Public Affairs, Techie, guter Freund, Filmfreund... und die letzte Hoffnung der Sozialdemokratie
Bild: Lisa Kaup
Keine große Erklärung, nur als Einstieg folgendes:
Ein Jahr ist es bald her. Vieles hat sich verändert, einiges ist gleich geblieben und weniges wird bereut. Der Text der hier folgt, entspringt einem kurzen Email-Austausch mit Lisa (Danke!), ich habe mich entschieden, meinen Teil der Konversation ungekürzt zu veröffentlichen. Denn das fehlte an dieser Stelle noch – ein Abschluss. Ohne Regeln, schlechter Rechtschreibung, Wiederholungen, viel zu privat und mit inhaltlichen Brüchen, aber eins: ehrlich.
ich vermisse: peter, jacob, die gemeinsamen kochstunden mit meinen
mitbewohnern.saufenin der vilhelm kiers bar, tanzen zu grottiger
musik, mit dem fahrrad zur uni runterrollen, und nach zwei stunden
wieder zu quälen. ich vermisse den schnee, die schneeballschlachten,
meine gefühlt angebrochene rippe dabei, ich vermisse das lächeln von
schönen frauen, ich vermisse besonders guillaume, rockband zocken,
kochen,rauchen und saufenmit ihm. ich vermisse den dänischen wind
und irgendwie auch den regen, ich vermisse die langen gänge in der
uni. ich vermisse palles komisches denkorgan, ich vermisse die extrem
schweren englischen texte zu blame avoidance. ich vermisse mein
eigenes kleines reich, meine kleine nasszelle in der ich zu beginn
erstmal meine dusche repariert habe, ich vermisse meinen zersprungenen
spiegel, der mir beim badputzen kaputt gegangen ist. ich vermisse
meine billig-billiger-am-billigsten toaststullen mit salami und käse
in der mikrowelle überbacken und ketchup drauf. ich vermisse american
football gucken bis nachts um 3. ich vermisse die tour of chambers,
ich vermisse die straßengeräusche nachts, durch die ich die ersten
wochen nur mit ohrstöpseln schlafen konnte. ich vermisseneuendie ungewissheit, allein oder nicht allein
aufgeregten sex oder eben
zu sein. ich vermisse das englische dialektwirrwarr und…
(Hier gab es eine zeitliche Unterbrechung von ca. 5 Tagen)
Ich vermisse den Geruch meiner frisch gewaschenen Wäsche, die dank
hochmoderner Waschbar innerhalb von 3 Stunden schrankfertig war. Ich
vermisse wie ich irgendwann netto und fotex-tüten für die wäsche
nehmen musste, weil mir irgendein Depp meinen Ikea-Wäschebeutel
versaut hat. Ich vermisse den Blick auf der Fahrt zur Waschbar in
Guillaumes Zimmer, ob er denn da ist.
Ich vermisse den Sandstrand und dass ich insbesondere die
englischsprachigen Freunde immer wegen ihrer mangelnden Fahrkünste
auslachen konnte, genauso wie die staunenden Blicke wenn ich den Berg
beim Aros Museum mit Beifahrer aufm Gepäckträger hochradelte. Ich
vermisse meine warme Felljacke, die ich irgendwann später in
Deutschland wieder verloren habe.
Ich vermisse das arschteure Fotex, die Hot Dogs in der Stadt für
himmelschreiende fünf Euro. Ich denke an den allerersten Abend in der
“Herr Bartels”-Bar zurück, in der ich Gary, Guillaume usw
kennengelernt habe.
Ich vermisse das gemeinsame Dienstägliche Kochen, mein “Gefühl für die
Pfanne” Ich vermisse die superinteressanten Gespräche über Religion
und Menschlichkeit mit Maryam, ihren “Zuckerbrot und Peitsche”-Stil
beim kochen Anleiten. Ich vermisse mein quietschendes Bett und meinen
arschkalten Mini-Flur.Ich vermisse das Gefühl, weit weg von zuhause zu sein – frei und ohne Verpflichtungen. Nur ich zähle. Nichts und niemand anderes.
