Sebastian Herold

Writer, Traveller, Runner.

Looking for soulfood and

a place to eat.

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Untitled by Raphael Guarino

Snowy by Vladimir Zotov

Nothing says Send Message, like the words “Send Message”. You can play with envelopes and arrows all you want. That’s not to say that icon-only interfaces are bad. They exchange initial clarity for long term beauty. It’s a choice you sometimes have to make.

Freizeit Sport

ACTA%3A%20The%20new%20threat%20to%20the%20net
A new global treaty could allow corporations to police what we do on the Internet. Last week we successfully pushed back the US censorship bills — if we act now, we can get the EU Parliament to bury this new threat — add your voice now!

The Fungal Fantastical
(by paulstamets)
The fungal-fantastical. Emerging from their axial homes, fungi are beginning to be understood as nutrients to the human consciousness and ecological sustainability. Paul explores mycology and compels support for your own good nature and our fungal allies. This is the first in a collaboration of Louie Schwartzberg of Blacklight films (Movingart.tv) and Paul Stamets of Fungi Perfecti (fungi.com). More to come! 

unlikelycanvas:

in Oranienstraße, Berlin 

by ROA

True revolution comes from true revulsion; when things get bad enough the kitten will kill the lion.
Charles Bukowski

Strange Agricultural Landscapes Seen From Space
via Wired 

Forever Bicycles
by Ai Weiwei
found via fastcodedesign 

Architecture of Density
Michael Wolf 

iwdrm:

“You know what? If everything’s going bad, we’re going bad as well.”

Sedmikrásky (1966)

SangSik Hongs sculptures are made completely out of drinking straws.
(via ignant)

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August 21, 05:46 PM
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July 13, 10:08 AM
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July 10, 06:40 AM
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May 19, 02:07 AM
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February 09, 06:37 AM

Ob Eurokrise, Elitenherrschaft oder Rechtspopulismus: Überall in Europa lassen sich politische Verfallserscheinungen beobachten. Sind wir schon in der Postdemokratie angekommen? Eine Analyse des Greifswalder Politikwissenschaftlers Dirk Jörke. (via Cicero Online)

Europas Zersetzung – Die Weichen sind auf Postdemokratie gestellt

February 07, 07:42 AM

“Die Sonne schien, da sie keine Wahl hatte, auf nichts Neues.”

aus Samuel Becketts Roman Murphy

January 28, 04:53 AM

Das Zwiebelfisch-ABC ist in solchen Dingen immer wieder hilfreich: der kleine, aber feine Unterschied zwischen “scheinbar” und “anscheinend”.

In den meisten Fällen, in denen scheinbar gebraucht wird, ist in Wirklichkeit anscheinend gemeint. Die beiden Wörter sind keinesfalls gleichbedeutend.
“Anscheinend” drückt die Vermutung aus, dass etwas so ist, wie es zu sein scheint: Anscheinend ist der Kollege krank, anscheinend hat keiner zugehört, anscheinend hat der Chef mal wieder schlechte Laune.
“Scheinbar” hingegen sagt, dass etwas nur dem äußeren Eindruck nach, nicht aber tatsächlich so ist: Scheinbar interessierte er sich mehr für die Nachrichten (in Wahrheit wollte er bloß seine Ruhe haben); scheinbar war der Riese kleiner als der Zwerg (weil der Zwerg ganz weit vorne stand und der Riese ganz weit hinten); scheinbar endlos zieht sich die Wüste.
Statt “Das ist ihm scheinbar egal” oder “Scheinbar hat es keiner gewusst” muss es heißen: “Das ist ihm anscheinend egal” und “Anscheinend hat es keiner gewusst”. Andernfalls würde es bedeuten, die Gleichgültigkeit und die Unwissenheit wären nur vorgetäuscht.

Zwiebelfisch-Abc: scheinbar/anscheinend – SPIEGEL ONLINE

January 17, 07:11 AM

Tagesspiegel – Sarah Wiener: Der Herd als Symbol der Selbstfindung

“Der Verbraucher ist ein politisches Wesen. Denn seine Wahl reicht ins Allgemeine, sie befestigt oder verändert Produktionsformen.” Lesenswertes Interview!

