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Hannes Mehring

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  • March 16, 07:50 AM

    Das Missverständnis über Crossmedia im Radio

    Wie Radiosender durch Crossmedia ihr Profil schärfen können.

    Vor Kurzem, am 10. März 2010, wurde die Media Analyse (MA) für Hörfunksender veröffentlicht. Die Studie ist das wichtigste Instrument, um die Reichweite deutscher Sender zu bestimmen, an ihr werden maßgeblich die Preise festgemacht, die für die Ausstrahlung von Spots vom Werbekunden verlangt werden können. Dementsprechend nervös ist die Stimmung kurz vor der Veröffentlichung in der Branche. Mit einer Veränderung der Reichweite steigt und fällt der Marktwert.

    Die Nervosität ist begründet, denn für Werbekunden sind die Sender fast beliebig austauschbar. Alle Hörerzielgruppen werden umfangreich bedient, der Markt für Mainstreamanbieter könnte als gesättigt bezeichnet werden. Was fehlt, sind ernsthafte Unterscheidungsmerkmale.

    Auf der Suche nach neuen Profilen findet das Buzzword „Crossmedia“ zunehmend Einzug in den Fachjargon und wird hier vor allem als zusätzlicher Vertriebskanal verstanden. Die Radiozentrale, ein Verband von Radiosendern (bekannt durch Spots mit dem Slogan „Radio. Geht ins Ohr, bleibt im Kopf“), definiert Crossmedia auf ihrer Website so:

    „Crossmedia (umfasst) alle Vermarktungskonzepte eines Unternehmens, die sich auf mindestens zwei Medienformen beziehen. […] Crossmedia ist die […] Vernetzung unterschiedlicher Medienkänale und Werbeträger mit dem Ziel, einen maximalen werblichen Erfolg über eine mehrkanalige Ansprache zu realisieren […] und einen potenziellen Rückkanal zu schaffen“

    Was fällt an dieser Definition auf? Sie bezieht sich vor allem auf „maximalen werblichen Erfolg“. Das ist naheliegend, schließlich wird hiermit das Geld verdient.

    Die Radiozentrale verweist auf einige Case-Studies, die richtigerweise Konzepte zur Verbindung von Hörfunk und Internet beschreiben. Man stellt jedoch fest, dass all diese Konzepte Kampagnencharakter besitzen, also nach einer bestimmten Laufzeit abgeschlossen sind. Wenn man von einem Rückkanal über das Internet spricht, impliziert das Social Media-Plattformen, die wegen ihrer Bidirektionalität und vor allem Nachhaltigkeit erfolgreich sind. Das schließt einen Kampagnencharakter nahezu aus.

    Im Zuge der Profilschärfung der Radiosender sollte dieser Aspekt unbedingt berücksichtigt werden. Für mehr Nachhaltigkeit muss Social Media richtig angewandt werden und das bedeutet vor allem, dass der Rückkanal nachhaltigen Charakter bekommen muss. Als neuer und erster Radiosender möchte beispielsweise dradio Wissen mehr Nachhaltigkeit erzielen und bedient sich deshalb eines verstärkten Austauschs mit den Hörern.

    Es dürfen nicht nur die Werbekunden über diesen Kanal mit Hörerfeedback bedient werden. Vielmehr müssen Konzepte her, die den Hörer aktiv an der Programmgestaltung beteiligen. In der etwas konservativen Branche der klassischen Medien wird dies schwer fallen. Durch ein höheres Involvement einzelner Rezipienten, wird der gesamte Sender aufgewertet – für alle Hörer. An dieser Stelle können Pioniersender ihren wahren Geist zeigen.

    Die ag.ma, welche die Media Analyse erstellt und veröffentlicht, hat bei der letzten Befragung einen krisenbedingten Joker gezogen und die Grundgesamtheit erhöht. Nahezu alle Sender sind auf dem Papier deshalb mit einem satten Reichweitenbonus ausgestattet worden. Nachhaltigkeit sucht man hier vergebens. Wenn deutsche Radiosender sich endlich trauen würden, das Hörerfeedback aktiv einzubeziehen, müsste die Reichweite der Media Analyse völlig neu bewertet werden. Nicht auszuschließen, dass der Marktwert einzelner Pioniersender dadurch deutlich steigt.

