Menschen am Sonntag // Robert Siodmak, Edgar G. Ulmer, Billy Wilder & Fred Zinnemann, 1930.
Bücherkisten-Post von Quitzi vom Groben Unfug, also quasi aus diesem Internet erhalten und gleichzeitig Mitglied einer Taskforce werden: Check. Dazu kommt ein totaler Routerausfall am Anfang eines langen Wochenendes und die gedrosselte Flatrate kurz vor Monatsende, so dass ich nun sogar mehr Zeit als erwartet für dieses kleine Sonderprojekt habe:
Im Vorfeld zweifelte ich doch ein wenig, ob ich – mit zwei zur Zeit stark pubertierenden Geschöpfen gesegnet – für Quitzis Vorhaben die Richtige bin. Doch, doch, muss ich jetzt sagen, nachdem ich mir die Zeit genommen habe, die sechs Bände der neuen Kindercomic-Reihe des Reprodukt-Verlags genauer anzusehen.
Sehr spannend war für mich, dass mein jüngerer Werwolf sich gänzlich unaufgefordert zu mir gesellte und zusammen mit mir auf einen Schlag fünf Comics durchlas, sehr viel giggelte und sichtlich Spaß hatte
Dass die Auswahl insgesamt schon sehr klasse gemacht ist, war für mich schon auf den ersten Blick und das allererste Durchblättern klar. Das sind liebevoll ausgestattet Bände und alle ihr Geld wert (von 8,- bis 18,-€). Hinter den verlinkten Überschriften zu jedem Band findet Ihr “Lese”-Proben – also einige Seiten zum Ansehen, die schon einen sehr guten Eindruck vom jeweiligen Stil geben:
Von den drei Bänden für die Nichten und Neffen so um die drei Jahre hat mir Mouk – Helden der Pedale am besten gefallen: Die drei Freunde Mouk, Schawapa und Popo machen eine Fahrradtour, auf der so gut wie alles schief geht, verkrachen und vertragen sich.
Besonders trickreich um auch die Erwachsenen bei der Stange zu halten (Beim kleinen Maulwurf bin ich im Kino regelmäßig eingeschlafen, trotz allergrößter Verehrung) sind die vielen Gimmicks, die im Hintergrund versteckt sind: Wie viele Tiere (und was für welche :) haben sich denn bitte da im Kirschbaum versteckt? Andere Tiere sind – ähnlich wie die Schildkröte bei Petzi oder die Mucklas bei Pettersson und Findus – durchgehend parallel auf einer zweiten und dritten narrativen Ebene zu entdecken und lassen den 14-Seiten-Band sehr viel umfangreicher erscheinen, die Aufenthaltsqualität ist sehr hoch und unterhaltsam.
Die abwischbare Oberfläche gibt dem Band eine spezielle Haptik, die Eltern von Dreijährigen zu schätzen wissen werden.
ist ein reiner Bildercomic, der mir vom Zeichenstil her gut gefallen hat. Auch in dieser Geschichte geht es um ein gemeinsames Abenteuer zweier Freunde: Pelle bekommt bei der Gartenarbeit Unterstützung von Bruno, der einen Superdünger gemixt hat. Das Experiment geht nach hinten los und auch diese Freunde verkrachen sich.
Knuffig sieht er aus, der kleine Strubbel, der draußen in der Welt Abenteuer erlebt, in Gefahr gerät und sich nach seiner Mama sehnt, zu der er nach erfolgreichen Krisenüberwindung wieder zurückkehrt.
Ich bin vermutlich schon etwas zu weit von dieser Altersklasse weg, für Dreijährige sind die beiden Bände sicher ganz prima.
ist ein ähnlich sympathisch trottliger Charakter wie Sponge Bob. Immer mit der besten Absicht handelnd, passieren der Pappkiste die dümmsten Dinger. Die ganze Geschichte – Werkzeugkiste läuft von Zauberer weg, weil sie von ihm nicht gebraucht wurde, schläfert aus Versehen die Eltern seines “Finders” ein: Nur ein Gegenmittel seines Zauberers kann sie wieder wecken, so dass die beiden sich zu einer abenteuerlichen Reise zurück zum Zauberer machen – wird von den beiden Hauptfiguren tapfer und, ja, glaubwürdig durchgespielt. Liest sich sehr lustig weg.
