzen oder es planen, reicht dabei von dem Ziel, neue Kunden zu gewinnen, bis zur Hoffnung auf neue Impulse bei der Produktentwicklung.
Die Mitarbeitergewinnung steht mit lediglich 23% überraschend auf dem vorletzten Platz der genannten Ziele. Hier findet das Umdenken offensichtlich noch leicht verzögert statt. Der Grund ist vermutlich zum Teil die fehlende Vorstellungskraft bezüglich der konkreten Ausgestaltung. Oder was denkt Ihr?
Ein soziales Netzwerk ist ja im Grunde nichts anderes als eine Zeitung, die von mehreren Leuten gleichzeitig gelesen wird, zwischen denen allerdings auch ein Austausch statt finden kann. Ähnlich, wie bei einer Papierzeitung, kann diese Aufmerksamkeit (und zusätzlich die Interaktion) für Marketing und Personalsuche verwendet werden. Im Fall von Marketing ist die Vorstellung der Funktions- und Wirkungsweise dieser neuen “schöneren Zeitung” schon da. Und im Fall der Personalsuche noch nicht. Die alte Stellenanzeige will im Kopf einfach noch nicht in das neue schöne Format überspringen.
Naja, da sind wir und unsere Mitstreiter in den kommenden Monaten weiterhin gefragt, mit funktionierenden und verständlichen Tools und Konzepten für die Beschleunigung der Übertragungsleistung zu sorgen.
Besonders positiv möchte ich hervorheben, dass die Unternehmen nach und nach erkennen, dass der Einsatz von Social Media zusätzliche Strukturen benötigt. Und zwar personeller und ideologischer Natur. Während die einen noch vereinzelt Bedenken wegen der Kontrollverlustgefahr haben, stellen die anderen bereits zusätzliches Personal ein und entwickeln passende Guidelines. Das ist der richtige Weg.
Insgesamt spricht BITKOM von “einem Kulturwandel hin zu offeneren Kommunikationsstrukturen”. Und das ist doch mal eine sehr positive Tendenz. Weiter geht’s!
Die vollständigen Stdienergebnisse gibt’s hier.
Pic: A train arriving to platform 19 by wstryder CC2.0
Die Social Media Recruiting Conference geht in ihr drittes Jahr und diesmal wird es drei Konferenzen geben.
Den Anfang macht Zürich. Am 12. und 13. Juni 2012 kommt die Social Media Recruiting Conference in die größte Stadt der Schweiz und bietet Euch am ersten Konferenztag praxisnahe und fundierte Vorträge zu den Schwerpunkten Aktives Recruiting – Direktansprache 2.0 und Passives Recruiting – Personalmarketing 2.0. Sie ermöglichen Euch den Grundstein für eine erfolgreiche Recruitingstrategie im Social Web zu legen. Am zweiten Konferenztag könnt ihr dann in Intensivseminaren das Wissen des Vortages vertiefen und lernt in einer kleinen Gruppe Social Media richtig einzusetzen. Zudem erhaltet Ihr von den Experten praxisbezogene Antworten auf Eure Fragen zum optimalen Einsatz von Blogs, Facebook und Twitter für Recruiting und Employer Branding. Diesmal sind unsere Medienpartner Xing, livejobs.ch, jobwinner.ch, alpha.ch und jobup.ch.
Tag 1 – 12.6.
Moderiert von Yves Mäder (Jobup AG)
Aktives Recruiting – Direktansprache 2.0
Employer Branding & Recruiting im Social Web – eine Bestandsaufnahme
Jan Kirchner, Geschäftsführer/ Partner, atenta – Social Web Stuff
Direktsuche mit Xing
Stefan Schmidt-Grell, Director Product Marketing, Xing AG
Direktsuche im Social Web bei der Philips Deutschland GmbH
Susanne Hagen, Sourcing Manager, Philips Deutschland GmbH
Passives Recruiting – Personalmarketing 2.0
Personalmarketing und Recruiting mit Facebook
Lydia Welzel, Career Starters Talent Network Manager, Baloise Group
Employer Branding mit Blogs
Seraphina Opel, Social Media Managerin, redtoo AG
Employer Branding und Personalmarketing mit Videos
Stefan Rohner, Projektleiter, livejobs AG
Tag 2 – 13.6.