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  • March 08, 08:15 AM

    Lesetipp: mehr Nachhaltigkeit mit Karma Konsum

    Heute mal ein Blog-Tipp: Karma Konsum “do good with your money”. Das Thema Nachhaltigkeit und Geld war in der hinter uns liegenden Finanzkrise aktueller denn je. Jeder von uns investiert fast jeden Tag. Meistens in völlig gewöhnliche Konsumartikel. Welche Marken und Anbieter sich diese Eigenschaft auf nachhaltige Art und Weise zu Nutzen machen, schreiben die Autoren von Karma Konsum regelmäßig in kurzen Artikeln. Die Existenz dieses Blogs und die Frequenz der Artikel zeigen eine ganz interessante Tendenz: Durch diverse Gegebenheiten (Finanzkrise, Klimawandel…) ist das Konsumieren nachhaltiger Artikel für die breite Masse interessant geworden. Zahlreiche namhafte Unternehmen investieren Gehirnschmalz und Geld in die Entwicklung nachhaltiger Produktlinien – wie im aktuellsten Artikel der Schuhhändler Deichmann.

    Die Hauptrolle im Blog spielen die sogenannten LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability, zu deutsch etwa “Menschen mit Lebensstil für Gesundheit und Nachhaltigkeit”) – Ihr wisst doch, die Marketees lieben solche Akronyme. Lohas sind jene Personen, die sich mehr Nachhaltigkeit zuschreiben und dies in ihrem Konsumverhalten zum Ausdruck bringen.

    Was das mit Social Media zu tun hat? Ganz einfach: Nachhaltig handelnde Unternehmens genießen eine Verbesserung ihres Images und ihrer Reputation, wenn die Kunden beim Kauf ein gutes Gefühl haben und dies kommunizieren. Es ist zu hoffen, dass Deichmann mit ihrer neuen nachhaltigen Schuhlinie in Social Networks aktiv werden und das Feedback der Kundschaft gezielt zu nutzen wissen.

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  • March 03, 04:52 AM

    Medien & Kaffee – Ein Frühstück mit Perspektiven #2

    Vergangene Woche, am 25. Februar, ging das erste Medien & Kaffee Event über die Bühne. Der Bedarf an Diskussionen über Social Media ist allgegenwärtig und unter allen Anwesenden herrschte Einigkeit über die Fortsetzung der Eventreihe.

    Wir laden daher herzlich zum zweiten Medien & Kaffee Frühstück in das Café Übersee ein. Markiert den 07. April 2010 in Eurem Kalender und meldet Euch kurz auf der Event Seite mit einem Kommentar an. Wie immer freuen wir uns über Teilnehmer, die ein selbstgewähltes Thema vorstellen und zur Diskussion stellen. Wie sich gezeigt hat, kann wirklich jeder zum Thema Social Media seinen Beitrag leisten, unabhängig ob er bisher bewusst Erfahrungen gesammelt hat oder nicht!

    Eine gute Nachricht für alle Langschläfer: Das nächste Frühstück beginnt um 10 Uhr.

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  • February 25, 11:37 AM

    Angeregter Austausch beim ersten “Frühstück mit Perspektiven”

    Heute fand das erste Mal “Medien & Kaffee – ein Frühstück mit Perspektiven” im Café Übersee in Erfurt statt.

    Es ist nichts Ungewöhnliches, dass man noch keinen Gast antrifft, wenn man kurz nach 9 Uhr das Café betritt. Wer geht schon unter der Woche gemütlich frühstücken?