Man sollte sich nicht von der ersten der zwölf Kurzgeschichten über den Schüler Ariol und seine Freunde vom Weiterlesen abhalten lassen. Die war mir zu einseitig Tennislastig. Der Rest ist sehr lustig zu lesen: Die Panik der ersten Verliebtheiten, Klassenstreiche, neue Turnschuhe, das ganze Programm. Dass Ariol ein bebrillter blauer Esel ist, dessen heimliches Vorbild Hengst Heldenhuf heisst und dessen Freundeskreis sich aus sehr menschlichen Schweinchen, Fliegen und Kühen zusammensetzt, irritiert kein bisschen. Meine Lieblingsgeschichte ist “Operation Bankomat” in der Ariol brillant einen Agenten-Thriller inszeniert simuliert.
Doch mir als Leserin hat der letzte Band am allerallerbesten gefallen, sowohl von der Optik als auch von der komplexeren Geschichte her. Märchen trifft auf Liebesgeschichte, Science Fiction meets Spiderwicks meets die Optik von Chihiros Reise.
Den Band jedenfalls gebe ich nicht mehr her. Das Fuchshörnchen, die puscheligen fliegenden Woffel, Hilda selbst (endlich eine weibliche Heldin in dieser Comic-Reihe des Reprodukt-Verlages, die Abenteuer zu bestehen hat!) sind so zauberhaft, dass ich schon sehr gespannt auf die weiteren Bände von Luke Pearson bin.
Der Auftakt der Kinderreihe ist dem Reprodukt-Verlag sehr gut gelungen. Wer mal etwas anderes als Disney und Co sucht, kann hier sehr gute Alternativen finden!
Author: Kixka Nebraska
Liebe Leserinnen und Leser,
dieses ist mein ursprüngliches Blog. Für meine Aktivitäten als ProfilAgentin habe ich eine eigene Webseite eingerichtet.
Bei Interesse bitte hier entlang: www.ProfilAgentin.com
weitere Klicktipps:
Die ProfilAgentin bei Facebook
Meine dritte re:publica, meine erste als Speakerin. Yesss ! Es hat geklappt !
Schon einige Tage bevor ich als Käuferin N° 11 am 17. November mir ein Blogger-Early-Bird für die fünfte re:publica vom 13. bis 15. April 2011 in Berlin sicherte, hatte ich bereits die erste Idee für meinen Vortrag im Kopf.
Nicht ganz zufällig ist mir das Thema abends beim Duschen, direkt nach dem Hamburger Barcamp, eingefallen:
Die Idee ist ein tendenziell feuilletonistischer Vortrag über die Profilbilder einiger exemplarischer “Heldinnen und Helden” der Digital-Bewegung; der deutschen Blog- und Twitter-Szene. Die Wertschätzung bei Twitter in Form von Favsternchen, Retweets und Followern richtet sich nicht auf das Bild, sondern auf die “hinter” dem Bild präsentierte und präsente Wahrheit. Doch nicht nur bei gelungenen Computer-Icons liegt der Vorteil u.a. in ihrem hohen Wiedererkennungswert. Es ist der Versuch einer Analyse der klassischen Vorbilder, Analogien und Entwicklungen, kombiniert mit meinen Assoziationen und Projektionen. Ein wenig To-do und not-to-do für Profilbilder mit einem Exkurs zum Thema Gesichtserkennung ergänzt meinen Vortrag.