Intensiv-Seminare in zwei Gruppen unter der Leitung von Jörn Hendrik Ast und Christoph Athanas
Das Intensivseminar ist auf 2 x 15 Plätze limitiert und nur in Kombination mit der Social Media Recruiting Conference buchbar.
Wir würden uns freuen, wenn Ihr in Zürich dabei seit. Als treue Leser erhaltet Ihr 10% Rabatt (Invitecode: wollmilchsau12)
Zur Anmeldung geht es hier.
Pic: vasile23 (CC BY 2.0)
Dieses Mal kommt die Hilfe wirklich von ganz oben, denn heute stelle ich den offiziellen YouTube-Hilfe-Kanal von Google vor: Google Webmaster Central. Es ist vor allem ein Kanal, der mit kleinen Tutorial-Filmchen Antworten auf Fragen über die eigenen Google-Produkte beantwortet.
Die Fragen werden im Video beantwortet, aber mit der Besonderheit, dass Google-Mitarbeiter selbst in den Videos vorkommen und die gestellten Fragen der User erläutern. Natürlich behandeln die meisten hier gestellten Fragen das Optimieren der eigenen Ergebnisse in der Suchmaske. Es soll besonders Webseitenentwicklern dabei helfen, ihre Treffer bei Google zu verbessern und ihren Traffic zu steigern oder überhaupt eine Brücke zu ihren Besuchern zu schlagen und ihre Wünsche oder Interessen zu sammeln (z. B. gezielte Werbung schalten). Somit können sich auch Unternehmen informieren, wie sie ihre eigenen Produkte besser vermarkten und von der Masse abheben können.
Schauen wir uns mal eine interessante Frage eines Users an, in der gefragt wurde, wie Google Inhalte handhabt, die mit Java erst ausgeführt werden sollen:
Nach Google Developers überrascht Google wieder mit einem hilfreichen Dienst und geht nun noch einen Schritt näher auf seine Entwickler zu. Kein schlechter Zug von Google.
Pic: ansik (CC BY 2.0)
Da ich bald mein Studium abschließen werde, rücken Zukunftsfragen immer mehr in meinen Fokus. Meine Sorgen gleich eine Anstellung zu bekommen werden zunehmend größer, denn ich gehöre zu der sogenannten Praktikanten Generation.
Kann ich mich auf eine Stelle bewerben und gleich anfangen zu arbeiten? Oder muss ich mich erstmal durch zahlreiche Praktika schlagen, um im Berufsleben Fuß zu fassen? Wenn ich mir die Anforderungen in einigen Stellenbeschreibungen ansehe, in denen von jungen Leuten umfangreiche Berufserfahrung gefordert wird, frage ich mich oftmals, wann ich dies alles getan haben soll. Es werden Mitarbeiter mit Persönlichkeit und Motivation gesucht. Doch wie motiviert kann ein Student sein, der jahrelang studiert hat und nach dem Studium, dass ihn eigentlich für einen gut bezahlten Beruf qualifizieren soll, trotzdem zahlreiche Praktika machen muss, um sich auf seine angestrebte Stelle bewerben zu können.
Sollte ich überhaupt versuchen mich nach meinem Bachelor Abschluss zu bewerben oder sollte ich einen Masterstudiengang anhängen, um überhaupt eine Chance auf meinem Traumberuf zu bekommen?
Es ist schwierig einen Verantwortlichen für diesen Umstand zu finden. Ich kann verstehen, wenn Arbeitgeber einen gut qualifizierten Menschen einstellen wollen, bei dem zusätzliches Training nicht mehr notwendig ist. Dafür ist Berufserfahrung natürlich erforderlich. Jedoch denke ich auch, dass es in einem Bachelor Studiengang, der nur sechs Semester dauert, vielleicht nicht immer möglich ist, den Studierenden alles Notwendige zu vermitteln, um gleich nach dem Abschluss im Beruf Fuß fassen zu können. Es wird sicherlich Ausnahmen geben in denen dies möglich ist, jedoch muss das Unternehmen trotzdem bereit sein, einen durch die erste Zeit zu führen und zu trainieren. Es ist schließlich der erste Job des Studenten.
Wer ist nun der Schuldige für das Problem “Generation Praktikum”?
Sind es die Unternehmen, deren Ansprüche zu hoch sind, denen man aber nicht vorwerfen kann, dass sie gut qualifizierte Mitarbeiter einstellen wollen?