Bild: Lutz Mache | CC
Und es geht Schlag auf Schlag, heute morgen habe ich die zweite mündliche Prüfung hinter mir gelassen. Ich hatte diesmal mehr Glück und bin mit einer sehr zufriedenstellenden Leistung nach Hause gefahren. Damit ist Seminar Nummer zwei abgeschlossen und es wartet nur noch eine Hausarbeit zum Thema “Dissatisfaction with Democratic Politics – Dealing with Populism” auf mich.
Das zu prüfende Seminar war ein wenig anders aufgebaut als mein “Blame Avoidance”-Seminar, es lässt sich auch kaum bestreiten, dass es einfacher war. Das hat verschiedene Gründe:
Thema des Seminars war das politische System Dänemarks mit einem besonderen Fokus auf den Wohlfahrtsstaat skandinavischer Natur: “Danish Politics and Welfare in Comparative Perspective”. Die beiden Professoren Palle Svensson und Carsten Jensen haben sich bei dem Seminar die Klinke in die Hand gegeben. Palle Svensson leitete die ersten Sitzungen mit Einführungen in Demokratietheorien (Lijphart, Dahl), Erläuterungen über das Parteiensystem und Regierungsbildung. Carsten Jensen führte dann in aktuelle Themen auf der politischen Agenda in Dänemark ein: Immigration, Wohlfahrtsstaat, EU-Integration.
Während des Semesters mussten wir drei Essays mit je zwei Fragen zu den vorher im Seminar diskutierten Themen schreiben (jeweils 2000 Wörter). Diese wurden nicht bewertet, dennoch lag die Motivation ein gutes Essay zu schreiben relativ hoch, weil die mündliche Prüfung am Ende des Semesters (also heute) auf diesen Essays beruhte. Ich stelle meine drei Essays mal hier zu Verfügung:
1.) Konsensdemokratie und Demokratieentwicklung
2.) Erdrutschwahl 2001 und Reduzierung des Wohlfahrtsstaats
3.) Immigration und EU-Skeptizismus
Was ich noch lobend erwähnen wollte: Die 15-minütige Pause in jedem Seminar. Hilft, den Kopf freizubekommen und auch Struktur im Seminar zu behalten. Seeehr angenehm.
Da ich durch dieses Seminar also einen guten Einblick in das politische System Dänemarks bekommen habe, hier noch ein paar Punkte zum Mitnehmen:
Bild: Lutz Mache | CC
Noch knapp eine Woche und ich befinde mich wieder in heimatlichen Gefilden. Bis dahin ist noch jede Menge zu Tun, von organisatorischen Dingen wie Auszug und Bankkontoauflösung bis zu tränenreichen Abschiedsfeiern. Achja, und Seminare abschließen.
Gesagt, getan: Gestern habe ich Seminar Nummer 1 mit einer mündlichen Prüfung abgeschlossen: “Administration, Politics, and Blame Avoidance Strategies”. Selbstverständlich war die Unterrichtssprache im Seminar Englisch, genauso wie die anderen beiden Seminare auch. Die Auswahl an englischen Seminaren ist hier in Aarhus größer als in Potsdam, was unter anderem auch am Aufbau des Masters liegt. Jeder Masterstudent* der Politikwissenschaften muss mindestens ein englischsprachiges Seminar absolvieren.
Geleitet wurde das Seminar von Peter Bjerre Mortensen, einem verhältnismäßig jungen aber überaus engagiertem Professor, der erst kürzlich (2008-2010) ein Forschungsprojekt des “Danish Social Science Research Council (FSE) zum Thema “Delegation and blame avoidance” betreute. Somit konnten wir im Seminar auf neueste Forschungsergebnisse zurückgreifen und auch Prof. Mortensen hat weiterhin Anregungen aus dem Seminar in seine Arbeiten mit einfließen lassen.
