Recent tracks
-
Tits & Ass - The Great Canadian Weekend by {u'mbid': u'735e3514-a8ae-401f-af3b-6300df1b8d2c', u'#text': u'Caribou'}30 hours ago
-
Brandon by {u'mbid': u'735e3514-a8ae-401f-af3b-6300df1b8d2c', u'#text': u'Caribou'}30 hours ago
-
Iris - Original Mix by {u'mbid': u'ac416c6d-704f-4e45-88cf-c3eb4bb1a3c0', u'#text': u'Bon & Rau'}30 hours ago
-
Morning Funk - Original Mix by {u'mbid': u'ac416c6d-704f-4e45-88cf-c3eb4bb1a3c0', u'#text': u'Bon & Rau'}31 hours ago
-
Genkai-1 by {u'mbid': u'a5ee1ebe-a645-45d2-8319-d101fe62e581', u'#text': u'Biosphere'}31 hours ago
-
Wait by {u'mbid': u'9b070bea-fedf-4ff5-8177-c18c663c2416', u'#text': u'Airhead'}31 hours ago
-
Hey Love - Original by {u'mbid': u'7a12507a-9fec-43a6-a363-c545724b2b7f', u'#text': u'Adam Stacks'}31 hours ago
-
Every Dog Has Its Night - Metope Remix by {u'mbid': u'86bb09f3-7ace-45dc-b26a-6833b18ecb85', u'#text': u'Ada'}31 hours ago
-
Glass Jar by {u'mbid': u'83f1cb07-1745-48e6-8576-428604e67aa8', u'#text': u'Gang Gang Dance'}31 hours ago
-
Ready Set Loop by {u'mbid': u'7f2aa196-cfd4-4a3d-ace3-28b7b6a79af7', u'#text': u'SBTRKT'}31 hours ago
Top artists
Top tracks
-
133 plays
-
107 plays
-
103 plays
-
87 plays
-
70 plays
-
69 plays
-
68 plays
-
68 plays
-
66 plays
-
65 plays
-
65 plays
-
65 plays
-
63 plays
-
62 plays
-
62 plays
-
61 plays
-
61 plays
-
60 plays
-
60 plays
-
59 plays
-
57 plays
-
Xtal by Aphex Twin56 plays
-
56 plays
-
54 plays
-
Cliffs by Aphex Twin53 plays
-
52 plays
-
51 plays
-
51 plays
-
50 plays
-
50 plays
-
Kim & Jessie by M8350 plays
-
50 plays
-
49 plays
-
48 plays
-
48 plays
-
47 plays
-
46 plays
-
46 plays
-
45 plays
-
43 plays
-
43 plays
-
43 plays
-
43 plays
-
42 plays
-
42 plays
-
42 plays
-
42 plays
-
42 plays
-
41 plays
-
41 plays
Reading
To Read
Updates
-
My Top 3 #lastfm Artists: Beach House (17), Ryuichi Sakamoto (14) & Rufus Wainwright (14) http://t.co/1rOiZABJ
-
Bitchslap: Mutti lässt feuern.
-
@tazgezwitscher ZDF meldet: Der neue Minister twittert häufiger. Also zumindest vogelfreundlicher.
-
@tazgezwitscher Weil jetzt ein grüner Umweltminister dran kommt oder wieso 'Jippieh'?
-
Die Hiobsbotschaft am Muttertag: Im Herbst 2013 gibt es den Kampf der Supermuttis um die Herrschaft im muttiliebenden Exportweltmeisterland
-
Hannelore verrät den Wahlkampftrick: Man habe >den Menschen< [!] in den Mittelpunkt gestellt.
-
My Top 3 #lastfm Artists: Gonzales (34), Nick Drake (29) & Cocteau Twins (20) http://t.co/1rOiZABJ
-
now playing: progressive muskelrelaxation
-
So wird man im Diskurs dann eher nicht als ernstzunehmende Stimme wahrgenommen #FAS
-
Peinlich faktenfalscher (bewusst?) #FAS-Kommentar über Piraten&PirateBay: "Dort wurden vor allem Songs illegal kopiert" cc @fr_schirrmacher
-
My Top 3 #lastfm Artists: Ryuichi Sakamoto (25), Matthewdavid (16) & SBTRKT (15) http://t.co/1rOiZABJ
-
Mittlerweile so tief in dieser fürchterlichen Arbeitskraftverwertungsmaschine drin, dass pflichtschuldig vor dem Wecker 0525 aufgewacht wird
-
Ganz großes Buchstabenkino. Antje Schmelcher in der FAS über "Frauenverwertungsfeministinnen" http://t.co/MZGnchA0
-
My Top 3 #lastfm Artists: SBTRKT (37), Machinedrum (22) & Matthewdavid (16) http://t.co/1rOiZABJ
-
Neu auf 166mhz: Piraten und Sozialdemokraten http://t.co/aJnkHWXb
Posts
Freunde, das Thema Piraten könnte man ja eigentlich den Mainstreammedien von Springer, FAZ, Spon, SZ usw. usf. überlassen, die das immer noch heißeste trending topic im politischen System der BRD 2012 dieser Tage ja überaus bescheiden platzieren.
Das Problem dabei ist jedoch, dass mein inhaltlich-argumentativ noch nicht ganz fundierter, weil den Bedingungen eines kognitiven und undemokratischen Verfahrens unterliegender Piratenhass ob der Ubiquität dieser Berichterstattung neue emotionale Höhen erreicht.
Deshalb kurz einige Anmerkungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit (ist halt noch alles im Fluss):
Die aktuell lustigste Geschichte zu den Piraten kann man hier und hier nachlesen. Interessant daran ist die Tatsache, dass die Piraten offenbar von vielen Menschen meiner Generation unterwandert werden, die im Universum zwischen Studienabschluss und im von wirtschaftlichen Aufschwungsnarrativen gebrochenen, orientierungslosen und hauptstadtzentrierten Arbeitsmarktprekariat ex post nach Strohhalmen des Lebenssinns suchen. Da grätschen die Piraten natürlich rein, nehmen mit und lassen mitmachen. Der ideale Integrationsweg geht dann so: Studienabschluss => freies trauriges Berliner Irgendwas => Parlament => Karriere-Awesomeness.
Man kann auch Hass entwickeln, wenn man den Twittermüll liest, den die neudemokratische Partizipationsavantgarde sekündlich und frei von Scham absondert und der eigentlich ein Fall für das Emmissionsschutzgesetz wäre. Charakeristisches Merkmal jedenfalls, einige Beobachter haben da vollkommen Recht: regelmäßige semantisch-argumentative Brüche, ja: post-edits, und Infantilität.