Sind es die Universitäten und Fachhochschulen, die einem in sechs oder sieben Semestern beibringen sollen, in einem Beruf zu arbeiten in dem Jahre lange Erfahrung erforderlich ist?
Oder ist es die Politik, die das Bildungssystem von Grund auf überdenken sollte?
Was meint Ihr dazu?
Pic:!anaughty! und luisvilla (CC BY 2.0)
Die zweite umfassende Studie “Digital Life” des Marktforschungsinstituts TNS Infratest, welche die Einstellungen und Verhaltensweisen von 72.000 Internet-Usern aus 60 verschiedenen Ländern im Alter von 16-65 Jahren erhoben hat, kam zu etlichen interessanten Resultaten. Einige Kernergebnisse sind hier in einem Video zusammengefasst:
Desweiteren kam TNS Infratest zu folgenden Ergebnissen:
Warum kommentieren Konsumenten konkret eine Marke?
Nicht jeder Internet-User ist auch ein aktiver Markenkommentator: Weltweit sind es im Schnitt 47% und in Deutschland 31%. Für diese Gruppe spielen dann ganz unterschiedliche Gründe eine Rolle, um regelmäßig etwas mit Bezug zu bestimmten Marken zu schreiben. Am häufigsten werden Kommentare verfasst, um Tipps und Hilfestellungen rund um die Nutzung eines Produktes zu geben (Welt & Deutschland: 46%), gefolgt von dem Anliegen eine Marke zu “sharen” (Welt 31%; Deutschland 29%) und – weit abgeschlagen – der Absicht ein Lob zu formulieren (Welt 13%; Deutschland 15 %). Immerhin, nach den vorliegenden Ergebnissen wird online mehr gelobt als getadelt (global: 10%; Deutschland 11%).
Wer “und wenn ja, wie viele” vertrauen den Markenkommentaren?
Besonders interessant finde ich die Statistiken der Studie zum Aspekt des Vertrauens in Bezug auf Markenkommetare. Insbesondere die jüngeren Altersgruppen setzen dabei ein hohes Maß an Vertrauen in die Empfehlungen von Freunden – interessanterweise aber fast genauso viel in die Empfehlungen von Personen, die sie nicht kennen. Je älter die Verbraucher werden, desto kritischer eingestellt sind sie gegenüber solchen Kommentaren – egal ob sie von ihren digitalen “Freunden” oder von einem Fremden auf der anderen Seite der Erde kommen.
Sehr spannend sind dabei auch die geographischen Unterschiede, die durch die “Digital-Life-Studie” belegt wurden. Hier jeweils Deutschland im Vergleich zu den Extrem- und Globalwerten:
Während in Deutschland im Schnitt nur 43% den Markenkommentaren ihrer “Freunde” trauen, sind es in Saudi Arabien ganze 87% – mehr als doppelt so viel. Der gleiche auffallende Unterschied besteht zwischen dem Vertrauen gegenüber den Kommentaren von Fremden – hier sind es 79% bei den saudi-arabischen Social-Networkern und 33% bei den deutschen.
Für diese Gegensätze können Gründe, wie z.B. die unterschiedlichen Mentalitäten oder die Angst einem viralen Marketingkonzept auf den Leim zu gehen (oder gar die Zensur wie in Saudi Arabien), eine Rolle spielen. Ich glaube es liegt u.a. daran, dass die Verbraucher in schnell wachsenden Märkten gegenüber Marken in sozialen Netzwerken viel offener eingestellt sind, als in den entwickelten wie z.B. in Deutschland, wo sich nach Infratest auch 50% der Social Networker gestört fühlen, sobald Markenaktionen in sozialen Medien zu aufdringlich sind.
Was meint Ihr? Warum vertrauen wir nicht einmal unseren “Freunden” im Netz?
Pic: bclinesmith (CC BY 2.0)
Keine Lust auf hässliche Standard-Apps und Alibi-Lösungen zur Jobintegration auf Eurer Fanpage? Ab heute könnt Ihr Eure Facebook-Jobbörse voll in den Auftritt Eures Unternehmens integrieren. Jedes Unternehmen hat eine individuelle Lösung verdient! Der neue jobstriker ist die weltweit einzige Standard-Lösung mit anpassbaren Designs und der freien Integration von Multimedia-Elementen.
Nach mehreren Monaten Entwicklungsarbeit freuen wir uns heute sehr, unseren treuen Kunden, unseren zukünftigen Kunden und allen, die sich für die Welt des Social Media Recruitings interessieren, unseren neuen jobstriker vorstellen zu können.