    Wir. Es handelte sich um den geglückten Versuch bei „Medien & Kaffee“ ein paar der offenbar raren Medieninteressierten aus der Umgebung zu einem Frühstück zu versammeln. Okay, vermutlich waren bei weitem nicht alle dabei aber neben den drei „no-shows“ kamen fünf Interessierte zu Gesprächen bei Kaffee mit frischen Brötchen zusammen.

    Zwei gesprächsreiche Stunden folgten und nur das schlechte Gewissen “nicht produktiv” zu sein, setzte die Gesellschaft wieder in Bewegung. Das spontane anschließende Sit Together im „frischr-Headquater“ (direkt um die Ecke) wollte allerdings kaum ein Ende nehmen und zeigte klar, dass es Gesprächsbedarf zum Thema Umgang mit und Zukunft der neuen Medien gibt.

    Den Austausch setzen wir bei nächster Gelegenheit fort, der Termin für das nächste „Frühstück mit Perspektiven“ ist der 7. April 2010. Wir freuen uns darauf, auch beim nächsten Mal wieder neue Gesichter begrüßen zu dürfen!

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  • February 21, 07:37 AM

    Medien & Kaffee – noch wenige Plätze verfügbar

    Am kommenden Donnerstag, den 25. Februar 2010, findet endlich das erste Frühstück mit Perspektiven statt. Magenknurrend und kaffeedurstig erhoffen wir uns eine illustre Runde von Medienleuten aus der Umgebung, um bei Kaffee und Croissant über Medientrends zu sprechen. Noch sind ein paar Plätze verfügbar!

    Das Frühstück ist keine Werbeveranstaltung. Wir möchten Euch Medieninteressierte aus der Umgebung kennenlernen und untereinander vorstellen. Deshalb bieten wir die Schmiede als Plattform an, um Veranstaltungen zu organisieren.

    Thematisch ist alles mediennahe willkommen: Nehmen wir als Beispiel Erfurt. Die Landeshauptstadt rühmt sich mit dem Titel “Kindermedienstadt” – wäre es da nicht mal interessant zu ergründen, welche Medien Kinder erwarten? Und können die aktuellen Strukturen diesen Anforderungen überhaupt gerecht werden?

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  • February 11, 04:24 AM

    Das Medienecho zu Google Buzz

    Gestern war wieder einer dieser Momente, die Googles Konkurrenten fürchten. Google veröffentlichte seinen neuen Dienst Buzz, dem nicht weniger als die Revolution der sozialen Kommunikation im Web nachgesagt wird. Eigentlich kann man zum Tool selber an dieser Stelle noch wenig sagen. Der bisherige Eindruck lässt eine Ähnlichkeit zu Google Wave nicht verweheren. Insgesamt wirkt die Funktionalität zusammengewürfelt und alles andere als perfekt.

    Aber genau diese Tatsachen bringen ein erstaunliches Medienecho hervor. Schon wenige Stunden nach Erscheinen loben die einschlägigen Medien Buzz in den höchsten Tönen.

    Google Buzz hat das Potential, die Web-Szene auf ähnliche Weise umzukrempeln, wie zuletzt Twitter – wenn die Realität hält, was die Präsentation versprach.

    urteilt Spiegel Online und faz.net beschreibt Buzz als das bessere facebook:

    Ist das nicht schon Facebook? Ja, aber Google will es natürlich wieder einmal besser machen. Und hat es auch geschafft.

    Die Welt kommt mit einem interessanten Zitat des Marktforschungsunternehmens Gartner daher, wonach im Jahre 2014 bereits 20% der geschäftlichen Kommunikation in Social Media Services stattfinden. Google scheine noch einmal die Kurve bekommen zu haben, nachdem sie bisher keinen Fuss in soziale Anwendungen setzen konnten.

    Doch die Medien, die sich einen Tag Zeit mit ihrem Artikel lassen, entpuppen sich als Skeptiker. Das Medien-Portal Meedia analysiert unter der Schlagzeile “Wie sich Google im Social Web verzettelt” mögliche Fallstricke für Google.