January 17, 07:09 AM

“Mein Gehirn rennt immer im Kreise herum wie ein Gefangener, der an die Kerkertür haut. Ich brauche Erschütterungen, Stürme, Qualen. – Na – die Qualen habe ich.”

Vor hundert Jahren starb der Lyriker Georg Heym bei einem Schlittschuhunfall.
taz – “Er braucht Stürme”

January 01, 04:00 PM

Mutter aller Motive der guten Vorsätze bereits 22 Stunden nach Neujahr gefunden: “Die Feststellung geistiger Kurzatmigkeit vieler Mitmenschen ist nichts, was einen entmutigen dürfte – im Gegenteil: sie hat Ansporn zu sein, denn sie hat Aufgabencharakter.”

December 31, 06:10 PM

Allens, wat in’t ole Johr
scheef loopen is un krumm,
dat moken wi nu annersrum.

In diesem Sinne, frohes Neues!
(Da fällt mir auf: Warum wünscht man sich eigentlich ein “frohes Neues”? Dieses doch recht jungfräuliche, erst wenige Sekunden alte Jahr kann doch nicht “froh” sein. (Wenn ein Jahr überhaupt irgendeine Gefühlsregung hat, dann wohl die der hoffnungslosen Überrumpelung, wenn siebenmilliarden Datumsumbruchfeiernder hereintrampeln!)
Oder sollte der in das neue Jahr Hinüberrutschende gefälligst froh sein, es nun endlich gesund und in einem Stück geschafft zu haben? Sich nicht bei all der Feierei Hand und Hirn mit illegalen Böllern aus Tschechien weggesprengt zu haben? Dann ist das eine unerhört platte, mut- und farblose Form des vorausgreifenden Enthusiasmus! Ein erfolgreiches Neues, ein irre vielfältiges Neues, ein wahnsinnig unerwartet schroffes Neues, ein total überbewertetes Neues, okay. Aber “froh”? Das hört sich doch bitte sehr nach “nett” an. Und das hört sich wiederrum sehr nach scheißdreck an: ein nettes Neues.
“Und? Wie gefällt dir mein neuer Kaschmir-Schal?”
“Mhm, ganz nett.”

2012 - da können wir aber alle ganz schön froh sein, wieder dabei zu sein.
Neue Runde, neues Glück.)

December 31, 03:00 AM

Top-Suchanfragen auf diesem Blog 2011: nackte Frauen, Vodka, Poesie, Laufschuhe.
In dieser Reihenfolge.
Das macht Hoffnung.

December 25, 04:40 AM

Die Weihnachtsgeschichte ist eine Hoffnungsgeschichte. Das höchste Wesen ist kein Kaiser, sondern ein ohne Obdach geborener Mensch: Jahrhundertelang haben sich die Menschen in dieser Erzählung wiedergefunden. Nun immer weniger – nicht zuletzt, weil wir in unserer hochgetakteten Welt das Erzählen und Zuhören verlernt haben.

Weihnachtsbotschaft 2011 – Was heute wirklich zählt

December 19, 02:06 AM

“Die Engländer haben mit Bomben und Granaten versucht, die deutschen Züge zum Stillstand zu bringen. Es ist ihnen nicht gelungen. Geschafft hat das erst die Deutsche Bahn.”

Der Kabarettist Dieter Hildebrandt reist ständig mit der Bahn – er kennt die wahren Gründe für die Verspätungen. – Zeit Online

