Dass [...] mittlerweile Fußballspieler aus der zweiten Liga für wert befunden werden, sich in das Goldene Buch einer deutschen Landeshauptstadt einzutragen, entspringt der übersteigerten gesellschaftlichen Bedeutung, die der Fußball hierzulande gewonnen hat. Die ökonomischen und politischen Vorteile, die daraus entstehen, kassieren Profiklubs und Verbände nur zu gerne. Für die Schattenseiten erklären sie sich jedoch als kaum zuständig und verweisen auf die Gesellschaft.
In dem FAZ-Artikel Inakzeptabler Ausgang geht es eigentlich um die Frage, ob das Relegationsspiel von Fortuna gegen Hertha wiederholt werden muss. Viel spannender finde ich die Fragen, die hier im Vorbeigehen gestellt werden: Ist Fußball wirklich gesellschaftlich so wichtig, dass wir Unsummen für die Sicherung von Fußballspielen und Fanzügen ausgeben wollen?
Ein bisschen lachen musste ich ja schon über die Angabe des dänischen EU-Abgeordneten Jens Rohde, der als Nebentätigkeit nicht nur Master of the Universe angibt, sondern auch noch gleich zwei neue Verdienstkategorien erfindet. Das Lachen blieb mir dann aber doch im Halse stecken. Denn das Problem, das die verpflichtenden Angaben zu Nebentätigkeiten von EU- und Bundestagsabgeordneten anzugehen versuchen, ist tatsächlich massiv. Dabei geht es weniger darum, dass sich einige Abgeordnete hier und da ein bisschen was dazu verdienen (obwohl sie das bei gut 7600€ brutto zzgl. gut 4200€ allgemeine Kostenvergütung [1] sicherlich nicht müssten – und davon abgesehen auch zeitlich gut ausgelastet sein dürften, wenn sie ihre Abgeordnetentätigkeit ernst nehmen). Das eigentliche Problem kommt eigentlich erst durch die Interessenkonflikte zustande, die durch den zweigleisigen Betrieb unweigerlich entstehen. Selbst wenn die Abgeordneten Stein und Bein schwören, im Parlament nur nach bestem Wissen und Gewissen – und nicht etwas im Sinne der Zweitarbeitgeber – zu entscheiden: Den Vorwurf des Lobbyismus wird man nie ganz von sich weisen können.
Auch wenn davon glücklicherweise nur ein kleiner Teil der Abgeordneten betroffen ist und sich die meisten tatsächlich auf ihr Amt zu konzentrieren scheinen, müssen die Nebeneinkünfte noch detaillierter offengelegt werden. Nur so kann sich jeder ein Bild davon machen, bei welcher Entscheidung unter Umständen Interessengruppen von außerhalb Einfluss auf Entscheidungsprozesse zu nehmen versuchen.
[1] Die Angaben stammen von der Europaabgeordneten Angelika Niebler.
Seehofer sagte, er habe gelesen, »dass sich dort die Reichen und Schönen treffen«.
Ich musste sehr lachen.
Jay Z kauft sich eine Basketballmannschaft, holt sie von New Jersey nach Brooklyn und verpasst ihnen auch gleich selbst das neue Branding. Vor allem das Secondary Logo oben finde ich sehr gelungen. Insgesamt ein toller Kontrast zu den 3D-Glossy-Logos der anderen Teams, da bin ich ganz Tom Grubers Meinung.
Die Folge sind Projektleiter als Strohmänner, Lehraufträge, Werksverträge, Gastdozenturen, Einstellung mit 49% Haushaltsmitteln, und Einstellung über Stiftungen oder Wissenschaftskolleg; alles kennzeichnend für zwar innovative letztlich aber sinnwidrige Umwege in der vorhandenen Größenordnung.
Markus Dahlem versucht in seinem SciLog zu klären, was in Deutschland schief läuft im Umgang mit Nachwuchswissenschaftlern. Ich verdiene ja in diesem Umfeld auch meine Brötchen und kann den Kritikpunkten nur zustimmen. Eines wurde aber meiner Meinung nach übersehen: Die Trägheit der deutschen Universitäten.
Wenn man sich anschaut, wie viel Zeit hierzulande zwischen Stellenausschreibung und Ruf zum Professor vergehen, muss man sich nicht wundern, dass viele Nachwuchskräfte ins Ausland abwandern. Es ist keine Seltenheit, dass nach Bewerbungsschluss erstmal ein oder zwei Monate ins Land gehen, bevor sich die Berufungskommission das erste Mal trifft und die Bewerbungen sichtet. Bis dann Vorstellungsvorträge abgehalten, Gutachten eingeholt, Rankings erstellt und Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen wurden, geht gut und gern ein Jahr ins Land.
Auf dieses Spiel kann man sich eigentlich nur einlassen, wenn man schon irgendwo eine unbefristete Stelle hat. Kein Nachwuchswissenschaftler hat Zeit, diese elendig langen Verfahren abzuwarten, zumal bis dahin meist der der aktuelle Zeitvertrag wieder längst abgelaufen sein wird. Wenn dann ein Stellenangebot aus dem Ausland kommt – wo dieser ganze Prozess oft in nur zwei oder drei Monaten über die Bühne geht – wird nicht lange überlegt: man geht, auch wenn man vielleicht gern in Deutschland geblieben wäre.
Insofern würde ich dem Artikel noch die Forderung nach mehr Eigenverantwortung für die Institute in den Einstellungsverfahren hinzufügen. Das würde diese Prozesse hoffentlich deutlich entbürokratisieren und beschleunigen.
Zwei Seelen wohnen in unseres Local Hero Thomas Bückers Brust. Als Erfinder des Frickelbumms ist er schon seit vielen Jahren unter dem Pseudonym Jean-Michel unterwegs, auch regelmäßig immer mal wieder bei unseren Dubstecials. Dann und wann aber trommelt Thomas sein imaginäres Quartett zusammen und macht Kopfkinomusik. Melancholisch, ziemlich episch und so durchproduziert, dass man wirklich den Eindruck hat, dass da mindestens ein echtes Quartett, wenn nicht gar ein ganzes Orchester am Werk ist. Das neue Album II seines Projektes Bersarin Quartett funktioniert dementsprechend am besten auf dem Kopfhörer und steht in den aktuellen DE:BUG Charts nicht umsonst ganz oben auf dem Podest. Im Interview beim Black Magazine erzählt Jean-Thomas ein bisschen was über den Entstehungsprozess, und was ihn sonst noch so umtreibt.
Für die Umsetzung vom Bersarin Quartett als Liveprojekt hat Thomas sich noch den Drummer Benjamin Kövi Kövener und den Gitarristen/Bassisten Patrick Bradowsky ins Boot geholt. Im Februar haben die drei eine Show im Dom zu Moskau gespielt, die es jetzt bei Denovali – bei denen auch II erschienen ist – für umme zum Download gibt. Läuft bei mir jetzt schon zum wiederholten male durch und macht Laune auf den 31. Mai. Das gibt es das ganze in Münster übrigens auch live zu begutachten in der Black Box.
Jean-Michel und Bersarin Quartett gibt es auch bei Spotify.