Das Ganze ohne Sascha Lobo, einfach, weil es geht ;)
Profilbilder sind für mich ein elementarer, faszinierender Bestandteil der digitalen Kultur, seit Nutzende ihre Identität im Netz auch bebildern können. Die persönliche Auswahl ist von kreativen, strategischen und häufig auch vollkommen planlosen Prozessen begleitet. Das Ergebnis passt mal mehr, mal weniger gut, gelegentlich exzellent. Ich finde es spannend, zu analysieren, was gut funktioniert, obwohl es irgendwelchen “Regeln” widerspricht. Das Zeitalter von Flickr und Facebook beschleunigt die technischer Reproduzierbarkeit auf Überlichtgeschwindigkeit. Eine Folge davon ist die soziale Konstruktion digitaler Identität im Spannungsfeld zwischen Wiedererkennbarkeit und Identitätsschutz.
Um das “ikonografisch” im Titel zu erklären: Ja, ich habe irgendwann einmal Kunstgeschichte studiert – im Vortrag wird aber auch die Dating-Plattform okcupid eine nicht ganz unwesentliche Rolle spielen.
Als ProfilAgentin bin ich seit Ende vergangenen Jahres aktiv, halte Vorträge und begleite alle Prozesse rund um die Profilgestaltung.
Termin: Am Freitag, 15.4.2011 um 15:00 17:00Uhr im Blauen Saal Großen Saal (was weiß ich, wohin das noch verlegt wird, am besten hier checken) in der Kalkscheune
Die Aufzeichnung meines Vortrages gibt es hier.
Falls sich irgendwer gewundert haben sollte, dass es hier etwas ruhiger war: Nein, es hat nichts mit dem um sich greifenden Blogsterben zu tun. Ich bin putzmunter. Allerdings habe ich in den vergangenen Wochen vor allem hinter den Kulissen gearbeitet, das Ergebnis: Die ProfilAgentin.
Kixka arbeitet schon seit einiger Zeit freiberuflich als Agentin und wirft gegen Honorar einen oder mehrere freundlich-kritische Blicke auf digitale Profile. Wen das genauer interessiert, kann das hier nachlesen.
Auf dem Hamburger BarCamp werde ich am Freitag als ProfilAgentin eine Session zu einem meiner Lieblingsthemen anbieten:
Vom BarCamp twittern werde ich am Freitag und Samstag mit meinem neuen Account @ProfilAgentin, unter dem Hashtag #bchh 10 sind alle Tweets dazu zu finden.
Diese Vorab-Info ist sozusagen das Soft-Opening meiner Selbständigkeit, nächste Woche geht es dann “offiziell” los!
PS: Es ist klasse gelaufen, es gab viel sehr positives Feedback und meine Präsentation wurde auch mehrfach gelobt. Erste Eindrücke, direkt vom BarCamp gebloggt, gibt es von Jörn Hendrik Ast hier nachzulesen.
PPS: Wer sich hier umschaut wird es bemerken: Kixkalogic ist jetzt auch “Social” geworden. Die Sternchen, Tweets und Facebook-Verbindungen habe ich erstmal testweise eingebaut.
Vergangenen Donnerstag traf sich inzwischen zum vierten Mal der analoge Salon zu digitalen Themen der Initiative I-15 in Hamburg. Diesmal waren es siebzehn mehr oder weniger zusammengewürfelte Menschen, die sich über die digitale Welt und deren gesellschaftlichen Wirkungen austauschten.
Das „Erinnern und Vergessen in Zeiten des Internet” war an diesem Abend der Ausgangspunkt der individuellen Statements, die in drei Minuten die eigene Motivation, die gesellschaftliche Konsequenz und idealer Weise auch mögliche Ideen für Handlungen darlegen sollten.
Auch wenn sich (vorhersehbar) kaum eine oder einer an die drei Minuten hält und ich den Eindruck habe, dass die vorbereiteten Skripte von mal zu mal umfangreicher werden (Ich plädiere für den kommenden Salon bereits an dieser Stelle, dass maximal eine DIN A4 Seite mitgebracht werden darf ;) – sowohl der thematische Fokus als auch das erwünschte Statement und die höchst individuellen Aus- und Überlegungen sind das, was neben den anschließenden Debatten und Gesprächen diese Abende für mich so inspirierend machen.