December 17, 09:16 AM

Es würde sicher bald zu schneien begonnen haben, als sich diesen Freitag unter lautem rumpeln und poltern die Erde in Ratingen auftat und ein klaffendes Loch unbekannter Tiefe hinterlies. Die Feuerwehr war natürlich sofort zur Stelle, doch da es nichts zu löschen gab, konnte sie nur in die Röhre blicken, oder – in diesem speziellen Fall – eben nur in den Schacht. Bewohner der Straße “An der Hoffnung”, in der sich der Zwischenfall ereignete, waren allenthalben schockiert und ratlos über die spontane Erdlocheröffnung, eröffnen doch sonst nur Möbelhäuser oder Mega-Küchen-Fachmärkte in dieser Gegend. Der Bürgermeister bezog bis zur jetzigen Stunde noch keine Stellung, von Rücktritt war aber auch noch nicht die Rede.
Manch spitzfindige Politiker in den Reihen der CDU mögen sich nun die Hände reiben und an einen verfrühten Weihnachtssegen glauben, wenn da der Baustopp über einen Bahnhof und dort der Baustopp über ein Endlager verhängt wird und sich just dieser Tage die Erde in Ratingen mit einem gähnenden Loch auftut. Wenn schon die Endlagersuche in Gorleben so mutlos ergebnisoffen verlief, dann böte sich nun eine fabelhafte Option: Den Castor also direkt ins Loch rollen lassen; ein, zwei, drei Kritiker gleich schwupps hinterher, verbucht als sogenannte Erdlochkollateralschäden. Das alles Gute nur von oben käme ist halt doch nur die eine Seite der Wahrheit.
Manch ein sich aus lauter Erklärungsnotstand den Mund fusslig redender Politiker der FDP mag nun die Hände jubelnd zum Himmel werfen, denn weder für parteiinterne Grabenkämpfe noch für Umfragewerte unbekannter Tiefe muss sich die FDP nun schämen, reicht doch ein beschwichtigender Fingerzeug rüber nach Nordrhein-Westfalen, wo sich nun schließlich ganz andere Gräben auftun.
Und auch der gemeine Steuerhinterzieher braucht seit diesem Freitag die Daten-CD versendende Guerillataktik der Schweiz nicht mehr zu fürchten: Wer braucht schon Südseesteueroasen, wenn sich ein weiteres Schlupfloch direkt vor der eigenen Haustür auftut?
Und von Christian Wulff? Derzeit keine Spur von ihm. Der noch amtierende Bundespräsident zog es eh schon seit ein paar Tagen vor, eher über den Anwalt mit dem Volk zu kommunizieren, anstatt direkt und in persona. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.
Ist das Loch in Ratingen am Ende gar Vorbote für das bevorstehende Armageddon 2012 im emmerich’schen Sinn, also mit viel Tamtam und Kitsch? Wie man es auch drehen und wenden mag: Wenn sich also die Erde am schönen Rhein auftut, entlang einer Straße namens “An der Hoffnung”, so kann diese Meldung nur prophetischen Charakter haben. Wir bleiben gespannt und warten auf die nächste Erdöffnung.
Bestimmt ganz bald, auch in ihrer Nähe.

December 13, 09:21 AM

Haben wir nicht genug? Wie sich Ökonomen ein System vorstellen, in dem nicht zwanghaft immer mehr produziert werden muss.

Kapitalismus: Abschied vom Wachstum – Zeit Online

December 04, 05:15 AM

Dass Frauen älter werden, davon hatte ich gehört. Dass Frauen an meiner Seite ebenfalls älter werden, davon war nie die Rede.

via Hormone, Hundehalsband – 500beine

November 25, 04:45 AM

Es ist Freitag und ich suche passable Inschriften für mein Grab.
Hier eine Auswahl:

  1. Bleibt übrig, es lohnt sich, trotz allem.
  2. Schrecklich amüsant, aber in Zukunft ohne mich. (Danke D.F.W.)
  3. Weitermachen!
  4. Haut ab und besauft euch im Prassnik, ich zahl. (Danke W.H.)
November 23, 04:13 AM

Als Steinbeck die ersten Schritte auf den Balkon setzte und sich selbst nicht gehen hörte, war das für ihn ein untrügliches Zeichen, dass er nicht mehr am Leben sein konnte. An jedem Dreizehnten des Monats hing er sein Jacket auf einem langen braunen Kleiderbügel an einem Haken des Balkongeländers auf. Er musste wohl innerhalb der letzten zwei Stunden, irgendwann zwischen Morgentoilette und Frühstück gestorben sein, was alles in allem betrachtet sicherlich ein höchst bedauerlicher Zustand war. Schließlich hatte er sich doch noch so viel für den heutigen Nachmittag vorgenommen: die Begonien umtopfen, ein Paket von der Post abholen und Nachbar F. sagen, wie sehr ihm sein Wecker mal wieder auf die Nerven ging und dass er ihm jetzt wahlweise mit Gewalt drohe oder auf Einsicht hoffe und der Nachbar den Wecker bitteschön freiwillig entsorgen oder sonstwas mit ihm anstellen solle, was in Gedanken Steinbecks bevorzugte Option gewesen wäre, schließlich hielt er nicht viel auf Gewalt und überhaupt hasste er es, anderen Menschen die nackte Faust entgegenzustrecken. Aber nun war Steinbeck nicht mehr am Leben. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, sein graues Jackett mit dem Fischgrätmuster auf den langen braunen Kleiderbügel zu hängen.
“Kontinuität ist alles! Das schafft Sicherheit, das schafft Perspektive!”