    Google versucht mit Buzz mit der Brechstange Anschluss an den Social-Trend im Netz zu finden. Für Google ist es eine ungewohnte Erfahrung, dem Trend hinterherzuhecheln.

    attestiert Meedia dem Webgiganten. Focus Online lässt sich auch Zeit listet eine Reihe von (internationalen) Zeitungen und Blogs auf, die überwiegend den Mehrwert von Buzz kritischer sehen.

    Beim Lesen hat man das Gefühl sich in einem emotionalen Rausch zu befinden – besonders bei den frühen Artikeln. Bekanntlich sieht die Welt anders aus, wenn man eine Nacht drüber geschlafen hat. Und so werden die Ereignisse tags darauf weit rationaler und ein klein wenig verkatert gesehen.

    Eine Meldung, die indessen fast unterging: Google gab bekannt, ein experimentelles Glasfaser Netz aufbauen zu wollen, an dem alle Haushalte eine Netzandingung mit einer Datenrate von einem Gigabit (!) erhalten. Vielleicht wird das Googles wahrer Buzz?

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  • February 04, 10:38 AM

    Social Networks: wenn einen die Realität einholt

    Diese Social Networks sind wirklich was Feines. Man gibt ein paar Skills in das Suchfeld ein und bekommt sogleich passende Personen vorgeschlagen. Anschließend kommunziert man über die Mailfunktion miteinander, telefoniert ein paar Mal und schließlich trifft man sich, um gemeinsam an Projekten zu arbeiten. Soweit die Theorie.

    Das dachte sich vermutlich auch ein freundlicher Mitarbeiter der Nielsen Company, der mich ansprach, um mir ein neues Monitoringtool vorzuführen und darüber zu diskutieren. Wir mailten, telefonierten und schlussendlich läge unser Büro in Erfurt ja quasi auf dem Rückweg von München nach Hamburg. Er könne ja einfach mal vorbei kommen. Super!

    Wir stellten uns also darauf ein, heute Nachmittag Besuch zu bekommen, der versprochene Kaffee kochte schon. Dann, 10 Minuten vor Termin, klingelte mein Telefon. Der Herr von Nielsen meldete sich, er habe eine Panne. Klar, kann passieren bei dem Wetter, dachte ich. Aber es kam besser: Er habe dem Taxifahrer gebeten, in die Schlösserstraße zu fahren. Doch der antwortete wahrheitsgemäß, dass es in Nürnberg keine Schlösserstraße gäbe. Schade eigentlich! Tja, that‘s the real life.

    Mich hätte ein Blick in das Tool schon interessiert.

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  • February 02, 04:47 AM

    Social Media Week – und täglich grüßt das Murmeltier

    Diese Woche findet die Social Media Week Berlin statt. Die Idee ist bombastisch: Weltweit parallel in Metropolen ein Treffen veranstalten und sich zu vernetzen. Dabei Themen „rund um Social Media“ besprechen und Namen wie Toronto, New York, London, San Francisco, Sao Paulo, Berlin an die große Glocke hängen. Große Namen mit großer Wirkung?

    Heute ist Dienstag, der 2. Februar und es ist Murmeltiertag. Vielleicht die Ursache für das Datum der Social Media Week? Als vor einigen Jahren die „BarCamp-Bewegung“ aufkam, rannten alle zu den Events, um Leute kennenzulernen, die ebenfalls explorativ im neuen Social Web unterwegs sind. Aber es waren immer die gleichen Themen und gleichen Leute, die von BarCamp zu BarCamp liefen. Das haben die Marketees auch gemerkt und dem Kind einen neuen Namen gegeben. Jetzt noch massentauglicher!

    Auch wenn mich das Event – des Namens wegen – interesieren sollte, bin ich diesmal bewusst nicht dabei. Die Social Media Week macht auf mich den Eindruck, dass mal wieder das Äußere im Vordergrund steht. Es ist der Name, die Metropolen, das globale Event, die Sponsoren und die vielen namenlosen Teilnehmer. Und das eine ganze Woche lang. Man sieht viel zu viele selbst ernannte Experten und am Ende hat man wieder viel Zeit verbraten.