Trotz meiner – zumindest laut Studienordnung – knapp 300 Stunden Arbeitsaufwand für dieses Seminar fällt es mir immer noch schwer, das Thema des Seminars in ein verständliches Deutsch zu übersetzen, ich bemühe mich dennoch einmal:
Politiker sind in der Regel motiviert, wiedergewählt zu werden. Es sei denn, sie heißen Peter Struck und sehen ihrem Altersruhestand entgegen. Wesentlich beeinflußt wird das Wählerverhalten durch das Ansehen und den Status eines Politikers. Um dieses Ansehen zu verbessern, nutzen sie in der Regel jede Möglichkeit um sich gut darzustellen und für jede “gute”, populäre Maßnahme die Verantwortung zu übernehmen. Das Gegenteil: Blame Avoidance.
Blame Avoidance – “Schuld Vermeidung”. Die wortwörtliche Übersetzung klingt ein wenig ungelenk, trifft aber schon sehr gut den Kern des Ganzen. Es geht in erster Linie also um verschiedene Strategien und Möglichkeiten, wie Politiker (und indirekt auch Institutionen) bei unpopulären Maßnahmen Schaden an ihrem Ansehen vermeiden können. Oder so. Theoretisch grundlegend dazu: Kent Weavers “The Politics of Blame Avoidance” von 1986, der einen “negativity bias” unter den Menschen ausgemacht hat: Den Leuten wird immer grundsätzlich mehr in Erinnerung bleiben, was ihnen angetan wurde, als was für sie getan wurde. Negatives wird stärker wahrgenommen als Positives.
Im Laufe des Seminars haben wir uns über Präsentations-, Inhalts- und Delegationsstrategien unterhalten, jeweils unterfüttert mit neuesten empirischen Ergebnissen aus der Verhaltenspsychologie und Medienanalysen. Eine kleine humoristische Kostprobe:
“Circle the wagon” – Bemühe dich, bei kontroversen Entscheidungen eine breite parlamentarische Mehrheit hinter dir zu vereinen.
“Find a scapegoat” – Suche einen Sündenbock!
“Damn lies and statistics” – Frei nach Churchill, “Traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast”.
Aufgrund seiner starken theoretischen Ausrichtung und den mitunter staubtrockenen Statistiken (SPSS-Grundkurs, Hellyeah!) war es mein schwerstes Seminar, zumal ich es leider nicht in Potsdam anrechnen lassen kann. Die Prüfung habe ich mir dennoch nicht nehmen lassen, hatte jedoch leider Pech bei der Themenwahl, bin deswegen aber nicht durchgefallen. Interessantes Detail bei allen Prüfungsleistungen hier: Es gibt immer einen externen Gutachter, unabhängig von der Prüfungsform. Notengebung nach Nase gibt es hier also nicht, bzw. unter erschwerten Bedingungen.
Meine gesammeltes (unvollständiges!) Script zum Lernen für die Prüfung kann hier heruntergeladen werden, die Seminarbeschreibung inklusive Literaturliste ist auf der Homepage der Uni zu finden.
*Um die Lesbarkeit zu vereinfachen, wurde in diesem Text der generische Maskulin verwendet. Man sehe es mir nach.
Bild: Lutz Mache | CC
Einen fröhlichen ersten Advent und eine besinnliche Weihnachtszeit. Hier sind alle auf Kerzen, Tannenbäume und Gebäck eingestimmt, auch die Küche ist selbstverständlich geschmückt. Ein Novum bleibt: Der Christstollen ist bereits alle, dieses Jahr also kein Stollen zum 1. Advent. Muss ich wohl nochmal ran…
Bild: Lutz Mache | CC
Schon wieder Koch-Content, aber was solls, ich kann sehr wohl stolz sein. Das Bild ist der Beweis meines allerersten Christstollen-Wagnisses. Es hat noch Potenzial nach oben, aber ich bin dennoch stolz, was ich da geschaffen habe. Er war leider zu feucht, sodass er am Boden verbrannt ist und weiter oben eigentlich noch ein paar Minuten im Ofen verbringen hätte können. Wenn man jedoch den verbrannten Boden abschneidet, schmeckt er hervorragend und ist auch nicht zu trocken. Vielleicht noch eine Spur zuviel Lebkuchengewürz.