Die wichtigsten Neuerungen:
und, und, und… und alles, wie immer, in unserem unschlagbar günstigen Preis inklusive.
Weitere Infos und erste Designbeispiele findet Ihr auf der neuen Produktpage oder direkt bei unserem Lieblings-Kundenberater, Jan Kirchner, unter der Nummer 040 530 293 82 / kirchner@atenta.de.
Für die ganz schnellen gibt’s bis zum 31.5.2012 10% Rabatt auf alle neu abgeschlossenen Lizenzen!
Unsere bestehenden Kunden profitieren selbstverständlich, wie immer, automatisch von allen Neuerungen und können auf unsere umfassende Unterstützung und Beratung bei der Erforschung der neuen Möglichkeiten zählen.
Leute, macht was draus! Es gibt keine bessere Lösung auf dem Markt. Oder kennt etwa jemand eine?
Pic: Artur Coelho (CC BY-ND 2.5)
BranchOut, die Facebook Karriere-Netzwerk App, erhielt vor einigen Tagen im Rahmen einer dritten Finanzierungsrunde 25 Mio. USD und kommt inzwischen auf insgesamt 49 Mio. USD Risiko-Kapital. Wow! Respekt! Gut gemacht! Ein ganz schöner Batzen, gerade in dem verhältnismäßig ruhigen Recruitingmarkt, der nun wahrlich nicht für abgefahrene Innovationen und überdurchschnittliche Investorenaktivität bekannt ist. Aber…
Wie Marcus Tandler bereits erwähnt hat, spekuliert man vermutlich darauf, eines Tages von Facebook übernommen zu werden. Auch LinkedIn kommt mir rein theoretisch als möglicher Käufer in den Sinn.
Doch für wirklich wahrscheinlich halte ich dieses Szenario nicht. BranchOut ist aus meiner Sicht ein schlechteres LinkedIn oder Xing, das auch noch 100% von Facebook abhängig ist. Die Nutzerbasis setzt sich zu 100% aus Facebooknutzern zusammen. Die Funktionalität ist von der Facebook API abhängig. Der beachtliche Nutzerzuwachs ist eher dem unaufhörlichen Vollspammen der Facebook-Profile zu verdanken und nicht etwa irgendwelchen tatsächlich neuen Möglichkeiten, die den Kandidaten und Personalern geboten werden.
BranchOut steht für mich für eine mit dem Stempel “Social” versehene Umsetzung eines zum Aussterben verurteilten Konzepts einer geschlossenen Profil- und Jobdatenbank, und das auch noch verschachtelt in einem anderen Netzwerk. Im wahrsten Sinne “alter Wein, in neuen Schläuchen”. Wer’s kauft ist selber Schuld.
Und wer’s nachahmt ist auch selber schuld. Da werden wir demnächst mit Sicherheit den einen oder anderen Versuch erleben, ein deutsches BranchOut aufzuziehen, mit dem Ziel, an ähnliche Investitionen zu kommen. Viel Erfolg! Facebook bzw. LinkedIn werden weder die eigene Nutzerbasis zurückkaufen noch in schlechetere Funktionalität und veraltete Kommunikationskonzepte investieren.
Das Recruiting und die Jobsuche von morgen werden auf offenen Systemen aufbauen. “Alles von Überall”.
Bsp: Egal, wo ich mich gerade im Netz befinde, ob bei Google oder Facebook oder sonstwo, gebe ich als Jobsuchender in das nächstbeste Suchfeld meinen Jobwunsch ein und lande über eine relevante und vollständige Ergebnisliste auf einer Unternehmens-Fanpage oder Unternehmenshomepage mit dem passendsten Job-Angebot. Dort erhalte ich auch sofort alle nötigen Informationen über das Unternehmen, weitere Jobs, Bewertungen, Videos etc. und über meine Freunde, die mit dem Unternehmen verbunden sind, als Arbeitnehmer oder einfach Fans der Marke. Mit einem Klick, kann ich mich Bewerben, meine Freunde ausfragen oder für den Job empfehlen. Um das alles zu tun, brauche ich mich nicht bei einem weiteren Dienst anzumelden.
In diesem Modell haben BranchOuts keine Zukunft. Wie seht Ihr das?