Das ist mir durch den Kopf gegangen: Ray Bradburys Fahrenheit 451, die Schlußszenen in denen Bücher von den Dissidenten gegen das Vergessen komplett auswendig gelernt werden - bevor die Bände verbrannt werden. (Filmausschnitt nach dem Klick aufs Bild)
Meine eigenen Gedanken gingen von der Langen Nacht des Erinnerns und Vergessens auf DeutschlandRadioKultur aus. “Wie wir uns erfinden” – sehr schnell ist klar, dass jede Identität immer aufs Neue konstruiert wird – mittels immer unterschiedlicher Erinnerungen und verschiedenen Variationen des Vergessens. Identität ist Stückwerk.
Was auf besondere Weise in dieser für mich dritten Vorstellungsrunde schon vor meinem kurzen Beitrag bewiesen wurde: Einige der anderen Gäste stellten sich mir das zweite oder dritte Mal vor – und das mit komplett anderen Inhalten und Schwerpunkten als bei den bisherigen Treffen.
Très charmant: Bricolage//Wir basteln uns einen Eindruck.
Auch ohne Erwähnung an dem Abend eine meiner Erinnerungen zur dort angesprochenen Manipulierbarkeit der Vergangenheit: Die perfekten künstlichen Erinnerungen Tyrells Replikanten in Philip K. Dicks Blade Runner. (Filmausschnitt nach dem Klick aufs Bild)
Doch genau eine Woche vor dem I-15-Salon wurde das FAZ-Blog Kontrollverlust von @mspr0 // Michael Seemann vom öffentlich zugänglichen Netz genommen.
Auch @mspr0 hatte etwas vergessen:
Die korrekte Anwendung der CreativCommons-Lizenz von Bildern, die er in seinem letzten Beitrag benutzt hat. Ich möchte an dieser Stelle gar nicht auf den andernorts ausführlich dokumentierten Verlauf der Eskalation der Ereignisse eingehen. Mir geht es darum, dass ich wenige Tage davor angefangen hatte, Frank Schirrmachers “Payback” zu lesen. Der Kontrollverlust – und vor allem die Angst davor – ist ein zentraler Begriff bei Schirrmacher – weshalb ich es damals als sehr cleveren Schachzug ansah, dass Frank Schirrmacher, als FAZ-Herausgeber, ausgerechnet mspr0 als FAZ-Blogger angeworben hat, dessen Weltbild und Lebensgefühl dem von Schirrmacher so komplett diametral gegenüberliegen.
Gleichzeitig also der theoretische Teil zum Kontrollverlust in Payback, indem eindringlich vor der Auslagerung allen menschlichen Wissens in die Welt der Maschinen und “ins Internet” gewarnt wird. Trotz aller sicherlich auch vorhandenen Schwächen des Buches:
Die von Schirrmacher aufgezeigten Zusammenhänge zum Thema Erinnerungsvermögen und Gedächtnisverlust ließen mich nicht gänzlich unbeeindruckt. Seinen Ansatz, Fakten nicht als Gesetze anzuerkennen und stattdessen neue Hypothesen zu entwickeln und diesen Perspektivwechsel durch kritisches Hinterfragen als eine Lösung anzubieten sogar sympathisch – wenn auch von fragwürdiger Durchschlagskraft, um die von ihm so eindringlich beschriebene “Ich-Erschöpfung” aufzuhalten.
Es wird nur helfen, sich damit abzufinden, dass es kein Ende und endgültige Sicherheit gibt, was das Wissen angeht. Es wird immer etwas fehlen. Gelegentlich ist man zur richtigen Zeit am richtigen Ort, das andere Mal eben nicht.
Es gibt keine Sicherheit “alles zu wissen”.
Im Internet schon gar nicht.
Mir wäre ein Perspektivwechsel ohne Angst vor Kontrollverlust wichtig – und das aktive Erinnern als Kulturtechnik nicht zu verlieren.