Zwischendurch habe ich den bearbeiteten Teig vor lauter Freude einen “Prachtkerl” genannt. Weil wir hier in der Küche auch gern landestypische (Sprach-)Eigenheiten austauschen, kamen wir bald zu folgender ähnlichen dänischen Redewendung: Genau wie heute noch in Indien war es den Dänen früher lieber, wenn sie Jungen statt Mädchen als Nachwuchs bekommen. Man(n) muss ja schließlich den Wikingernachwuchs sichern. Jeder männliche Sprössling wurde daher als Gewinn einer “Goldmedaille” bezeichnet, während Mädchen nur einen “Silbermedaille”-Gewinn darstellten. Ganz fiese Zungen sprechen heute noch davon, dass männliche Neugeborene mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung eine “Silbermedaille” sind.
Im Übrigen war der Stollen Teil eines riesengroßen Thanksgiving-Dinners mit 2 gebratenen Puten, 8kg Kartoffeln und jeder Menge Beilagen. Das führte dazu, dass die prallgefüllten Bäuche der Dänen noch eine deutsche Spezialität kennenlernen durften: den “Absacker”. Selten zuvor habe ich auch einen so nötig gehabt.
Bild: Lutz Mache | CC
Eine merkwürdige Angewohnheit hat sich hier eingeschlichen. Mein Gesundheitszustand ist offenbar abhängig von der Verfügbarkeit eines ganz bestimmten äußerst schmackhaften kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränks.
Zur Erläuterung: Ich bin bereits das dritte Mal innerhalb der letzten 4 Monate krank gewesen. Mit der Zeit ein wenig lästig, aber ich habe es überlebt. Und neuesten medizinischen Erkenntnissen zufolge ist das wohl sogar Ausweis einer überaus gesunden Körperabwehr. Meistens ist mein Hals und Rachen betroffen, sodass ich hektoliterweise Tee mit Honig trinke und in der Zeit auf eines meiner Grundnahrungsmittel verzichte: Coca-Cola. Wer mich kennt, weiß von meinem nahezu innigen und durch Suchtanzeichen geprägten Verhältnis zu dieser Köstlichkeit. Meine Tagesbedarf ist jedenfalls – gelinde gesagt – weit über dem Durchschnitt.
Umso überraschter und vor allem erfreuter war ich daher über eine Institution in meinem Wohnheim, die eher aus der (finanziellen) Not heraus geboren ist. Einmal im Monat fährt Jakob, der Einzige auf dem Flur mit einem Auto, über die Grenze nach Deutschland und kauft palettenweise (siehe Foto oben) Dosengetränke ein – in der Regel Sprite, Fanta und eben Coca-Cola. Dazu selbstverständlich noch größere Mengen Bier und Cidre. Desweiteren noch kleinere Snacks, die wie alle anderen Sachen deutlich billiger als in Dänemark sind. All das wird dann auf dem Flur gewissermaßen “weiterverkauft”, was in der Praxis so aussieht, dass sich jeder etwas nimmt – zum Beispiel täglich mehrere Cola-Dosen – und auf einer Liste vermerkt, die am Monatsende abgerechnet wird.
Trotz der mehr als vierstündigen Fahrt hin und zurück lohnt sich die Tour. Am besten zeigt es sich an den Coca-Cola-Preisen. Die 0,33l-Dose wird auf dem Flur also für 5 Kronen (67 Eurocents) gehandelt = Einkaufspreis + Transportkosten + vermutlich noch ein kleines Taschengeld für Jakob
Im Netto nebenan bezahle ich für dasselbe Produkt 7 Kronen (94 Eurocents).
Seitdem ich hier bin, muss Jakob immer noch ein bisschen mehr Cola holen. Das ist leider manchmal nicht genug und es setzt eine sprichwörtliche Durststrecke bis zu seiner nächsten Fahrt ein. Just in diesen entbehrungsreichen Tagen werde ich krank und pünktlich mit der nächsten Lieferung gesund. Beängstigend, ich weiß. Kommen wir zum Fazit:
Und die Moral von der Geschicht’? Vergiss dem Lutz seine Cola nicht!