    Mittlerweile wissen die early adaptors unter den Unternehmen, dass es im Social Web auf die Inhalte ankommt. Vielleicht ist das ein Grund, warum die Unternehmen, bei denen wir letztes Jahr davon ausgingen, dass sie dieses Jahr im bereich Social Media aktiv sein müssten, sich für das Event bislang nicht angekündigt haben?

    Ich werde mir heute Abend um 18:15 Uhr das Panel mit Nico Lumma und Johnny Haeusler ansehen, vorausgesetzt es wird gestreamt. Und die restliche eingesparte Zeit denke ich dann darüber nach, welche branchenfremden Veranstaltung ich besuche. Da sind nämlich die Personen, die benutzen sollen, was worüber wir die letzten Jahre erschöpfend gestritten haben.

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  • January 18, 06:05 AM

    Der Weg ist das Ziel – neue Anforderungen an eLearning

    Es ist nur schwer möglich, alle am Markt befindlichen eLearning-Plattformen ausführlich zu testen. Ich habe dennoch versucht, mir einen Überblick über einige gängige Systeme (Ilias, Moodle, Metacoon, StudIP und Blackboard) zu verschaffen. Mal abgesehen davon, dass es keines der hier genannten Systeme schafft, eine wirklich ansprechende und intuitiv zu bedienende Oberfläche bereit zu stellen, habe ich aus Anwendersicht einen ganz anderen Punkt zu kritisieren: Das verfolgte Ziel.

    Der Text ist etwas länger geworden. Wem er zu lang ist, kann auch gleich zum Fazit springen.

    Die Adaption von Onlinemedien in den Unterricht verfolgt meines Verständnisses nach zwei wesentliche Ziele: Zum einen die Vermittlung des Stoffes auf neuen Wegen. Zum anderen das Erlangen von Medienkompetenz in Hinblick auf die Verwendung von digitalen Medien. Vermutlich wird sich die Gewichtung im Laufe der Zeit verändern. Solange die Generation der Digital Natives den gesellschaftlichen Alltag nicht maßgeblich bestimmt, sollte die zu erlangende Medienkompetenz die größere Rolle spielen. Um mich dem Problem zu nähern, versuche ich zunächst den Status quo zu erläutern, die Anforderung an Systeme zu nennen und schließlich einen konkreten Lösungsansatz vorzuschlagen.

    Medienkompetenz

    Den Ansatz, Kindern und Jugendlichen Medienkompetenz beizubringen gibt es. Bei uns an der TU Ilmenau wurde mit großem Tamm-Tamm das Projekt Medienbewusst ins Leben gerufen. Die Initiative hat das hoch gesteckte Ziel, Kindern und Jugendlichen die Reichweite und Auswirkung von Medien zu verdeutlichen sowie konkrete Ratschläge zum Umgang mit Medien zu liefern. Leider steht hier das Medium als einseitiger Kontaktkanal im Fokus, wie ihn „nicht-soziale“ Medien (TV, Radio, Zeitung, PC-Spiele, einseitige Internetnutzung) darstellen. Den Einsatz der Medien als zweiseitiger Dialogkanal, der ausdrücklich nicht nur zur Unterhaltung oder Meinungsbildung dient, wird leider nur angekratzt. Auf der anderen Seite wird an der Uni eine eLearning-Plattform eingesetzt, nämlich Moodle, die jene Medienkompetenzlehre völlig außer acht lässt.

    Meine Beobachtung zeigt mir, dass die meisten eLearning-Systeme heute vor allem für die digitale Verteilung von Lerninhalten genutzt werden. Die Fähigkeit zum Umgang mit Medien dieser Art wird als gegeben vorausgesetzt. Dabei gibt es hier viel Nachholbedarf. Die Studierenden setzen sich mehr oder weniger willig mit der schlechten Software auseinander.