Die Weisband bspw.: Da weiß ich jetzt also, dass Madamé gesundheitlich öfter mal unfit ist (psycho-somatisch ist das bedingt, teilweise, so darf man lesen) und auch deshalb im Stress ist, weil die Diplomarbeit ihr im Nacken sitzt (ich wollte das eigentlich alles gar nicht wissen). Und dann sagt sie, jetzt sei Rückzug angesagt. Unter anderem, weil eben Gesundheit und Diplomarbeit. Man würde also vermuten, dass sie dann mal 2-3 Monate Ruhe gibt, das Twizzle Twizzle sein läst, sich in die Fliednerstraße 21 setzt und dort, in diesem schrecklichen 1970er-Jahre-Bau, ihren Schrieb zu Ende schreibt (was ist eigentlich Thema?) und als prominente Inneneinrichtungsfigur den harten Statistikalltag der Münsteraner Psychologiestudenten in den Semestern 1-4 auffrischt. Aber nix da: post-edit, semantischer Bruch, es wird weiter durch die Talkshows gehetzt (was ja total in Ordnung ist, aber warum mit viel Bedeutungsschwere Gegenteiliges ankündigen?). Ich verstehe die Piraten also nicht: Diplomarbeit oder Michel Friedman? Um mal zu erfahren, wie es ist, dauerhaft einem aggressiven Gelangriff ausgesetzt zu sein und danach direkt zur Maybrit zu fahren? Wenn es den Oberpiraten schon in dieser experimentellen Konstitutionsphase so schwer fällt, Privatleben und Politikleben in den Griff zu bekommen oder zumindest schlüssig zu erklären, ja überhaupt: Entscheidungen zu treffen, die eine längere Halbwertszeit als 5 Minuten haben: Wo soll das hinführen?
Und dann noch: Diese vor Stolz und Autoerotik überquellende Selbstreferenzialität. Wer nach der zu Neuwahlen führenden Abstimmung im Düsseldorfer Landtag den strahlenden Twittermüll der NRW-Piraten wiederaufbereiten durfte, war vor allem von der Tatsache fasziniert, dass die Piraten so sehr von sich selbst fasziniert waren. Weil: Man schaffte es doch wirklich innerhalb weniger Stunden, max. vielleicht Tagen vermittels modernster Kommunikationssysteme (Mumblecore und so) Termine zu machen und sich irgendwie vorzubereiten auf das, was da Großes kommen mag. Und alle waren ganz begeistert und alle haben sich ganz doll eingebracht und die Internetleitungen haben gehalten, obwohl einige nur mit dem Smartphone und dann auch noch im O2-Netz unterwegs waren, und am Ende hatte man Termine und Entschlüsse und es war etwas im Gang, das sehr, sehr faszinierte.
Schließlich, Freunde, müssen wir wohl einfach (hassend) abwarten, was die Piraten werden. Aktuell möglich: Linkspartei, FDP und/oder NSDAP mit Internetanschluss. Kapitalismusapologeten oder Kapitalismus- und Verwertungslogikbekämpfer. ÖPNV-Hipster, WLAN-Befreiungs-Aktivisten und/oder Gadgets-für-alle-Utopisten. Privatheit, Nacktheit, Festplattensauberkeit: ja, nein, gut oder schlecht? Ich werde das liquide Programme lesen, festzuhalten versuchen und darüber berichten.
Was sonst noch war? Sozialdemokraten! Hier betreffend den Themenkreis “Wer hat uns verraten?” und Elternrechte. So wird das Thema Betreuungsgeld kontrovers diskutiert. Für (sozialdemokratischen) Unmut sorgte der schwarz-gelbe Plan, das potenzielle Zusatzeinkommen aus dem Betreuungsgeld – stringent nach Grundsicherungssystemlogik – mit der staatlichen Leistung zu verrechnen. Und Andrea Nahles flippte total aus angesichts dieser himmelschreienden sozialen Ungerechtigkeit. Ein Affekt, der durchaus der Heuchelei zugerechnet werden kann, wie Thorsten Denkler für die SZ aufgeschrieben hat. Denn die Grundssicherungssystemlogik finden die Sozialdemokraten in Mehrheit eigentlich ziemlich in Ordnung. Sie haben sie nämlich erfunden. Damals, während dieser dunklen Episode unter Gas-Gerhard, an die sich niemand so gerne mehr erinnern mag, außer die, die dabei waren und es immer noch ziemlich geil finden: die Stones, z.B.
Und nun NRW-Wahlkampf mit Hannelore K. und ein Interview in der FAS von heute.
Darin wird wunderbar deutlich:
Der Sozialdemokratin K. geht es in der Sache nicht um die individuelle Entscheidungsfreiheit von Eltern, sondern um den wirtschaftlichen Erfolg des Staatsapparats, der selbstverständlich auch die Bildung seiner kleinen Humankapitale in die Hand nehmen sollte, damit die großen Humankapitale keinen sinnfrei-wertlosen, d.h. unproduktiven Tätigkeiten (z.b. Kinder erziehen) nachgehen.
Money Quote unter der Überschrift Drohung Alle Kinder müssen in die Kita:
Überdies würde sich jeder Kitaplatz volkswirtschaftlich lohnen, weil Mütter dann erwerbstätig sein und Steuern und Sozialleistungen zahlen könnten, anstatt Transferleistungen zu beziehen.
Der beste Vorschlag zum Betreuungsgeld kommt im Übrigen, kein Witz, aus der Arbeitnehmergruppe der Union.
___
post scriptum.
derwesten.de: Sehen Sie sich als Politikerin oder eher als Künstlerin?
Marina Weisband: Weder noch. Ich bin in erster Linie Mensch.
Herbert Grönemeyer: Am Strand des Lebens
Ohne Grund, ohne Verstand
Ist nichts vergebens
Ich bau die Träume auf den Sand
Und es ist, es ist ok
Alles auf dem weg
Und es ist Sonnenzeit
Unbeschwert und frei
Und der Mensch heißt Mensch
Weil er vergisst
Weil er verdrängt
___
Freunde, unsere Bundesmutti hat einen Zukunftsdialog ins Leben gerufen. Die Deutschen, also mithin wir, du, ich und die Bundesmutti, sollen miteinander ins Gespräch kommen, in einem “Dialog über Deutschland”. Dabei sollen drei große, ja philosophisch anmutende Fragen den internetzgepowerten Diskurs strukturieren:
Wie wollen wir zusammenleben?
