"...der Weg führt über Golgotha." (Herse)
jeder clevere unterhalter weiß: es gibt kaum eine schnellere methode, sich ins abseits zu befördern, als sich grundsätzlich zu verändern. radikale umgestaltung? interessiert nur die kritiker. doch ein relevantes publikum ist viel zu träge, eine echte innovation mitzutragen. thomas winkler in “umagazine” 05/2008
es wird eine gruppe geben, die sich perfekt verjüngt, eine andere, die sich nur smart optimiert und schließlich eine, die offensiv altert und dazu steht, daß sie falten, tränensäcke und altersflecken hat. corinna langwieser in “galore” september 08
jedes jahrzehnt hat sein dummdeutsch, unseres ganz besonders. eine ganze armada merkbefreiter wortvermüller walzt die sprache platt. matthias wagner in “umagazine” 05/2008
der jazz verweiblicht zusehends. er besetzt die spa-hotels, räkelt sich in kuschligen kaschmir-pullovern und durchspült die charts als milchgeschäumte schmuse-compilation. früher war jazz herausforderung, innovation, risiko und kraftakt. der “female jazz” von heute erinnert an eine heimstrickarbeit, an eine kreative freizeittherapie, den groove einer müttergruppe. rainer wein in “jazz zeitung” 3-08
beat: was macht für dich den reiz von vintage-instrumenten aus?
dirk: es ist die kombination aus haptik, limitierten möglichkeiten und das gefühl, alles sofort kontrollieren zu können - zusätzlich zum klang natürlich. die damalige wärme und ungenauigkeit im sound sind einfach nicht zu imitieren.
dirk krause, kopf des duos dkdent in “beat” 01/2009
die sarkastische dekadenz dieser musik beeindruckte uns wie schon lange nichts mehr. sie drückte genau die stimmung aus, die uns alle ergriffen hatte: eine nostalgische wehmut über verlorene illusionen und eine krankhafte freude an den trümmern, die nun zum glitzernden showbusiness aufpoliert wurden. über david bowies “ziggy stardust”
das in den sechziger jahren so wichtige leitmedium “musik” hat sich mittlerweile in ein lightmedium verwandelt. beliebigkeit ist trumpf. aus dem raren rohstoff musik ist eine allgegenwärtige, nichtssagende soundtapete geworden. adrian wolfen in “jazzthetik” 10/2007
sie wären gerne eine kritische masse, engagieren sich auf ihren blogs gegen vorratsdatenspeicherung, sie wollen nicht als ziel für werbung herhalten, und wenn ein medienkonzern kostenlos ihre texte abgreifen will, dann fühlen sie sich betrogen. alles andere, ihre gefühle, ihre erlebnisse, ihre freunde, ihr leben, vertrauen sie gedankenlos firmen an, die umfassende datensätze über sie besitzen, besser als alles, was die gestapo und die stasi je hatten. rainer meyer alias don alphonso in “umagazine” 04/2008
es gibt immer die tendenz, etwas zu vereinfachen. wir aber wollen den vollen sound, quadro-surround-dolby mit feedbacks und overlays. adam szymczyk in “monopol” 4/2008
wie konnte etwas so flüchtiges wie bewußtsein, etwas so konkretes wie das gehirn entstehen lassen? und warum war es notwendig, daß es das tat? craig hamilton in “what is enlightenment?” 17/2005
du kannst die wahrheit nicht verstehen. du kannst sie nicht haben. du kannst sie nicht einmal wollen. du kannst sie nur sein. und du bist sie schon. adima brigitte strathus in “sein” 2/2006
comedy-nachwuchsportale sind eine weitere nutzlose ausprägung des web 2.0! achim rohde in “kulturnews” oktober 2008
gene clark war ein herzensguter mensch, der so lange in jeden rechten haken reinlief, bis er irgendwann ausgezählt war. chris hillman im “rolling stone” 09/08
kult ist oft nostalgie. und nostalgie ein anderes wort für wehmut.bodo mrozek im “tagesspiegel” 29.06.2006
…auf dem vokal “e” von “nessun” schwankt die stimme. das vibrato auf dem dritten vokal, dem “o” von “dorma”, ist nur schwer zu ertragen. da potts in weiche konsonanten keine stimmkraft legen kann, betont er das “d” von “dorma” so stark, daß es zu einem argen, die linie zerstörenden “t” wird. für die wiederholung der worte “nessun dorma” fehlt ihm die von puccini verlangte tiefe. … die stimme wabert im niemandsland der emotionslosigkeit herum, es fehlt ihr an halt und potts’ kunst an reflexion: kunst entsteht im kopf und kann erst dann zu herzen gehen. so unterscheidet sie sich vom kitsch. … er schafft es kaum, vier silben unter denselben atem zu bringen; raffinierte dynamische steigerungen gibt es nicht. die artikulation ist schlecht, potts’ italienisch übel. auf dem “o” kurz vor dem “c” in “bocca” überschlägt es ihm wegen seines enormen vibratos die stimme. beim zweiten “vincero” ist das “o” zu tief, beim dritten verliert das “e” mitten im crescendo an höhe.
christian berzins über paul potts in “die weltwoche” 40/2008damit reagiert “bro” auf eine sinnkrise der westlichen welt, die an das ende ihrer zukunftsentwürfe gekommen ist und ratlos auf hilfe von außen spekuliert.aus “bro” von vladimir sorokin
…und die deutsche fahne bleibt doch stets mehr winkelement als nationalsymbol.jana scheerer in “bücher” sonderheft 2006
wir (anm.: deutschen) sind hervorragend in der lage, alles richtig zu machen und dabei alles richtig scheiße zu finden (und auf alles zu schimpfen).
juli zeh in “bücher” sonderheft 2006gesprochenes deutsch wirkt immer vernünftig, nie charmant (außerdem zischt, klackt, nasalt da nichts extravagant). ich mag diesen distanzierten, geradlinigen ton.
que du luu in “bücher” sonderheft 2006