Mit einiger Genugtuung betrachtet er noch eine Weile das junge Treiben auf der Straße, blinzelte in die Morgensonne und war trotz (oder vielleicht wegen) seines unerwarteten Ablebens erstaunlich guter Dinge.
“Endlich keine Rezensionen mehr schreiben und Vorträge für Symposien vorbereiten und Abwassersteuer zahlen müssen. Sehr schön, sehr schön, sehr schön!”, während er sich die Hände rieb.
“Und überhaupt, diese ganzen Talkshowrunden waren mir eh schon immer zuwider, alles blasierte, eingebildete Dummschwätzer!”
Nur um auf Nummer sicher zu gehen, ging er zurück in die Küche, nahm die Kaffeekanne, die noch in der eingeschalteten Maschine stand und einen Rest heißen Kaffees enthielt, ging hinüber zum Spülbecken und schüttete den Inhalt der Kanne über seine Hand. Die braune Flüssigkeit ronn über seinen Handrücken hinab, die dicken schwarzen Härchen seiner Haut streckten sich dabei wie kleine Äste einer Schlammflut entgegen, bis der Kaffe ganz im Abguss verschwand und ein blubberndes Geräusch erzeugte. Nichts: Kein Schmerz, kein Gefühl, keine Verbrühung.

Jetzt sah Steinbeck seine Chance gekommen. Endlich konnte er F. mal richtig die Meingung sagen, die Leviten lesen, rumposaunen und mit wahnsinnig ausschweifenden Armbewegungen seine fleissig über die Jahre gehegte Koprolalie unterstreichen: nichtsnutziger Scheißkerl, assoziale Arschkrempe, und am Ende würde Steinbeck vielleicht sogar ein kleines bisschen Gewalt anwenden, nur ein bißchen würgen oder dergleichen, ohne dabei fürchten zu müssen, selbst allzu viel abzubekommen. Tote sind da ja bekanntermaßen in einem entscheidenden Vorteil gegenüber den Lebenden, zumindest was die Schmerzempfindung betrifft.
Also stürmte er zur Tür, jedoch nicht ohne vorher die Kaffeekanne wieder in die Maschine zu stellen. Dabei sah er jedoch nicht, wie auf dem Anrufbeantworter im Flur das kleine rote Lämpchen blinkte, das auf einen verpassten Anruf hinwies.