Wovon wollen wir leben?
Wie wollen wir lernen?
Ziel des Dialogs ist es, laut Bundeskanzlerin,
eine gesamtgesellschaftliche Diskussion über die nahe Zukunft unseres Landes anzuregen und konkrete Handlungsvorschläge und Denkanstöße für die politische Arbeit zu gewinnen.
Und: Das Ding ist einmalig großartig und voller Liebe. Money quote:
Mit dem Zukunftsdialog hat die Bundeskanzlerin eine neue Art von Beteiligung geschaffen, wie sie in Deutschland bislang noch nicht stattgefunden hat. Es geht um eine neue Kultur des Zuhörens und eine neue Form des Dialogs.
Die Fragen, die sich dem kritischen Betrachter jedoch zunächst aufdrängen, sind: Warum will Mutti auf einmal wissen, mit wem ich zusammenleben will? Soviele Ohren hat die doch gar nicht, dass die allen zuhören kann!? Läuft das gerade jetzt, weil Demokratie dauerkrisenbedingt mittlerweile ziemlich kaputt ist (1), gefangen in Austeritäts-Agonie und Wertevakuum, und deswegen ein bisschen Programmtalk ja ganz nett wäre? Oder weil ja bald auch Wahljahr ist? Oder weil sie es einfach gut mit uns meint?
In jedem Fall stecken hinter einer solchen Aktion natürlich strategische Absichten und man darf legitime Zweifel anmelden, ob es sich bei Angelas Happy Citoyen-Discussion nicht eigentlich um eine leidlich gut inszenierte Bürgerpartizipationssimulation handelt, die vor allem dem Glück und machtpolitischen Wohlergehen der Bundesmutti selbst dienlich sein soll. Dafür gibt es zumindest Hinweise.
In einem Podcast-Beitrag hat Mutti, die sich im Rahmen von drei sogenannten Townhall-Meetings, in denen sie auf jeweils 100 handverlesene Citoyen-Vorzeigeexemplare trifft, an der Dialogparty beteiligen wird, ihre Vorstellungen hinsichtlich derselben noch etwas konkretisiert:
1) Mutti erhofft sich (Zitat) Vorschläge, die auch umsetzbar sind.
2) Mutti erhofft sich, (Zitat) nicht so allgemeine philosophische Abhandlungen, sondern etwas, woraus konrete Vorhaben gemacht werden können.
Damit ist also bereits klar:
Der Eindruck, hier solle ein offener Makrodiskurs über die Zukunft unseres Gemeinwesens gestartet werden, ohne Denkblockaden und irgendwelche Bedingungen, ist falsch. Es geht also um Umsetzbarkeit, was in diesem Zusammenhang nur heißen kann: Es muss der Bundesmutti politisch in den Kram passen und es muss finanzierbar (2) sein.
Ein weiterer Hinweis darauf, dass Bundesmutti nur wenig Interesse daran haben könnte, was der Bürgerschwarm zusammenträgt, ist die Tatsache, dass parallel auch ein Expertendialog stattfindet. Da wird sich dann also verstärkt unter den Bedingungen von an Universitäten erworbener Sachkenntnis der Umsetzbarkeit gewidmet. Damit ist auch sicher gestellt, dass die ganze Nummer nicht komplett in die Hose geht. Wer die Experten sind, ist nicht bekannt (3). Nur ihre Anzahl: 120 in 18 Arbeitsgruppen.
Das zweite große Problem am Miteinander-Reden unter den Prämissen der Bundesmutti, sind die Bürger-Diskutanten selbst. Es wird so ablaufen, dass von allen Vorschlägen auf der Online-Plattform die Urheber der 10 am besten bewerteten ins Kanzleramt eingeladen werden, um sich mal bei Kaffee und Kuchen darüber zu unterhalten, warum das so nicht wirklich umsetzbar ist.
Aktuell sind die 9 am besten bewerteten Vorschläge (die Aktion läuft noch bis zum 15. April) diese:
Wie wollen wir zusammenleben?
1) Offene Diskussion über den Islam (4)
- zu philosophisch! Es gibt schließlich nicht den Islam, sondern mindestens drölf Versionen.
2) Cannabis legalisieren = den Markt für Erwachsene regulieren!
3) Legalisierung von bestimmten weichen Drogen
- nicht umsetzbar! Alle würden nur kiffen und nicht mehr arbeiten => BIP kaputt, s. Holland.
Wovon wollen wir leben?
1) Bedingungsloses Grundeinkommen – Neue Umstände erfordern neue Wege!
2) Bedingungsloses Grundeinkommen für alle
- haha, nicht umsetzbar und zu philosophisch!
3) Steuern auf Geld das ins Ausland fließt
- das Kapital ist ein scheues Reh, nicht umsetzbar!
Wie wollen wir lernen?
1) Freier Zugang zu öffentlich finanzierter Forschung (Open Access)
- nicht umsetzbar! Die Chefs der Wissenschaftsverlage müssten ihren Bentley verkaufen und ihre Kinder auf öffentliche Schule schicken.
2) Wir brauchen ein neues Verständnis von Schule!
- viel zu philosophisch!
3) Empathie im Alltag leben (Einführung eines Veggie-Days)
- …
Aktuell kann man also nur hoffen, dass diese 9 (+1) gewinnen und das Sit-In bei der Bundesmutti öffentlich ist, mit Kameras/Mikro/Live-YouTube-Broadcast: best comedy ever garantiert!
Nun ist es aber auch so, dass Bundesmutti schon geahnt hat, dass die Citoyens im Netz nur lächerliche Quatschvorschläge machen. Deswegen gibt es ja die Expertenkommission. Und die hat noch eine andere Funktion außer Expertenvorschläge zu machen. Sie wählt zusätzlich zu den 10 über die Netzdemokratie zu Ruhm gekommen Personen, die bei Bundesmutti Kaffee trinken dürfen, 10 weitere aus, deren Vorschläge fachlich besonders interessant seien, es aber aus welchen Gründen auch immer nicht beim Netzpöbel geschafft haben. Somit ist dann auch sichergestellt, dass die Verrückten beim Treffen in Bundesmuttis postmoderner Bude nicht die Mehrzahl der Teilnehmer stellen.
Stellt sich abschließend noch die Frage: Und dann? Dürfen die Verrückten Gesetze schreiben? Was passiert mit den Vorschlägen?
Nun, es wird alles umgerührt, möglichst kurz, einfach und umsetzbarformuliert zusammengeschrieben und in einem Abschlussbericht veröffentlicht.