Pic: no future by Fabian Bromann CC2.0
Immer mehr Unternehmen entscheiden sich gegen ein Corporate-Blog, zugunsten einer Facebook-Page – so die Beobachtungen zwei jüngerer Studien. Nun ist die Eintrittsbarriere bei Facebook zunächst sehr viel niedriger: Die eigene Page ist bereits mit wenigen Klicks erstellt, während es schon etwas länger dauert, bis man seinen ersten Blogartikel verfassen kann. Im Corporate-Umfeld ist es natürlich mit der einfachen Einrichtung der Systeme nicht getan, dazu kommen Grafikarbeiten und eine Menge Abstimmung innerhalb des Unternehmens. Aber warum geben Unternehmen auch bestehende Blogs auf? Wo liegen die Pros und Contras?
Pro Blog: Ein Blog ermöglicht es, Inhalte zu schaffen. Dort können längere Texte geschrieben und damit komplexere Geschichten erzählt werden. Diese Texte können mit den unterschiedlichsten Medien kombiniert werden: Von einfachen Bildern, über Videos und Präsentationen bis hin zu interaktiven Inhalten. Und all das mit einem technischen Grundverständnis und ein wenig Elan…
Contra Blog: …an dem die Idee allerdings in vielen Unternehmen schon scheitert. Wenige Arbeitsbereiche haben genug Zeit übrig, nun auch noch zu bloggen. Auch wenn WordPress und Co das Publizieren einfacher denn je machten, so ist ein Blogartikel per se aufwändiger als ein Facebook-Post. Ein Blog kostet Zeit: Nicht nur das Verfassen der Artikel, auch die Leser werden erst nach und nach auf die Page tröpfeln.
Pro Facebook-Page: Die Hauptvorteile einer Facebook-Page liegen, grob zusammengefasst, in der Wachstumsdynamik einer aktiven Nutzerschaft. Durch das Like-Abosystem werden Kontakte schnell und effektiv gebunden. Jede Interaktion wird im Social Graph des Nutzers sichtbar. Zudem ist der Aufwand eines Posts überschaubar: Ein paar Minuten für maximale Aufmerksamkeit.
Contra Facebook-Page: So einfach die Erstellung, so oberflächlich die Inhalte. Ein paar Sätze, dazu ein Bild oder ein Video. Wer in die Tiefe gehen will, muss zwangsläufig auf externe Inhalte verlinken. Und bei allem ist man der Plattform ausgeliefert: Technische und strukturelle Änderungen werden von Facebook bestimmt, der Nutzer kann nur reagieren.
Vor ein paar Jahren war das Unternehmen mit dem Blog noch auf der sicheren Seite. Eine kleine Erweiterung der eignen Website, auf der dem Nutzer (im Geiste einer neuen Offenheit) eine Kommentarfunktion geschenkt wurde. Und dem eigenen Mitarbeiter ein Tool, um Texte zu veröffentlichen, ohne zu zwei Tage zu warten, bis die knurrige IT diesen online gestellt hat. Heute ist es verständlich, dass auf die Frage “Social Media: ja oder nein?” Facebook eine sichere Antwort ist: Überschaubare Kosten, kalkulierbare Zeit und schnelle Ergebnisse überzeugen in jeder Chafetage. Ein Blog hingegen, scheint da schon fast ein etwas zu idealistisches Kunstprojekt zu sein – voarausgesetzt, es gibt überhaupt jemanden, der im Unternehmen Lust darauf hat.
Hier liegt der entscheidende Faktor: Ein Blog kann eine großartige Sache werden, solange der echte Wille besteht, eigene Inhalte zu schaffen – wem es aber in erster Linie um die Präsenz und Dialogmöglichkeiten geht, der ist mit einer Facebook-Page inzwischen vermutlich besser beraten. Was ich schade finde, da Unternehmenskommunikation so weiter zum schnellen Reproduzieren erzogen wird.
Nach dem das Home-Office schon in den Benefit-Listen vieler Unternehmen auftaucht, steckt das wirklich ortsunabhängige Arbeiten noch in den Kinderschuhen. Eine Woche an einem ganz anderen Ort arbeiten – mit dem ganzen Team: Geht das? Diese Frage wollten wir für uns beantworten und machten die Probe aufs Exempel. Wir packten unsere sieben Sachen und verzogen uns klammheimlich in eine kleine Finca auf Mallorca.