Im Treppenhaus war eine Änderung eingetreten. Der Plastikmüllsack des Nachbarn, der für gewönlich tagelang faul gegen dessen Türstock lehnte war weg. Ebenso war die Fußmatte des Nachbarn weg, wie überhaupt alle anderen Fußmatten vor allen anderen Türen, was Steinbeck jedoch ganz gelegen kam, Fußmatten verunstalteten schließlich das Gesamtbild und er war der einzige im ganzen Haus, vor dessen Tür keine lag. Als er jedoch an das Geländer des Treppenhauses hernatrat und nach unten blickte, traute er seinen Augen kaum: Ein abbysischer Abgrund tat sich da vor ihm auf! Das Treppengeländer führte in einer scheinbar unendlichen Spirale nach unten fort, Stockwerk um Stockwerk um Stockwerk, bis das fraktale Bild des Treppenhauses irgendwo da unten in grauem Dunst versank. Sein Atem stockte. Und als er einen Schritt zurücktrat und nach oben sah, ließ ihn der Anblick taumeln. Beinahe wäre rückwärts wieder in seine eigene Wohnung gefallen, denn auch nach oben war das selbe zu sehen: Eine sich endlos in die Höhe schraubende Treppe, ein repetetives Bild im Bild im Bild, das bald ganz klein wurde und in einem nadelspitzgroßen Punkt zusammenfloss, bevor es vom grauen Dunst verschluckt wurde.
“Grundgütiger Gott! Das ist unmöglich! Das kann nicht… das darf nicht sein! Das ist Hochparterre! Verdammt, ich zahle schließlich für’s Hochparterre und den angemieteten Keller und…”, er trat noch einmal an das Geländer heran um sich zu vergewissern, ob er wirklich richtig gesehen hatte. Keine Frage, die Sache war eindeutig: Nach unten hin gab es keinen Boden und nach oben hin keine Decke und die Treppe führte so weit man sehen konnte in beide Richtungen endlos weiter. Steinbeck fasste sich ein Herz:
“Hallo?!”
Nichts.
“Halloohooo?!”
Es gab in diesem irren Haus nicht nur keine endliche Treppe und keinen Boden und keine Decke und keine Türmatten. Es gab zu seiner allgemeinen Verwunderung auch kein Echo. Steinbeck wollte es wissen.
“Ich bin vielleicht tot, aber ich bin immer noch bei Verstand!”, kramte in seiner Hosentasche, fingerte ein zehn Cent Stück heraus und schnippte es über das Geländer in die Tiefe.
“Mal sehen, wie lang’ das dauert. Das ist wie bei einem Gewitter, man muss nur die Zeit zwischen Blitz und Donner zählen, und man weiß, wie weit es noch weg ist.” Und so zählte Steinbeck.
“21, 22, 23, 24…”, er verstummte und setzte die Reihe in Gedanken fort.
45, 46, 47, nichts.
69, 70, 71, 72, noch immer nichts.
“Also, das ist doch…”, und er lehnte sich über das Geländer und kniff die Augen zusammen, in der Hoffnung, dort unten in der Ferne doch irgendwas erkennen zu können.
“Gut, vielleicht habe ich den Aufprall überhört.”, und er kramte ein weiteres mal in seinen Hosentaschen, fand aber nichts ausser Hosentaschenkrümeln. Er blickte zur Zeite und beschloss, hinüber zu F. zu gehen um zu fragen, ob ihm nicht etwas aufgefallen sei. Das kleines bisschen würgen könnte man ja auf später verschieben.
Steinbeck klopfte, es tat sich nichts und nachdem er ein zweites mal klopfte und wieder wartete und sich immer noch nichts tat, wollte er klingeln, erstarrte jedoch in seiner Bewegung. Auf F’s Türschild stand nicht “F.”, sondern “Steinbeck”! Und F’s Türe sah auch nicht aus wie F’s Tür für gewöhnlich aussah – mit den Kratzern im Holz um das Schlüsselloch herum, wenn der mal wieder spät Nachts besoffen nach Hause kam und auch beim hundertsten Versuch nicht das Türschloss traf. F’s Tür sah aus wie seine Tür!
“Nichtsnutziger Scheißkerl!”, und ohne zu klingeln ging er zur nächsten, zu M’s Tür. Das gleiche Bild: Eine massive Eichenholztür ohne Kratzer und Fußmatte, Klingelschild “Steinbeck”.
“Jetzt aber!!”
Auch die nächste und übernächste Tür lieferte das gleiche Ergebnis. Und als er das darunter liegende Stockwerk inspizierte und etwas aus der Puste wieder zurück zu seiner offenestehenden Haustür kam, war für ihn die Sache ziemlich klar:
Entweder gab es in diesem Haus eine ganze Legion von Mittätern, so etwas wie eine Verschwörung, die allesamt vorgaben, nicht zuhause zu sein und in einer Wohnung lebten, die wie seine aussah, zumindest von aussen. Oder es gab in diesem ganzen Haus tatsächlich nur seine Wohnung, in millionenfacher Wiederholung. Und nur einen Menschen und das war er.
“Na, da gibt es eine Menge, das ich das nächste Mal bei der Mieterversammlung ansprechen muss.”
Steinbeck ging zurück in die Wohnung, schloß die Tür hinter sich und seufzte tief. Es war noch früher Morgen und er fühlte sich schon so verwirrt und überhaupt bereitete ihm die Sache einiges Kopfzerbrechen. Erst jetzt sah er den Anrufbeantworter, der die ganze Zeit mit einer Nachricht auf ihn wartete. Die alte Maschine klickte andächtig, als er sie aktivierte und es dauerte noch eine ganze Weile, bis er diese eigenartige Stimme hörte.