Muss man jetzt angesichts dieser raffinierten Konstruktion böse auf die Bundesmutti sein? Vorspiegelung falscher Tatsachen? Naja, direkte Demokratie wurde nirgendwo versprochen.
Und zwischen den Zeilen kann jeder lesen: Der “Zukunftsdialog” ist eine pompös inszenierte Beschäftigungstherapie für 120 Experten/Universitätsangestellte und alle im Nachhinein enttäuschten Nichtexperten-Teilnehmer.
___
- Leseliste Demokratie und Politik – kaputt oder nicht? Crouch, Colin. Postdemokratie. Hay, Colin. Why We Hate Politics. Möllers, Christoph. Demokratie – Zumutungen und Versprechen. ↩
- vgl. Streeck, Wolfgang/Mertens, Daniel. 2010 Politik im Defizit: Austerität als fiskalpolitisches Regime. In: Der moderne Staat 3, No. 1, 7-29 ↩
- Was in jedem Fall komisch ist: Ich würde mir das in die Vita schreiben ↩
- Der Autor meint: Das Thema Islam wird von Politik und Medien gründlich gemieden, Islamkritiker werden bestenfalls ignoriert, meist aber diffamiert, Islamkritik wird pathologisiert und kriminalisiert. Eine argumentative Auseinandersetzung über den Islam muss endlich stattfinden. In der Politik. In den Medien. ↩
Freunde, der Kollege Streeck zeigt am Ende eines lesenswerten Interviews mit der Wochenzeitung DIE ZEIT zur Konstruktion des Dauerunfalls demokratischer Kapitalismus die immer wieder erwähnenswerte Personalgeschichte unserer aktuellen griechisch-italienischen Bankster-Rettungsavantgarde auf:
Man weiß nicht, ob man weinen oder lachen soll.
Die europäischen Regierungen machen einstimmig einen Mario Draghi zum Chef der EZB, der vor nicht allzu langer Zeit noch Europa-Chef ausgerechnet von Goldman Sachs war – also derselben Firma, die unter anderem die griechische Regierung bei der kreativen Bearbeitung ihrer volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung beraten und ihr damit zur Aufnahme in die Europäische Währungsunion verholfen hat. Chef der griechischen Zentralbank war damals Loukas Papadimos, den die Europäische Union jetzt als griechischen Premierminister eingesetzt und mit der Sicherstellung der Rückzahlung der anschließend von Griechenland zu niedrigen Zinsen aufgenommenen Schulden beauftragt hat. Mario Monti, Italiens neuer Regierungschef, hat als europäischer Wettbewerbskommissar das deutsche öffentliche Bankenwesen zerschlagen (das dann versucht hat, sich durch Kauf amerikanischer Schrottpapiere zu sanieren). Nach seiner Zeit bei der Kommission hat Monti als Berater unter anderem von, Sie ahnen es schon, Goldman Sachs sein Geld verdient. Das sogenannte “europäische Projekt” als Einlagensicherungsfonds bzw. Inkasso-Agentur – die Einsetzung der Böcke als Gärtner.
Freunde, User zeitenhieb kommentiert auf zeit.de die neuerlichen Entwicklungen im Fall Wulff sehr treffend folgendermaßen:
Besser die Wahrheit – Menschen bei Maschmeyer
Wulffs Anwälte dementieren.
Wulff wusste nicht, dass er das nicht wusste.Denn eigentlich war es eine entfernte Verwandte der Frau eines Freundes des Schwagers, die nicht wusste, dass der Kredit für die Anzeigenkampagne des Buches – das in Warheit nicht Wulff, sondern sein Pferd geschrieben hat (das Pferd war nur umsonst geliehen, aber nie gekauft, von wem auch immer) und mit dessen Einnahmen das Haus finanziert wurde, von dem Wulff nicht wusste, dass er darin lebt – dass also dieser Kredit nichts, aber auch gar nichts mit kostengünstigen Urlaubsaufenthalten in Unterkünften von Geschäftsleuten, die sonst nichts mit Wulff zu tun hatten und sich nicht mehr daran erinnen können, warum sie ihn eigentlich eingeladen hatten und wer er überhaupt ist, zu tun hat.
Hätte Wulff selbst gewusst, dass er nicht wusste, dass ein Freund, der ihn eigentlich gar nicht kannte, für das Buch seines geliehenen Pferdes (dessen Namen er vergessen hat) eine für ihn kostenfreie nie von ihm wahrgenommene Anzeigenkampagne in ihm unbekannten Medien wie sogenannten ‘Zeitungen’ gesponsort hattte, hätte er keinen Grund gehabt zu dementieren, dass es gar nichts zu dementieren gibt.
Abgesehen davon, kam dieses Dementi nicht von ihm, sondern von irgendwelchen Anwälten, die er nicht näher kannte.Er, Christian Wulff, hat im Grunde weder mit dieser Sache, noch mit irgendeiner anderen, noch mit sich selbst, irgendetwas zu tun.
___
Darüber hinaus recht erhellend ist dieses leicht angestaubte Interview des DLF von 1999 mit dem CDU-Fraktionschef Wulff im niedersächsischen Landtag zu den Verfehlungen eines Ministerpräsidenten Glogowski:
Heinlein: Was glauben Sie denn ist das Motiv für einen Ministerpräsidenten, sich seine Hochzeitsfeier von einer Brauerei sponsern zu lassen? Ist das die Lust an der gesparten Mark oder einfach politische Instinktlosigkeit?
Wulff: Ich glaube, es ist die völlig fehlende Distanz zu Sachen, zu Personen, zu Dingen, die man in der Politik braucht, also eine Grundsensibilität, dass man Dienstliches und Privates relativ strikt trennt, dass man fließende Übergänge mit äußerster Vorsicht behandelt. Jeder Polizeibeamte, jeder Beamte eines Staatshochbauamtes, einer Vergabestelle hat natürlich gar kein Problem, Freunde aus der Wirtschaft in seinem Feld zu bekommen und beispielsweise auch Zuwendungen im Zusammenhang mit Festen, Feiern und privaten Dingen. Es darf nur eben nicht sein. Es muss jeder Eindruck von Korrumpierbarkeit schon im Ansatz verhindert werden. Es darf gar nicht erst zur Korruption kommen, sondern es muss der Anschein von Korrumpierbarkeit, von Abhängigkeiten, von Sponsoring von Politik und Politikern vermieden werden.