    Ich kritisiere die an den Haaren herbeigezogene Interaktivität. Schüler und Studenten sollen sich in Foren austauschen und in virtuellen Klassenzimmern fragen stellen. Wer nutzt das wirklich? Auch die selten stattfindenden virtuellen Vorlesungen oder Unterrichtsstunden sind im Prinzip nur die Verteilung von Inhalten – halt als Bild und Ton mit marginaler Feedbackmöglichkeit. Eine berufs- und alltagsnahe Verwendung findet nicht statt. Dabei wäre es so wichtig, die Plattformen für die kollaborative Arbeit auszulegen und den praxisnahen Umgang zu üben.

    Internes Social Media in Unternehmen

    Dass die berufsvorbereitende Ausbildung eine Daseinsberechtigung hat, zeigen realistische Einsatzszenarien von digitalen sozialen Netzwerken in geschlossenen Institutionen. Das Seminar Innovatives Wissensmanagement in Organisationen, in dem ich vor Kurzem einen Gastvortrag hielt, beschäftigt sich zwei Semester lang nur mit solchen Szenarien und kam schon zu erstaunlichen Ergebnissen, die auch bald veröffentlicht werden. Der Schwerpunkt liegt dabei meistens in der kollaborativen Erarbeitung von Problemlösungen.

    Der Vorteil von Social Media in Unternehmen liegt darin, dass ausgeprägte Hierarchien obsolet werden. Ein Beispiel: In der Prozesskette Produkteinkauf-Verarbeitung-Logistik-Verkauf können ohne das Einhalten einer Hierarchie Probleme an der Prozesskette erfasst und behoben werden. Der Logistikmitarbeiter teilt dem Einkäufer direkt mit, dass der Barcode an einer ungünstigen Stelle angebracht ist. Klingt super! Nur ist durch die Einsparung der Hierarchie auch eine Filter- und Übersetzungsebene verloren gegangen. Zwei Mitarbeiter, die sonst nie etwas miteinander zu tun haben und völlig unterschiedliche Kompetenzen besitzen, kommunizieren plötzlich miteinander. Und das, ohne sich dabei in die Augen zu sehen. Hier kann viel schief gehen.

    Die wichtige Aufgabe, die eLearning-Systeme also übernehmen sollten – und in meinen Augen auch dafür geeignet wären – ist die Vermittlung von Kommunikationskompetenz als berufsvorbereitende Maßnahme.

    Gespräche mit Unternehmensvertretern zeigten mir, dass sich die Einsatzmöglichkeiten In der Theorie sehr gut anhören aber in der Praxis leider noch zu oft fehlschlagen und für herbe Enttäuschungen sorgen. Ich denke, die Ursache ist vor allem in der Meta-Ebene zu suchen, also in der Bedienung der Werkzeuge.

    Das Problem ist die Halbstandardisierung der Anwendungen: Nehmen wir an, der Logistikmitarbeiter nutzt zur Problemerfassung ein Wiki (der Standard). Die Formulierung des Problems ist dem Mitarbeiter aber (sinnvollerweise) völlig freigestellt. Die fehlende Motivation, sich für jedes Problem eine Formulierung auszudenken und das Missverstehen durch den Rezipienten führt zu Enttäuschung. Das Ergebnis ist, dass das das System nicht genutzt wird. Der Aufwand für die Problemdokumentation in unserem Beispiel wird schnell größer, als die Verpackung zu drehen, um an den Barcode zu kommen.

    Neue Anforderungen an eLearning-Systeme

    Also ist es im Sinne der Prozessoptimierung wichtig, die Anforderungen in die Schulung von Medienkompetenz einzubeziehen. Die Grundlage der Kompetenzschulung sollte sein, den Umgang mit Social Software zu üben:

    • Formulieren lernen: Damit jemand ein erfasstes Problem versteht und mit dieser Information weiter tätig werden kann, ist die knappe Formulierung des Sachverhaltes ist wichtig.
    • Verstehen lernen: Wie oben gesehen, kann die Prozessoptimierung daran scheitern, dass das Problem nicht ausreichend formuliert ist. Das Verstehen knapper oder unvollständiger Formulierungen ist deshalb ein wichtiger Skill. Man muss lernen, mit einem Sachverhalt umzugehen, der nicht zur Vollendung ausformuliert ist und man muss lernen eigenes Wissen sinnstiftend hinzuzufügen. Dieses Problem ist übrigens auch im bekanntesten Wiki-System, der Wikipedia, allgegenwärtig. Wer einen Artikel anlegt, der nur aus ein, zwei Sätzen besteht, muss mit dessen Löschung rechnen.
    • Auswahl treffen: Schließlich muss die Auswahl des geeigneten Tools geübt werden. Aus einem Pool an social Software, sind nicht alle Tools für jede Aufgabe gleich gut geeignet. Ein Beispiel: Man könnte alle Links zu einem Thema auch in einem Wiki sammeln. Sinnvoller ist für diese Aufgabe ein (social) Bookmarking-Tool wie delicious, weil es für Standards vorhält (Verschlagwortung, RSS-Feed usw.)

    Die regelmäßige Anwendung der genannten Punkte führt hoffentlich dazu, dass sie in Fleisch und Blut übergehen, die Inhalte in den Vordergrund kehren und eine Prozessoptimierung nicht am Verständnis scheitert.

    Problemlösung durch „Liquid Democracy“

    Wir sehen, dass das gemeinschaftliche Lösen von Aufgaben eine wesentliche Rolle für social Software spielt. Neben der Übung zum Umgang, steht eine Weiterentwicklung des Systems ebenfalls im Vordergrund. Für eLearning-Software bedeutet das, jene Software-Lösungen aus der Berufswelt adaptieren zu müssen, um eine realistische Übungsbasis zu schaffen.

    Es gibt einen anderen Bereich in unserer Gesellschaft, der sich momentan mit ähnlichen Fragen quält und vielleicht eine Lösung parat hat: die Politik. Wie schafft man es gemeinschaftlich ein Problem zu formulieren, anschließend eine oder mehrere Lösungen zu entwickeln und schließlich über die beste Lösung abzustimmen? Es ist möglich. Und das Kind hat auch schon einen Namen: Liquid Democracy (1, 2). Die Piratenpartei ist derzeit dabei, ihre Parteistruktur auf dieses System umzustellen.

    Grundlage von Liquid Democracy ist eine Software und die Annahme, dass eine (demokratische) Basis existiert, die kollaborativ agiert. Sie arbeitet gemeinsam an mehreren systematisch zusammenhängenden Mini-Wikis: Ein Wiki für das Problem, mehrere Wikis für die Lösungsansätze und schließlich ein Votingtool, welches über die Lösung abstimmt. Ein Beispiel für Software, die sich etablieren könnte, ist adhocracy.

    Wäre es nicht sinnvoll ein eLearning-System zu schaffen, in dem liquid-democracy-Software die Kernfunktion darstellt? Berufsvorbereitend wäre es. Aber vermutlich verträgt sich das mit unserem derzeitigen Bildungssystem noch nicht.

    Der Umkehrschluss: Neue Anforderungen an Lehrinhalte

    Wie realitätsfremd das überwiegend in Deutschland existierende Bildungssystem ist, wird einem jetzt mal wieder deutlich. Der Methode des problemorientierten Lernens, die wir hier im Prinzip verfolgen, haben sich eine Reihe von Pädagogen angenommen. Leider ist mir diese Methode in meinem Lern- und Prüfungsalltag bislang selten begegnet. Solange wir mit dem System „Bulimielernen“ offensichtlich leben können, müssen wir wohl weiterhin mit schlechten eLearning-Systemen vorlieb nehmen.

    Fazit

    Wir haben eLearning-Systeme, die sich der heutigen Lernsituation anpassen. Es werden Inhalte vorgekaut, wir speichern diese und geben sie in Prüfungen wieder. Die meisten Systeme sind nur elektronische Dokument-Verteil-Software. Was wir aber brauchen, sind Lösungen, die kompatibel sind mit dem Social Media-Alltag der Zukunft. Das bedeutet, wir brauchen Plattformen, mit denen wir kollaborativ Problemlösungen entwickeln, um den Umgang damit zu üben.