Ich danke allen Beteiligten für den sehr lebendigen und offenen Austausch.
Interessierte für den 2. Berliner Salon am 14. Juli 2010 über die “Neudefinition von Privatheit und Öffentlichkeit” können sich an Moritz Avenarius wenden.
Draußen ist es auch nicht anders als hier im Netz.
Das konnte ich heute am frühen Abend feststellen, als ich vor der Tür, auf dem Bürgersteig - selbst für mich unerwartet – anfing, mein Fahrrad zu putzen. Ich suchte mir eine sonnige Ecke und versuchte das vom vergangenen harten Winter immer noch sehr mitgenommene Rad wieder in einen etwas ansehnlicheren Zustand zu versetzen.
Was sich früher, als ich noch ein Schulkind war, immer wie eine Strafarbeit anfühlte, hatte heute eher etwas, sagen wir mal, Meditatives. Ganz ins Putzen versunken. Sonst gar nicht so meine Sache.
Ok. Das zum einen. Was mir aber dann auffiel:
Das, was für mich als Kind noch normal war, sich mit dem Fahrrad zum Putzen oder Reparieren auf den Bürgersteig zu stellen, gibt es heute gar nicht mehr. Jedenfalls habe ich die vergangenen Jahre nie irgendjemanden so angetroffen. Und das Verhältnis von Aktiven zu Kommentierenden zu Zusehenden war exakt wie hier im Netz: 90:9:1. Von Hundert Menschen, die vorbei laufen, sehen 90 mehr oder weniger interessiert/amüsiert/neugierig zu, neun bringen einen Kommentar oder verwickeln die eine Person in ein Gespräch, die aktiv ist und das Rad putzt. Unfassbar. Aber so war das.
Damals vor vier Jahren schon war der schönste Moment der Beginn der Weltmeisterschaft. Die Straßen leer, ich konnte meinen Einkauf in aller Seelenruhe in einem leergefegten Supermarkt erledigen und auf den Straßen Hamburgs gefahrenfrei Rad fahren. Yes!
Natürlich gab es auch erstaunliche Momente: Eine türkische Mutter mit Kopftuch und langem Mantel, an jeder Hand einen Sohn auf dem Weg zur Schule. Zweitklässler, sieben oder acht Jahre alt. Ein bunter Kopfputz zierte die schwarzen Knabenhaare: Ein Irokesenaufsatz in schwarz-rot-gold. Offensichtlich war ganz Deutschland weltmeisterlich gestimmt. Oder diese ältere Dame, die ihren Rollator beidseitig mit Deutschlandflaggen geschmückt hatte und fröhlich die leicht abschüssige Osterstraße hinabrollte.
Doch diesmal bin ich fest entschlossen, das Geschehen so gut es geht zu ignorieren.
Bei der ÜberlebensPlanung hilft der wunderbare WM-Planer 2010 für Fußball-Uninteressierte von Wortfeld – Aufhängen in Großraumbüros auf eigene Gefahr:
Im Digitalen ist es nicht ganz so einfach, der WM aus dem Weg zu gehen.
Eine Möglichkeit, bei Twitter zu zeigen, dass nicht über die WM getwittert wird, hat sich Zebramädchen überlegt: Das Profilbild kann mit einem eindeutigen Twibbon geschmückt werden:
Dieses aktive Negieren ist mir allerdings schon fast zuviel Aufmerksamkeit für eine Sache, die mir schlicht vollkommen egal ist – ich ziehe komplettes Ignorieren vor.
Die WM lässt sich erstaunlich zuverlässig über TweetDeck herausfiltern. Als Twitter-Client so oder so relativ brauchbar, da mehrere Accounts, Suchbegriffe und Mentions gleichzeitig sichtbar sein können. Allerdings ist es für die Desktop-Applikation notwendig, zuerst Adobe-Air zu installieren. Den WM-Filter für Tweets gibt es mit der neuesten TweetDeck Version:
Settings / Global Filter und dann beispielsweise einsetzen: wm, worldcup, fußball, vuvuzela, tor #arg #aus #bra #chi #civ #cmr #den #eng #esp #fra #ger #gre #hon #ita #jpn #kor #mex #ned #nga #par #por #prk #rsa #srb #sui #usa und Ruhe ist in der Timeline.