Freunde, dieser Winter wird besser als alle vorangegangenen. Warum? Kate Bush veröffentlicht ein neues Studioalbum. Das erste seit 2005. Es geht um Schnee und es ist natürlich unfassbar zauberhaft. Überhaupt: Sir Elton ist mit von der Partie.
Freunde, ich beginne Hotline-Telefonate zu genießen. Die Verunsicherung auf beiden Seiten. Das Nachspüren der Angst des grandios unterbezahlten Kundenservice-CallCenter-Sklaven vor einem sich noch in der Überlegung befindlichen Affektausbruch des Kunden, der ein Problem hat oder keins. Es ist auch deshalb eine interessante Interaktion, weil sie so abwechslungsreich ist. Denn es gehört zur Natur der Hotline-Kultur, dass man nie mit derselben Person spricht. Es sind immer neue ängstlich-freundliche Menschen auf der anderen Seite der Leitung, die nicht wissen, was bisher geschah. So werden die Geschichten, die man zu erzählen hat – bevor oder nachdem man seine Kundennummer mitgeteilt hat, die dem CallCenter-Sklaven die ganze Historie des bis dato über meine Telefonwelt gekommenen Unheils auf den Bildschirm schaltet – länger und länger. Das macht das zielgenaue Kommunizieren nicht einfacher: Habe ich alles erwähnt – hat der andere Mensch alles verstanden? Zuviel Metapher, zuviel Prosa? Ist Ironie gut oder verunsichere ich den Serviceentertainer damit nur weiter, provoziere Abschottung und Widerwillen?
Ich bin dazu übergegangen mir einen Gesprächsleitfaden anzufertigen, der sich anhand verschiedener verstrichener Termine und Versäumnisse strukturiert:
Anfang August
Telekomik gesagt, dass ich umziehe und der ganze Kladderadatsch mit soll: Quatschen und Surfen. Das ganze Paket, bidde. Mitnehmen, abschalten, anschalten. Ach, und ja: Nötig wird das erst am 30.09., weil dann in der neuen Unterkunft das alte Quatschen und Surfen abgestellt wird. Ja, bitte nehmen sie dies freundlich in Auftrag. Ich beauftrage sie.
Anfang September
Telekomik stellt sich tot. Kunde ist verunsichert. Habe ich zu undeutlich gesprochen? Ist es ein komplizierter Sachverhalt, wenn die Vormieterin die Immer-noch-Mieterin ist, weil man mit ihr zusammenzieht?
10. September
Die Angst überwiegt, Kunde greift zum Hörer: Hörensemal, da war doch was, warum habe ich nicht, was ist da los? Der Servicetyp, der ein anderer ist (im August war es eine Frau, jetzt ist es ein Mann), sagt, dort stehe nichts. Er könne zwar sehen, dass am 03.08. jemand “im System” gewesen sei (meint: auf meiner geheimen T-Com-Kunden-Seite), aber in Auftrag gegeben worden sei “nichts”. Nicht schlimm, könne man ja jetzt machen. Also erneut bestellt: Ich ziehe um, Quatschen und Surfen, am 30.09. fällt das Fallbeil, bis dahin müssen sie schaffen, was nicht zu schaffen ist.
12. September
Auf meiner T-Kundencenter-Internetseite kann ich einen Auftragsstatus sehen. Hurra, nein: Heureka! Allerdings – die Erschütterung folgt: dort stehen viele verschiedene Termine, aber nicht der 30.09. oder 01.10. Ich warte ab. Ich bekomme Post, dass man sich freut, dass ich die Telekomik beim Umzug nicht vergessen habe (haha, 37 Jahre Mindestvertragslaufzeit, spart euch die Floskeln, Jungs und Mädels)
23. September
Ich bekomme wieder Post. Eine neue Rufnummer. Überall steht “Call Comfort”, nirgends “Surf Comfort”. Haben die mein Surfen vergessen? Ein neuer Schreck erfährt mich umgehend umseitig: Der Telekomik-Techniker besuche mich gerne in meinen Räumlichkeiten – am 19.10. zwischen 8 und 28 Uhr. Ich sitze weinend vor dem Recycling-Papier und wähle erneut die 0800-T-Happiness-Nummer. Kein Durchkommen. Warten, beruhigen, schlafen.
27. September
0800-T-Happiness again. Ich komme durch, werde emotional, sage, dass ich… eine Sauerei… und überhaupt: Was ist mit dem 30.09.? Naja, sagt der Service-Mann (ein anderer), das wird wohl nichts. Die Leitung sei frühestens am 06.10. frei. Und ein Techniker vor dem 19.10.? “Der zeigt mir hier alles rot.” Rot ist das Stichwort: Aber ohne Internet? Was macht man denn da? Der Mann bietet mir etwas an, aus “Kulanz”. Einen Surfstick. Kommt sofort, wird gemacht. Bitte beachten: Im ersten Monat unbedingt kündigen, sonst 24 Monate mobil verarmen.
29. September
Der Internet-im-Gehen-Surfdongel kommt, SIM-Karte auch, aktiviert, eingelegt, die Rettung. Wer braucht schon einen Festnetzanschluss? Wir machen alles via Mobiltelefon! Mir wird ganz warm um’s Herz. Die Gewissheit: Jetzt haben die den ganzen Surfstick-Monat Oktober Zeit, um mir ein Internet zu bauen. Allerdings, es ist nicht alles Gold: 3GB Datenvolumen müssen für den Monat reichen. FlashBlock und NoScript werden installiert, YouTube auf Wiedersehn gesagt.
Erste Oktoberwoche
Eine Frau ruft mich an, ohne dass ich darum gebeten hätte. Sie ist von der Telefonfirma, mit der ich nun seit 2 Monaten in regelmäßigem Kontakt stehe. Sie wolle noch mal hören, wie es so sei. Wir unterhalten uns, sie ist eine fröhliche Person. Wir mögen uns. Im Laufe des Gesprächs dann eine Überraschung: Also, wenn sie mit der Frau B. zusammenziehen und die Vormieterin war und ist und die Leitung ab dem 06.10. frei ist, weil eine Firma namens 1&1 dann ein großes rundes Sedimentgestein vor dem dortigen Telefonkasten weggerollt hat, dann muss doch gar kein Techniker in die Räumlichkeiten! Ich so: Uff! Sie so: Ja, hier haben nicht alle Ahnung. Auch klärt sie mich auf über den Mangel an “Surf” in meiner Auftragspost. Das “Surf” werde erst beauftragt, wenn das “Quatschen” tatsächlich funktioniert. So sei das nun mal, Datenbankmigrationsprozesse oder ähnliches. Und nein, wenn der Kollege gesagt habe, dass “Surf” solle 2-3 Tage funktionieren, nachdem das “Quatschen” funktioniere, dann sei das nicht richtig. Könne auch mal so 10 Tage dauern, der “Aufschaltvorgang”. Aber sie telefoniere jetzt mal mit Abteilung XY und melde sich dann direkt. Ob ich noch erreichbar sei? Ja, bin ich. Gut. Und tatsächlich: Das Telefon schalte man jetzt schon am 14.10. und niemand müsse in die Wohnung.