    Ein möglicher Ansatz, um mit Social Software problemorientiertes Lernen einzuführen, wären Tools, die für Liquid Democracy entwickelt wurden. Sie führen einen Minimalstandard ein für den Prozess Problemformulierung, -lösung und Abstimmung. Hierfür müssten sich allerdings auch die Lernstrukturen ändern – wir befinden uns leider in einem Kreislauf.

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  • January 11, 04:56 AM

    Gastvortrag an der TU Ilmenau: Lehre & Praxis

    Vergangenen Donnerstag hatte ich die Ehre im Anwendungsbereich Innovatives Wissensmanagement in Unternehmen (#ABiWM) an der TU Ilmenau einen Gastvortrag zu halten. In dem Seminar entwickeln Bachelor-Studierende der Angewandten Medienwissenschaft im 3. und 4. Fachsemester sowie Master-Studierende ein Konzept zum Einsatz einer Social Media-Plattform in Unternehmen. Für verschiedene Praxispartner werden Usecases formuliert und diskutiert.

    In diesem Rahmen lud mich Seminarleiter Marcel Kirchner neben Jan M. Rechlitz ein, um einen Praxisbericht zu halten. Gefragt waren einige Bemerkung darüber, wie man sich als Medienwissenschaftsstudent eine Basis schafft, um Ideen und Gedankenansätze in die Wirklichkeit umzusetzen und dies anhand der Social Media Schmiede zu erläutern.

    Social Media ist ein bislang vergleichsweise wenig erforschtes Feld. Es gibt kaum verlässliche Aussagen und Definitionen, dementsprechend wird das Thema in der Lehre bislang leider kaum berücksichtigt. Das Studium, insbesondere das Selbststudium, sollte sich dennoch mit der Entwicklung der Medien und möglicherweise bevorstehenden Paradigmenwechseln befassen. Ich begrüße es sehr, dass der Erfahrung von Praxispartnern in der Lehre ein Ohr geschenkt wird und solche Seminare entstehen.

    Die Möglichkeit der Verbindung beider Ansätze – der theoretischen und praktischen – habe ich versucht den Studierenden am Beispiel der Schmiede zu zeigen. Der Antrieb zur Gründung der Schmiede als Spielfeld kam aus dem Studium. Wenn meine Botschaft angekommen ist, dann wissen die Teilnehmer (und Streamzuschauer) jetzt, dass man in der verschulten Bachelorlehre nicht erst auf dem Tag warten sollte, an dem einem Social Media erklärt wird.

    Das Feedback war positiv. Schon während des Seminars entstand eine rege Diskussion auf die in den Raum geworfene Frage “wie werden Medien sozial?”. Angelehnt hatte ich mich hier an Stowe Boyd, der in seiner Keynote beim ConventionCamp 2009 in Hannover dieselbe Frage diskutierte. Eine echte Abgrenzung und Definition fällt noch sehr schwer – auch in wissenschaftlichem Kontext gibt es hier keine konkrete Antwort. Ich versuchte die Annäherung über die Frage “Was ist Social Media nicht?”. Die Diskussion wurde konkreter und es kamen konstruktive Beispiele auf, die den Begriff greifbarer machten. Demnach ist Social Media offenbar kein Tool, keine Kampagne und kein Hype. Die Auseinandersetzung mit dieser Frage werde ich zu einem späteren Zeitpunkt hier noch mal aufgreifen.

    Die erfreuliche Resonanz auf den Vortrag spiegelte sich auch abends zum MediaCampus Social Media Stammtisch #2 wider, an der erfreulich viele Personen – neben Jan und mir – teilnahmen.

    Feedback gab es auch in den Blogs von:

    Ich freue mich auf weitere Diskussionen in ähnlichem Rahmen!

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  • bin ein BRANDUNGSKIEKER,

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