Da zur Zeit kaum über anderes getwittert wird, kann – je nach Timelinezusammensetzung und #Hashtagdisziplin – sich der tosende Wasserfall in eine Art Rinnsal verwandelt haben. Lieber das, als permanent mit Tweets überflutet werden, die mich Null interessieren. Ab 12. Juli wird sicher alles wieder gut.
Der Tod der alten Dame fünf Wochen nach der Vernissage ist unter PR-Aspekten vermutlich nicht das Schlimmste, was den Charlottenburger Ausstellungsmachern passieren konnte. Louise Bourgeois ist am 31. Mai 2010 in New York mit 98 Jahren gestorben. Ein großer Verlust.
Als sehr junge, aufgeweckte Kunstgeschichtsstudentin schleppte ich meinen damaligen Liebhaber – eine Fernbeziehung in Frankfurt – 1989 in den örtlichen Kunstverein, wo Louise Bourgeois‘ erste große Retrospektive in Europa gezeigt wurde. Wir waren frisch verliebt und sehr verwirrt. Die ausgestellten Skulpturen und Installationen wirkten wie Katalysatoren auf unsere ohnehin in Turbulenzen befindlichen Hormone. Madame zeigt keine Pornografie, sie hat den Sex eher um die Ecke gedacht; ihre Installationen zeugen von einer verqueren, nicht unbedingt eingängigen Erotik. “Sexuell aufgeladen” trifft es ganz gut. Kritisch, erotisch, subtil und auch mit einem sehr schwarzem Humor durchzogen, wirkten ihre Arbeiten auf mich.
Den wunderbaren Fotos, die es von ihr gibt, ist der Schalk in ihrem Nacken anzusehen. Madame hatte jede Menge Humor und sah großartig dabei aus.
Adriano Sack brachte es in seinem Artikel “Schöne Menschen” schon im August 2008 auf den Punkt:
“Wenn ich heute entscheiden müsste, wem das ewige Leben zu gönnen ist, wäre Louise Bourgeois meine Favoritin.”
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Noch bis zum 15. August 2010: Louise Bourgeois und Hans Bellmer in Berlin: Double Sexus
Der Nachruf im Guardian
und auf deutsch in der F.A.Z.
Louise Bourgeois auf MySpace (?!)
Ihre Spinnen sind auch in einem meiner Lieblings-Kunstparks zu sehen: Wanas-Slot in Süd-Schweden
Louise Bourgeois. Aller-Retour // 2005 Katalog der Kunsthalle Wien (kostenloser Download)
Heute ist der 6. Mai. Der Blick aus meinem Fenster sieht auch tatsächlich grüner aus als Mitte Februar, als ich dieses Foto aufgenommen habe. Die Temperaturen sind gefühlt vergleichbar. Dieses Frühjahr verpuppt sich als heller Winter. Ich fahre morgens immer noch mit Schal und Handschuhen auf dem Fahrrad zur Arbeit. Umgefallen bin ich heute Abend, als ich aus dem Fenster sah und einen neuen Zaun erblickte. Maschendraht. Grün. Das Foto hätte vielleicht einen anderen Reiz gehabt, vermutlich aber wäre ich nicht auf die Idee gekommen, überhaupt zur Kamera zu greifen.
Ein kleiner Trost: Zu wissen, dass es da noch dieses seltsame Foto gibt. Hier ist es.
Information overload. Drei Tage re:publica in Berlin: zusammen mit 2.500 anderen Heavy Usern des Internets, überwiegend Digital Residents, Vorträge und Workshops zu digitalen Themen angehört. Zwischen Friedrichstadtpalast, Kalkscheune und Quatsch Comedy Club hinundhergelaufen, nicht immer mit dem optimalen Schuhwerk. Irgendwann den Einfluss eines isländischen Vulkans zu spüren bekommen, als Referenten nicht mehr eingeflogen werden konnten und Vorträge ausfielen. Gleichzeitig stieg die Anzahl der Organisations-Tweets über alternativen Heimtransport.