14. Oktober
Ich telefoniere, während die Internetbox vor lauter verzweifelter Synchronisierungsversuche natürlich weiter fröhlich blinkt. Ich denke mir aber: Geschichte wird gemacht, es geht voran.
18. Oktober
Ich nehme das nächste Projekt in Angriff: Der Surfstick muss schließlich wieder gekündigt werden. Mein Problem: Die Hotline ist eine andere. Man muss bei der Mobilabteilung anrufen. Und da ist gerade iPhone4S-Armageddon. SIM-Kartenprobleme, Lieferengpässe, wer durch kommt, kann zaubern. Millionen gadgetfixierte Teenies, den Tränen nahe, weil die Telekomiker keinen definitiven Liefertermin nennen können. Aber, Surfstick sei dank, es gibt andere Möglichkeiten: Ich facebooke die Jungs und Mädels von “Telekomik hilft” an. Wenige Stunden später ist die Nachricht da: Yo, D., schreib’ mir ‘ne Mail, wir kümmern uns. Ich schreibe wegen der Surfstickkündigung und frage nach dem Surfen aka DSL.
20. Oktober
Antwort via Mail. Kündigung geht klar, “Surfen” könne man mir nicht sagen.
Direkt greife ich zum Hörer, wähle 0800-T-Happiness und erzähle mal wieder meine Geschichte. Die Frau (eine weitere andere) sagt, die Sache liege bei einer anderen Frau auf “Wiedervorlage”. Sie sagt, es dauere immer 7 Tage, bis das “Surfen” das “Quatschen” einhole. Ich sage: Super, am 14. konnte ich quatschen, dann müsste ich morgen ja surfen können. Sie sagt, im System sei noch der 19. hinterlegt. Es könne zwar sein, dass ich bereits am 14. wieder hätte telefonieren können, aber das sei für die Prozesse nicht relevant. Ich sage okay und verspreche, mich am 26.10. wieder zu melden, wenn das Surfen bis dahin nicht synchron läuft.
heute (21. Oktober)
Auf meiner T-Kundencenter-Internetseite steht ein neuer Auftrag mit Status. Er heißt “Surf Comfort (5)” und ich habe mich lange nach ihm gesehnt. Das Datum weckt allerdings wieder Ängste. Dort steht nicht 26.10., sondern 28.10. 3 Tage, bevor der Surfdödel gekillt wird, wenn er denn pünktlich gekillt wird.
Ich habe mir deshalb vorgenommen, Mitte nächster Woche noch einmal alle Hotlines bei den magentanen Telekomikern durchzunudeln. Auch einfach nur, um zu fragen, wie’s so geht.
Für den nächsten Umzug habe ich außerdem gelernt: 6 Monate im Voraus in Auftrag geben und wöchentlich nach dem Status fragen. So sollte es klappen. Darüber hinaus habe ich keine Gründe, mich zu beschweren.
__
Nachtrag 25. Oktober
In meinem Mobilfunk-Kundencenter (das nicht das Festnetz/DSL-Kundencenter ist) steht, dass mein Surfdödel-Vertrag bis 2013 läuft. Hat die liebe Dame von “telekom_hilft” vergessen, das Richtige in die Wege zu leiten? Einmonatiges Sonderkündigungsrecht my ass?
Ich rufe die Hotline an. Da sagt man mir, ich müsse schriftlich kündigen. Es gehe aber auch via Mail. Aus Angst schreibe ich nicht nur eine Mail, sondern beauftrage einen Bekannten, der über etwas verfügt, was gemeinhin als FAX bekannt ist, die Sache noch einmal schriftlich nach Bonn zu schicken. Ich erwäge darüber hinaus noch den Versand eines Einschreibens und flankierend den Abschluss einer Rechtsschutzversicherung. Man weiß ja nie, was passiert, wenn der Kunde bedingungslos geliebt wird.
__
Nachtrag 27. Oktober
Christian von “telekom_hilft” sagt mir auf Facebook, ich könne “ganz beruhigt sein”:
Hi D., sobald dein Anschluss geschaltet ist und du uns bestätigst, dass alles funktioniert, werden wir deinen Surfstick Tarif kündigen.
__
Nachtrag 28. Oktober
Freunde, es wird immer kafkaesker: Heute ist Schalttermin, ich sitze vor dem Modem, das sich Fritz nennt, und bete, dass es aufhört zu blinken. Ich versuche, nur durch meinen Blick und streng fokussierte Mindpower den gelben Blinker davon zu überzeugen doch bitte anzuhalten. Ich sitze da länger, stehe zwischendurch auf, mache Kaffee, gehe in der Wohnung auf und ab. Es nützt nichts. Erst einmal frühstücken, duschen, Alltagsdinge erledigen. Heute ist mein freier Tag und doch fühle ich mich unfrei. Alles wegen eines Blinkens, das ich auch sehe, wenn ich meine Augen schließe.
Derweil singt Bradford Cox traurige Balladen über zwischenmenschliche Entfremdung und ich merke, wie sehr ich seine Musik doch liebe.
Schließlich bin ich mutig und surfe (mit dem Surfdödel) das T-Kundencenter an, klicke Auftragsstatus und warte. Als sich die Seite nach 10min schließlich aktualisiert, brechen sich die Affekte Bahn: ein manischer Anfall unkontrollierter Kicherei. Da steht jetzt tatsächlich 04.11.. Hat meine Meditation vor Fritz das Gegenteil von dem bewirkt, was eigentlich intendiert war? Habe ich ihn verschreckt? War da ein Techniker am anderen Ende des Fritz, der es mit der Angst bekam? Hat sich die Datenbank verschluckt? Eine kleine Stolperei im Prozessmanagement?
Jedenfalls: Die mächtige magentane Telekomik hat mich erneut hinterrücks betrogen, verschoben und vertröstet. Die Geschichte, die ich in geselliger bierlauniger Runde jetzt regelmäßig erzähle, wird also immer besser, ja: facettenreicher und spannender.