Bild: Lutz Mache | CC
Ich wurde gestern von einer Amerikanerin gefragt, was ich am meisten an Berlin vermisse. Ich habe darüber schon einmal nachgedacht und konnte daher recht schnell antworten: “Das Essen.” In Berlin ist es prinzipiell kein Problem mal schnell irgendwo einen Döner, gebratene Nudeln oder eine Pizza oder irgendwas sattmachendes für zwei bis drei Euro zu bekommen. Ganz im Gegensatz zu Dänemark. Unter vier bis fünf Euro kommt man nicht an einen Schnellimbiß und die Portiönchen reichen für meinen hungrigen Magen bei weitem nicht aus. So kommt es, wie es kommen muss: Selber kochen ist angesagt!
Das funktioniert auch erstaunlich gut, selbst während der zwei Jahre in meiner Ein-Raum-Wohnung habe ich nicht so viel gekocht und habe daran sogar in Maßen gefallen gefunden. Entgegen kommen mir die hier schon angesprochenen Dinner-Dienstage im Wohnheim, da bleibt kein Geschmacksnerv unangetastet! Als Austauschstudent bin ich jedoch mehr oder weniger gezwungen “heimische” Küche zu präsentieren, was bisher zu folgenden Kocherfolgen führte: Kasseler mit Sauerkraut und Kartoffeln; Schnitzel mit Kroketten, Salat und Sauce Hollandaise (in bester Zusammenarbeit mit meiner deutschen Nachbarin Katharina); Selbstgemachte(!) Kartoffelpuffer mit Apfelmus.
Kommenden Dienstag verschlägt es meine Kochkünste jedoch in eine ganz andere Richtung: Es wird afghanisch gekocht! Ich habe mich mit meiner dänisch-afghanischen Mitbewohnerin Maryam darauf geeinigt, dass wir gemeinsam am Dienstag kochen. Sie ist relativ selten bei den Dinner-Dienstagen dabei, da sie als gläubige Muslimin in der Regel unsere Gerichte aus religiösen Gründen nicht essen kann. Ihre Eltern sind im Afghanistan-Krieg gegen Russland nach Pakistan geflüchtet, wo sie dann auch geboren wurde, um schließlich vor 20 Jahren in Kopenhagen zu landen. Sie studiert jetzt Medizin hier in Århus und ist mit einem Afghanen verheiratet, der aber wegen der restriktiven dänischen Aufenthaltsbestimmungen noch für einige Zeit in Afghanistan bleiben muss, bevor er in Dänemark einwandern kann.
Und so kommt es auch hier, wie es kommen muss: Heute morgen (Sonntag!) um zehn Uhr sind wir zum Bazar West gefahren und haben uns mit den Zutaten für Dienstag eingedeckt: Karotten, Mini-Gurken (die sind wohl süßer), Auberginen, Chili-Schoten (ganz wichtig für afghanisches Essen), Reis, Joghurt, Rinderfilet, etc. Jedenfalls gibt es eine kleine Auswahl an afghanischen Speisen mit gesüßtem Reis, Hühner- und Rindfleisch sowie Salat. Und selbstverständlich Kuchen im Anschluss. Der Basar West liegt – nomen est nomen – im Westen von Århus, in einem Viertel mit sehr hohem Migrantenanteil, insbesondere aus muslimischen Ländern. Ich war leider erst das erste Mal dort, die Atmosphäre und die Aufmachung haben mich jedoch gleich gefangen. Wir haben fast überall großzügige Rabatte erhalten, obwohl es für dänische Verhältnisse schon spottbillig war, und wertvolle Tipps für die Zubereitung unserer Speisen bekommen. Ich werde wohl noch öfter vorbeischauen.