Meine zweite re:publica. Der Sprung von 1.800 zu 2.500 Teilnehmenden ist gefühlt nicht so groß, wie befürchtet. Sehr viele Gespräche, ein wenig Smalltalk, aber trotz des übervollen Programms immer wieder Gelegenheit, zu längeren und intensiveren Unterhaltungen. Ich habe es irgendwie geschafft, in den drei Tagen an 25 Veranstaltungen teilzunehmen. Highlights waren für mich Peter Kruse, der sehr anschaulich darstellte, warum es einen kulturellen Verständnisgraben zwischen den Teilnehmenden in der gesamten Netzdiskussion gibt. Das andere Highlight war Miriam Meckel, die über die Wichtigkeit des Zufalls sprach. Geschliffen eloquent, eine Spur zu schnell, um die Fülle des Stoffs unterzubringen, was nicht ganz klappte, so das @mspro leider nicht zu Wort kommt.
Ein Problem nicht nur der re:publica: Je größer das Plenum, um so länger scheinen die Fragen und von den Fragestellern für nötig befundenen eigenen Ausführungen zu ihren Fragen zu werden. Und es “fragen” fast nur Männer. Es scheint da so eine Art Fragestellerbewegung zu geben, so wie es die Neue-iGadgets-Schlangesteher-Bewegung gibt.
Ich habe andere gute Frauen auf der re:publica gehört, auch wenn ich deshalb das Panel zu fenministischen Netzkultur verpasste: Kathrin Passig erklärte schlüssig, “Wie man Leuten nichts beibringt“. Melissa Gira Grant erlebte ich nur kurz vor der obligatorischen Twitterlesung. Sie sprach über “Sex and the Internet. Umso erstaunlicher, dass eine Frau, die sich professionell mit dem Thema auseinandersetzt, (relativ überzeugend) Chatroulette an dem Abend zum allerersten Mal ausprobierte. Ein großer Spaß für das Publikum im Friedrichstadtpalast.
Spannend und unterhaltsam war auch Teresa Bücker, die in “Liebe ist für alle da” über Beziehungsdarstellungen im Netz referierte und in ihrer Präsentation fast eine Twitterlesung zu dem Thema bot. Ein Tipp: als Paar am besten keine Accounts auf gleichen Plattformen zu führen. (Was in Zeiten, in denen sich Twitter und Facebook derart durchgesetzt haben, quasi nur für Offliner gelten kann.) Während der re:publica habe ich allerdings gleich zwei drei (ansonsten sehr entspannte) Paare erlebt, die sich einen gnadenlosen Wettkampf um das Einchecken und die Sonderbadges bei foursquare lieferten… ;)
Der 4sq Schwarm-Badge war innerhalb der ersten 10 Minuten am ersten Tag im Friedrichstadtpalast klar. Außerdem loggte ich die meisten der von mir besuchten Vorträge, so dass auch der “Overshare”-Badge für > zehn geloggte Orte in zwölf Stunden endlich mir gehörte. Als besonderes Extra weil die #rp10 zufällig auch am 16.4. stattfand, gab es den #4sqDay 2010 Badge. Was leider nicht geklappt hat, obwohl mindestens Johnny, Igor und ich ihn direkt bei foursquare angefragt hatten, war der re:publica-Badge, der analog zum Ignite-Badge thematisch schon großartig gewesen wäre. ok. Nächstes Thema. :)
WLAN und Twitterwall
Hm. Ging so. Wenn sich das auch (wie jedes Jahr, bei den Zuwachsraten) erklären lässt, dass es in dem Moment, wo 2.500 Menschen mit ein bis zwei Devices gleichzeitig auf engem Raum ins Netz wollen, vermutlich zwangsläufig ein Zugriffsproblem gibt, das von den Netzanbietern wohl jedes Jahr wieder unterschätzt wird.