Ich überlege, wieder nach Mama und Papa zu ziehen. Die haben DSL16000. Funktioniert wunderbar. Sie hatten bisher nie Probleme mit dem Telefonanbieter. Es ist genau der, der mich jetzt wieder vor meterhohe Herausforderungsmauern stellt. Aber ich kämpfe. Bis zum Schluss. Bis der Blinker am Fritz aufhört, mich um den Schlaf zu bringen.
__
Nachtrag 31. Oktober
Gestern, es war ein Sonntag, bekomme ich eine Email von kundenservice@t-mobile.de. Die Damen und Herren bedauern und lassen kündigen. Ein Datum nennen sie nicht, aber ich habe ein ungutes Gefühl. Pünktlich um Mitternacht wird dann die SIMsalabim-Karte im Surfdödel getötet und wir sind wieder offline bei T-Online. Damit hat es die SocialMedia-SchnelleEingreiftruppe der Telekomiker nicht geschafft, den laufenden Kündigungsprozess bis zum nächsten Schalttermin zu verzögern. Ich schmeiße das Stück Plastik in den Müll und fahre 150km in die Heimat, zu den Eltern, damit ich arbeiten kann. Derweil kann die SocialMedia-SchnelleEingreiftruppe auch nur resigniert einräumen: Ja, die Abstimmung habe nicht gestimmt. Nein, eine Reaktivierung der SIMsalabim-Karte sei nicht möglich. Wenn jetzt am Freitag nicht funktioniert, was seit drei Wochen nicht funktioniert, werde ich eine 1-Mann-Demo vor dem T-Punkt um die Ecke veranstalten und alle Menschen davor warnen, mit der Telekomik in Kontakt zu treten: Die machen nur Witze.
Chon has always know that there are two worlds:
The savage
The less savage.The savage is the world of pure raw power, survival of the fittest, drug cartels and death squads, dictators and strongmen, terrorist attacks, gang wars, tribal hatreds, mass murder, mass rape.
The less savage is the world of pure civilized power, government and armies, multinationals and banks, oil companies, shock-and-awe, death-from-the-sky, genocide, mass economic rape.
And Chon knows––
They’re the same world.
Beste Sommerliteratur 2011 war: Savages, by Don Winslow.
Zwei Freunde verkaufen dope in california – in großem, gut organisierten Stil. Sie geraten in’s Visier des mächtigen Baja-Kartells, das in der Heimat Mexiko hohen Blutzoll zahlen muss, um sein Territorium zu verteidigen und nach neuen, weniger personalintensiven Verdienstmöglichkeiten jenseits der Grenze sucht. Die Baja-Brüder schnappen sich das Lovegirl von Ben&Chon, den beiden Dopedealern, um ein bessere Position bei den kurz darauf anberaumten Geschäftsverhandlungen zu haben. So nimmt das Unheil seinen Lauf, denn die Jungs lassen sich natürlich von eine paar dahergelaufenen Tacofressern nicht diktieren, was sie zu tun oder zu lassen haben. Schließlich wissen sie um die Güte ihres Produkts.
Ben & Chon’s Sex Dope.
Responsible for more orgasms on the West Coast than Doctor Johnson.
No wonder the Mexicans want it.
Everbody wants it.
You give this to the Pope he’d be frisbeeing condoms off the balcony to grateful, adoring thousands. Telling them to go for it.
God is good, get laid. God is love, get good.
Savages ist atemberaubend temporeich, herrlich zynisch, sehr blutig und bietet einen ungetrübten Blick auf den Niedergang amerikanischer Konsumkultur. Winslows opus magnum, Power of the Dog, sei dem geneigten Leser außerdem ans Herz gelegt. Darin legt der Autor nach mehrjähriger Recherche in einem über Jahrzehnte sich aussteckenden Handlungsbogen den ganze Irrsinn des war on drugs offen.
Freunde. Wer wissen will, warum die FDP auch nach ihrer personellen Erneuerung hin zu mehr mitfühlender Liberalismus-Adoleszenz am Boden der realdemokratischen Tatsachen liegt und vorerst wohl nicht wieder aufstehen wird, der sollte sich die Wiederholung der zweiten Ausgabe von “Günther Jauch” ansehen. Denn die neueste mit Millionen Gebührengeldern installierte Brabbelshow im ersten deutschen Zwangsfernsehen lieferte eindrückliches Anschauungsmaterial – in Person des Vorsitzenden Philipp Rösler. Dem aufmerksamen Hobby-Masochisten, der sich bereits zahlreiche andere Brabbelshows mit dem von Praxiserfahrung weitgehend befreiten Bundeswehrarzt angesehen hatte, sollte bereits aufgefallen sein, dass der liebe Philipp mit einer recht einfach zu durchschauenden Strategie jede moderierte Erkenntnisvernichtungsparade absolviert: Der Philipp schaut, wer den meisten Applaus bekommt (in der Regel nie er selbst), merkt sich die Argumente des Applauskönigs und trägt sie dann leicht abgewandelt als die eigenen vor. Argumenteimitation – das ist die Strategie von Philipp R. Kombiniert mit einer robotergleichen Gesichtsmechanik, die nur selten leicht verrutscht. Da kann der gastgebende Showmaster fragen, was er will: Es perlt alles ab, die geborgten Argumente werden nur immer wieder und wieder und wieder wiederholt – ohne mit der Wimper zu zucken.
Heute abend lagen die Dinge dennoch etwas anders. Angela Merkel hatte den christdemokratischen Norbert Röttgen ins Rennen geschickt, Vorzeigeintellektueller der Union (der einzige). Es war hochpeinlich mitanzusehen, wie der liebe Norbert dem kleinen Philipp die Butter vom Brot nahm. Da erklärte der Umweltminister (!) in umfassenden, ja fast geistreichen Bildern seine Vorstellung einer europäischen Wirtschafts- und Finanzpolitik, argumentierte nahezu auf Augenhöhe mit VWL-Professorin Beatrice Weder Di Mauro (die Redaktion wusste: 7 Sprachen, auch der Mann: Topökonom) und schnitt dem kleinen Philipp ein ums andere Mal das Wort ab: “Jaja.”, sagte Norbert einmal, nachdem Philipp etwas gesagt hatte, an das sich jetzt keiner mehr erinnert. Und jeder weiß, was das heißt.
Dass Röttgen dort saß, war sicher kein Zufall. Vermutlich hatte Angela M. höchstselbst ihren besten Mann via SMS in den Gasometer abgeordnet: “Nobbi, du musst da hin, sonst haut der Rösler noch mehr teures Euro-Porzellan kaputt und wir stehen als Regierung noch beschissener da als sowieso schon, weil sich ja jeder fragt: Wieso regiert ihr mit diesen gelben Hampelmännern?”