Draussen fiel ein zehn Cent Stück durch das Treppenhaus.

November 23, 04:10 AM

Der erste Satz wird ganz von alleine kommen.
In unserem Bewusstsein gibt es dauernd einen Satz, der ausgesprochen werden will.

November 22, 01:56 PM

Amphetamin-Annie war sich nicht zu schade ihren Badeanzug abzustreifen und mit ihren Brüsten vor den Gesichtern der Männer am Tresen zu wackeln. Die Stimmung in der Bar war fickrig und aufgeheizt, nur das Dröhnen aus den Boxen übertöhnte noch das Johlen. Es roch nach Alkohol und schwitzenden Männern. Hätte man ihr früher davon erzählt, dass sie eines Tages mit ihren großen, weichen, wohlgeformten Brüsten ein Menge Kohle scheffeln würde: Sie hätte sich wohl umgedreht und wäre lachend davongelaufen. Und würde man Amphetamin-Annie jetzt sagen, dass sie nicht viel später ungleich mehr Geld mit ganz anderen Sachen verdienen würde: Ihre Reaktion fiele heute sicher nicht anders aus.
Früher, das war ein bestimmter Ort, eine Zeit und ein Junge, der mehr als alle anderen in sie verliebt war. Damals saßen sie beide in der letzten Klasse des städtischen Elisabeth-Gymnasiums und versuchten sich auf die Reaktionsgleichungen der Photosynthese zu konzentrieren, so gut sich Jungverliebte auf Reaktionsgleichungen in der Schule eben konzentrieren können. Der Junge fiel damals durch die Abiturprüfung, Annie schaffte den Abschluss, mit einem ziemlich guten Durchschnitt sogar. Ein paar Wochen später war ihre Beziehung zu Ende und er würde sie die nächsten dreieinhalb Jahre nicht wiedersehen. In dieser letzten Abschlussklasse hätte es viele Mädchen gegeben, die ihm gefielen aber Annie hatte etwas besonderes: die Röte in ihrem Gesicht, wenn sie ein Referat halten musste. Andere Mädchen pressten ihre Lippen so fest zusammen, dass sie sich blutleerweiß verfärbten; wieder andere wurden vor Aufregung nur am Hals rot oder auf der Stirn. Einmal musste ein Mädchen über die Bedeutung der Frauenrolle in Fontanes “Effie Briest” referieren, bei der lediglich die innere Ohrmuschel rot wurde. Aber Amphetamin-Annie war tatsächlich das einzige Mädchen auf dieser Welt, das, wenn es nervös wurde oder sich schämte, rote Flecken in der Form von Norwegen auf beiden Wangen bekam und deren Symmetrie von erstaunlicher Gleichförmigkeit war, fast wie bei einem Rohrschach-Test.
Die raue Hand eines Bauarbeiters schnellte hervor und quetschte ihren linken Busen fest zusammen; Annie sagte nichts, sie schlug die Hand des Mannes weg, ging einen Schritt zurück und tanzte weiter. Und man sah Norwegen leuchten, rot und symmetrisch auf beiden ihrer blassen Wangen, während ein junger Mann mit Anzug und Krawatte, der lange in der Türe stand sich umdrehte und davonging.

November 21, 04:02 PM

Du kannst so vieles erst verstehen
Wenn du dir selbst die Neugier lässt.
Wer Augen schließt um Schönes nur zu sehen,
der wird dem Blinden gleich und vieles ihm entgehen
Von all dem Welt gewordenen Rest.

Gestatte dir, dich hin zu neigen
zu dem, was dich zur Frage drängt.
Das ist uns Menschen seltsam eigen
Drum möge man uns bitte zeigen
Wie alles stets zusammenhängt.

- Martin Kießling

November 21, 03:25 AM

The ancient tradition that the world will be consumed in fire at the end of six thousand years is true;
As I have heard from hell.
The whole creation will be consumed, and appear infinite and holy, where as it now appears finite and corrupt.

This will come to pass by an improvement of sensual enjoyment.
If the doors of perception were cleansed, everything would appear to man as it is, infinite.

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