Was mir gar nicht fehlte, war die Twitterwall während der Vorträge. Eher zurückhaltend aufgenommen wurde Johnnys Ankündigung, dass es dieses Jahr keine Twitterwall während der Veranstaltungen geben würde. Mir hat es so besser gefallen, weil ich mich in jedem Fall stärker auf die Vorträge konzentrieren konnte. Was fehlte und meine Anregung N°1 fürs nächste mal wäre: Dafür bitte ein paar Walls außerhalb der Säle. In der Kalkscheune und im Friedrichstadtpalast. Bei fehlendem WLAN wäre es auch nicht schlecht, ein paar der gedruckten Programme auszuhängen. Die lagen vermutlich überall herum, aber immer wenn ich eins suchte …
Socialising und Party
Keine Followerparty bei Sascha Lobo in diesem Jahr was nach seinem zu recht sehr gut besuchtem Vortrag über “how to survive a shit storm” und dem Teilnehmerzuwachs vermutlich auch niemanden so richtig erstaunt hat. Schade war es nach meinen Erfahrungen im letzten Jahr trotzdem.
Ebenfalls ein wenig bedauert habe ich die Entscheidung, den Kongress erst am letzten Abend zum Tanzen zu bringen. (Was mit den richtigen DJs besser klappt als man vielleicht annehmen könnte. @Nilzenburger und @kosmar legten sehr tanzbar auf) Am Freitag sind viele schon auf dem Heimweg, die Berliner – ohnehin nicht gerade unterrepräsentiert – deutlich in der Überzahl. Mein Vorschlag N°2: Die Party bitte für den 1. oder 2. Abend einplanen – eher als Auftakt für so viele Vortragsstunden miteinander als als Ausklang. Würde ich jedenfalls favorisieren.
v.l.n.r.: @placetogo, Thomas Knüwer, @PickiHH, @kosmar, Sascha Lobo, @svensonsan, @HappySchnitzel, @vergraemer, @bosch, Jeff Jarvis, @deef. fehlen auf meinem Foto: @baranek @marthadear
Ansonsten: Viel gelernt. Viel gelacht (auch wenn es auch einem öffentlich zugänglichen Foto nicht wirklich so aussieht) aus Versehen auf eine kleine Bühne geraten (zum Glück nur an den Rand, natürlich fing mein Telefon an zu klingeln, ja, es wurde parallel der Live-Podcast von @343max und @mspr0 aufgezeichnet), viele rothaarige Frauen gesehen, einige davon kennengelernt, mit @bosch und @HappySchnitzel in der Eismanufaktur gewesen, auch ohne Party immer spät ins Bett gekommen, einem Mann nahegelegt, er solle wegen seiner Stimme unbedingt mit dem Podcasten anfangen. Selber Komplimente für mein re:dhead-Shirt bekommen (Danke!) Aus Versehen “Klixka” genannt worden. Auf die Frage “Hältst Du hier auch einen Vortrag” am häufigsten gesagt und gehört: “Nein, dafür bin ich viel zu schüchtern”. Abschlussveranstaltung aus guten Gründen verpasst. Nette Headbangbilder davon gesehen, da hätte ich sicher mitgesungen. Und mitgebangt.
Tatsächlich noch neue Menschen kennengelernt.
Neugierig geblieben.
Merci nowhere.
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Ich empfehle zur AuswertungsVertiefung:
a) Daniel Fiene #rp10 gut im Blog dokumentiert und sein Was mit Medien-Podcast zusammen mit Felix Hügel, @JovelStefan und Herrn Pähler.
b) Svensonsan besonders den Teil, indem er seinem Kind erklärt, was die re:publica eigentlich ist. (filed under: warum ich diese Internetfuzzies so gerne mag)
c) den HZM-Podcast auch wenn der Ton gelegentlich vom Winde verweht erscheint.