Zugegeben, wir waren letzten Monat noch ein kleines Kernteam aus vier Personen. Heute, vier Wochen später sind wir schon zu sechst. Wäre ein solches Modell auch auf Eure Abteilung oder gar die ganze Firma übertragbar? Wo liegen eventuelle Hindernisse? Habt Ihr praktische Fragen zu Organisation, Kosten etc., wendet Euch gerne an uns!
MoinMoin, ich bin Kristian und seit Anfang April Trainee bei atenta. Vorher habe ich Geschichte, Philosophie und Soziologie studiert und gehöre wohl zu den letzten “Mohikanern”, die noch einen Magisterabschluss machen durften. Und jetzt der erste Artikel für die Wollmilchsau: Über was soll ich denn bloß etwas schreiben? Bei der Recherche stolperte ich über ein Thema, das zwar nicht ganz neu, aber immer noch brandaktuell ist: Die Entwicklung des Semantic Webs. Oh, wie wäre mir diese Neuerung des World Wide Webs beim Studium hilfreich gewesen, indem sie nützliche von unnützlichen Informationen getrennt und mir konkrete Antworten auf meine Fragen geliefert hätte. Doch worum geht es dabei eigentlich genau?
Man sucht eine Möglichkeit, die Informationen im Internet individuell und nach den Ansprüchen der Nutzer automatisch zusammenstellen zu lassen. Denn es reicht heute scheinbar nicht mehr aus, über Suchmaschinen nur Ergebnisse angezeigt zu bekommen, deren Relevanz durch die Anzahl der Querverweise und Keyworddichte ermittelt wurden – und die dann noch durch den persönlichen Filter (“was genau suche ich eigentlich”) bewertet und reduziert werden müssen, um an wirklich relevante Ergebnisse zu gelangen.
Die „konkrete Utopie“ (Ernst Bloch) des Semantic Webs ist es nun, dass die Suchmaschine bzw. der Computer genau weiß, was der jeweilige Nutzer wissen möchte. Ein erster Ansatz ist dabei, dass Inhalte durch Verschlagwortung mit sogenannten Ontologien für Maschinen lesbar, auswertbar und somit wieder verwendbar werden. Dadurch würde auch das Verknüpfen von Wissen aus verschiedensten Quellen erleichtert und es wäre z.B. wesentlich einfacher Mashups für bestimmte Kontexte zu erstellen.
Das World Wide Web Consortium (W3C), welches sich mit der Standardisierung von Techniken im Internet beschäftigt, hat inzwischen mehrere Basisoperationen wie die Ontologiesprachen RDF(S) und OWL entwickelt, um die in menschlicher Sprache formulierte Informationen im Internet mit einer klaren Beschreibung ihrer Bedeutung zu verknüpfen, damit sie auch von Computern „begriffen“ oder zumindest verwendet werden können. Im Klartext: Durch dieses “Begreifen” der Informationen wäre es zum Beispiel möglich, dass Suchmaschinen auf eine Frage nicht nur eine Ansammlung von Links bereitstellen, sondern eine präzise Antwort geben können.
In Unternehmen besteht die Herausforderung, eine große Menge von unterschiedlichsten Informationen zu strukturieren, zu filtern und miteinander in Beziehung zu bringen. Hier liegt das Potential des sogenannten “Web 3.0″ in der Möglichkeit eines effizienten Wissensmanagements zur Bewältigung von komplexen, wissensbasierten Problemstellungen. Zudem könnte diese Technologie genutzt werden, um die interne und externe Kommunikation effizienter zu gestalten und so z.B. zu einer Verbesserung der Qualitätssicherung und des Kundenservices führen. Im privaten Bereich könnten die “semantischen Technologien” uns z.B. mit exakt personalisierten Kontextinformationen zum aktuellen Standort versorgen und so das Smartphone (und damit die Google Glasses) wirklich “smart” machen.
Auch wenn die Entwicklung des Semantic Webs nie dazu führen wird, dass Maschinen in irgendetwas wirklich eine Bedeutung sehen können, glaube ich, dass semantische Verknüpfungen in Zukunft beim Umgang mit nutzerbezogenen Informationen unumgänglich sein werden.
Was meint Ihr? Ist das Semantic Web ein geniales Unterfangen oder eine fixe Idee, an die sich irgendwann niemand mehr erinnert?
Pic: Chis P. Jobling (CC BY-SA 2.0)