Und damit sich das Lesen bis hierhin auch noch gelohnt hat, hier noch zwei interessante Dinge, die ich heute gelernt hab und die ich, wenn es hier nicht aufschreiben würde, wohl vergessen werde:
1.) Mancher Orientspezialist kennt womöglich die Grußformel “salam ‘alaikum” (oder auch laut Wikipedia “as-salāmu ʿalaikum”) was in etwa “Friede sei mit dir!” bedeutet. Ich dachte immer, dass die gängige Antwort dementsprechend auch “salam ‘alaikum” wäre, tatsächlich wird jedoch vertauscht geantwortet: “wa ‘alaikum salam” (bzw. Wikipedia:”wa-ʿalaikum as-salāmu”) was dementsprechend “Und mit dir der Friede!” bedeutet. Es ist ein kompliziertes Regelwerk wie Muslime mit Nicht-Muslimen und umgekehrt bei dieser Grußformel umgehen, die vorangegange Google-Suche war dementsprechend sehr erhellend und ist an dieser Stelle zu empfehlen.
2.) Hochzeiten in Afghanistan können mitunter sehr lang sein, fünf Tage Feiern ist der Standard. Besonders beeindruckt an Maryams Hochzeit hat mich, dass die eigentliche Trauung einen Tag vor dem Hochzeitsfest stattfand, aufdemselbigen wurden dann alle Verwandten und insbesondere arme Nachbarn aus der Umgebung eingeladen, um Ihnen die Möglichkeit zu geben, sich auch einmal den Bauch vollzuschlagen. Also statt Geschenke in Empfang zu nehmen, wurden Geschenke verteilt.
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Heute ist der 05. November, der erste Donnerstag im Monat November. Ein Tag, der alljährlich die Menschen in Dänemark auf die Straße treibt. Ein Tag, an dem die dänischen Sicherheitsbehörden ihre höchsten Einsatzzeiten zu verzeichnen haben. Nein, wir sprechen hier von keiner politischen Demonstration a lá Stuttgart21 oder ein Rosa-Luxemburg-Gedenkmarsch.
Der 05. November ist ein Tag, an dem man die dänische Kultur näher unter Augenschein nehmen kann: Alljährlich kurz vor Weihnachten bringt die Brauerei Tuborg ihr “Julebryg” – ihr Weihnachtsbier – heraus. Um Punkt 20:59 brechen hier alle Dämme, wenn der Legende nach die Weihnachtsfeen mit dem vollbeladenen Julebryg-Truck vorfahren und die Weihnachtszeit einläuten (so oder so ähnlich wurde es mir heute unter erschwerten Artikulationsbedingungen erläutert). Das Julebryg ist kräftiger als normales Bier und mit “weihnachtlichen Gewürzen” versehen. Noch bis vor ein paar Jahren wurde der J-Dag an einem Mittwoch gefeiert, was jedoch zu vermehrten Unterrichtsfehlzeiten am Donnerstag führte, daher einigten sich der dänische Brauereiverband und Tuborg auf einen Freitag als Veröffentlichungstermin.
Das alles ist offenbar mit unserem Glühwein auf Weihnachtsmärkten zu vergleichen. Ich werde es wohl mal probieren, da ich jedoch erklärter Bier-Nicht-Trinker bin, wird sich mein Konsum wohl auf ein Minimum beschränken. Wer es jedoch in Deutschland gern einmal probieren möchte, dem bringe ich gern eins mit!
Bild: Lutz Mache | CC
Heute morgen habe ich mein Ticket zurück nach Deutschland gebucht. Am Sonntag, den 19.12. werde ich Århus verlassen, dann habe ich exakt 144 Tage im Ausland verbracht. Mit dem heutigen Tag sind es dann 99.
Ein Bergfest habe ich nicht gefeiert, aus zweierlei Gründen: 1.) Ich habe es nicht einmal mitbekommen und 2.) Ich will hier eigentlich gar nicht weg. Århus ist mein zuhause geworden, hier habe ich (neue) Freunde (keine Sorge an all die “alten” – ein Gruß an dieser Stelle!) gewonnen, hier habe ich es mir gemütlich gemacht, hier ist mein derzeitiger Lebensmittelpunkt. Es gibt wahrhaftig nur ein einziges Problem: das liebe Geld. Der ganze Spaß hier hat mehr gekostet als gedacht, daher bin ich finanziell auch froh, wenn ich wieder in Berlin bin.
Dennoch hier ein kurzer 100-Tage-Gesamteindruck, den ich in den nächsten Tag einzeln noch näher beschreiben möchte:
Zimmer – Was braucht mensch mehr? Ein Zimmer mit Schreibtisch, Bett, Regal und Kleiderschrank, dazu eine eigene kleine Naßzelle. Ich habe mich sehr schnell daran gewöhnt, hatte bei einem Blitzbesuch in Berlin schon Probleme mich in der alten Wohnung zurechtzufinden. Mit der Straße habe ich mich mittlerweile auch arrangiert, wenn ich nur spät genug ins Bett gehe, fahren keine Autos mehr und ich kann “in Ruhe” einschlafen.
Mitbewohner – Die ersten (Fie, Mads und Karen) musste ich bereits leider verabschieden – bei der Zahl an Mitbewohnern bleibt Fluktuation nicht aus. Ich habe mich aber schnell mit allen angefreundet, diverse Festlichkeiten sind dafür bestens geeignet. Jeden Dienstag wird gemeinsam gekocht, d.h. 2 kochen und der Rest muss danach abwaschen. Spannende Einblicke in verschiedene Esskulturen garantiert!
Uni – Anstrengender als gedacht. Drei Seminare absolviere ich hier, ein Pflichtseminar über das dänische, respektive skandinavische System, ein Seminar zum Thema Politikverdrossenheit und ein Seminar zum Thema “Blame Avoidance” (ich hab bis jetzt noch keine ansprechende deutsche Übersetzung gefunden, liefere ich nach!). Alle Seminare sind erstklassig und qualitativ sehr wertvoll. Ideale Bedingungen, was sowohl Seminargröße als auch Ausstattung sowie Lehrpersonal betrifft. Dazu später mehr.
Freizeitgestaltung – Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass hier nicht mitunter ausschweifende Festivitäten stattfinden. Ich habe selbstverständlich viel Spaß, erstaunlich viele Themen- und Kostümpartys, aber auch dazu später mehr.
Erkenntnisgewinn(e) – Mehr als ausreichend. Menschlich, kulturell, sprachlich, etc. war es bisher eine einmalige Erfahrung. Das hätte ich so nicht erwartet.
Ich würde gern länger bleiben, aber das Geld als auch mein Studium machen mir organisatorisch einen Strich durch die Rechnung. Deshalb, auf die letzten 45!
Ich versuche seit 4 Wochen einen neuen Blogeintrag zu schreiben. Seit fast 2 Wochen steht auch schon der halbe Text für einen Artikel über mich und meine persönlichen Werdegang. Dennoch: Ich werde nicht fertig; bin unzufrieden mit der Struktur, dem Satzbau und im Prinzip mit dem ganzen Inhalt. Es ist schwer aufzuschreiben und zusammenzufassen, was die letzten Wochen geschehen ist. Die Uni ist super, die Seminare sind superanstrengend, die Wochenenden sind dafür umso weniger produktiv. Die Dänen sind immer noch ein lustiges Volk (demnächst mehr dänische Eigenheiten). Und wie gesagt: Auch bei mir hat sich einiges getan.
Ich werde weiter an den nächsten Artikeln arbeiten, schließlich soll der Spaß hier ja auch eine Art Rückversicherung für mein Gedächtnis sein. Soviel sei verraten: Es ist und bleibt großartig hier!
[Reposted from straycat]
The random Conservative mindset never needs consistency.
[Reposted from abaldwin360 via krekk]
flower exposed to radiation from Fukushima nuclear facility Japan
This post has been featured on a 1000notes.com blog.
Semi Transparent Oranges (oranges will match colour of your blog)
Made by Totally Transparent
You see the weirdest things at parks in LA. This guy was bench-pressing this goose for ten minutes.
[Reposted from lukanoir via coloredgrayscale]
Alle Partei- und Fraktionsvorsitzenden der SPD.
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