Noch hochnotpeinlicher wurde es, als Inhalte gestreift wurden. Frau Weder Di Mauro versuchte zu erklären, dass es wohl einen Unterschied zwischen einer geordneten Insolvenz (Röslers “Welt”-Modell) und den von ihr favorisierten Modellen geordneter Umschuldung zur Rettung Griechenlands gäbe. Überhaupt: Was genau mit der geordneten Insolvenz gemeint sei, sei ihr auch nicht so richtig klar. Als Di Mauro nun ausführlich erklärte, wie eine Umschuldung ihrer Meinung nach am sinnvollsten durchzuführen wäre, nickte der kleine Philipp fröhlich und wiederholt. Er ließ in der Sendung dann auch tunlichst jede Möglichkeit aus, sein Insolvenzmodell zu konkretisieren. Ja: Er hatte eigentlich nichts zu sagen. Null. Alles, was an Beiträgen im Namen der Regierung verbalisiert wurde: Der Röttgen sprach es aus und ließ den Liberalismusvorsitzenden und Wirtschaftsminister neben sich aussehen wie einen Schuljungen beim Nachsitzen. Zwischenzeitlich zuckte es in Philipps Robotermiene und man bekam es doch tatsächlich mit der Angst zu tun: Jetzt fängt er gleich an zu weinen. Weil er nichts versteht von alledem. Und überhaupt auch gar keine Ideen hat. Er ist nur der, der in der ersten Reihe stehen und alles ertragen muss.
A decision theorist from Columbia University was struggling whether to accept an offer from a rival university or to stay. His colleague took him aside and said, “Just maximize your expected utility–you always write about doing this.” Exasperated, the decision theorist responded, “Come on, this is serious.”
Vor meinem Fenster unter dem Kreuz auf dem Sakralbauvorplatz sitzen die, die dauernd neue Flaschen holen.
Die Trinkhalle zwei Stockwerke tiefer hat am Eingang eine Lichtschranke, die jede Unterbrechung mit einem klangvollen Di-Dü kommentiert. So kann ich bei offenem Fenster die Trinkfrequenz der verlorenen Seelen hören: Discountpilsflasche um Discountpilsflasche wird die Stimmung ausgefranster. Wird der Restbetrag kleiner. Um diesen unumkehrbaren Vernichtungsmechanismus wissend trägt die Mehrzahl der lohnarbeitslosen Zeittotschläger Plastiktüten bei sich. Damit, wenn der Kollege vor Kummer, Vergiftung und Verzweiflung von der abgesessenen Kirchplatzbank kippt, schnell teures Glas eingesammelt und in Discountpils umgewandelt werden kann. Dort unten auf dem Platz der Trinker wird sich in bemerkenswerter Atmosphäre dem Gerstensaft unterworfen, deren eindrücklichstes Zeichen ihre Ambivalenz ist: Die durch Ort und repetitive Trinkhandlung in Beziehung Stehenden praktizieren in dem einen Moment liebevolles gemeinsames Aushalten des Exklusivstatus’. Mit primitivem Witz und lautstarken Zoten, harmlosen Scherzen auf Kosten des Anderen. Im nächsten Moment jedoch zerbricht der sich dann als fragil offenbarende Frieden in der zufällig zusammengefundenen Gruppe: Aus unbekannten Gründen brechen sich große Emotionen Bahn, Hass und Wut werden dem Gegenüber vor die Füße gespuckt. Die Schicksalsgemeinschaft löst sich unvermittelt in Schicksalsindividuen auf, die allein den Weg weg von der Gruppe gehen. Oft werden unbeteiligte Passanten in diese konflikthaften Auseinandersetzungen miteinbezogen, die nur ihren Einkauf sicher nach Hause bringen und nicht den sauren Atem der zahnlosen in dieser Gesellschaft Gescheiterten im Gesicht spüren wollen. Wer lässt sich schon auf ein mühevolles Zuhören ein, das im Ergebnis semantisch regelmäßig mangelversorgt ist, weil die betroffenen Schwankenden ihre undeutliche Rede meist mit larmoyanten Opfergesängen beginnen und mit kruden Vorwürfen an den Zuhörer und seine Mitverantwortung für die ausweglose Gesamtsituation beenden?
So schnell wie die verlorenen Seelen vor meinem Fenster auftauchen, so schnell verschwinden sie auch wieder. Wenn es regnet, die Trinkhalle schließt, der kalte Winter kommt. Ich frage mich, wohin sie dann gehen. Ob sie nur die Bank wechseln, neues Glas finden müssen oder irgendwo ein Essen bekommen. Viele Gesichter sehe ich nie wieder.
Ja, Geld schafft Angst, um sie danach durch Geld wieder zu neutralisieren. Aber indem jeder glaubt, all seine Ängste durch Geld einschläfern zu können, bildet er eine typisch neurotische Struktur, in welcher die Instrumente zur Bekämpfung der Angst diese Angst nur noch weiter potenzieren. So leben wir in einer Angstgesellschaft, in der das Geld uns gegen die Angst zu immunisieren scheint, doch dadurch genau das Quantum jener dumpfen Ängste, die durch Geld nicht immunisiert werden können, ins Maßlose steigert. Diese Existenzängste entstehen aus mangelnden Beziehungen. Zwischen Geldmenschen gibt es zwar noch ein Band, es herrscht eine relative soziale Ordnung, und unsere Erwartungen werden meistens nicht enttäuscht, doch dieses Band selbst ist enttäuschend, denn es rechnet uns den Preis unserer Einsamkeit vor. Das Paradoxe am Geld ist also, dass es diese Atmosphäre schafft, aber auch die Mittel gibt, nicht an dieser Angst zu verenden.
Aldo Haesler im Gespräch mit Peer Teuwsen
Freunde, es begann 2009. Dagmar kam zu Christian in den Landtag nach Düsseldorf. Sie sollte für die ZEIT einen Artikel über die FDP schreiben und verliebte sich wohl sofort. In diese Partei, in ihre kühnen neuen Ideen, aber vor allem: in Möllemanns Bambi, das bereits mit blutjungen 21 Jahren vor der Landesvertretung auf einer New Econonomy-Wolke mit dem Porsche vorgefahren war. Herz statt Hartz titelte Fräulein Rosenfeld. In ihrem Liebesbrief heißt es:
Doch die FDP ist mehr als nur ein Hort des Immergleichen, sie kann auch erfrischend, nachdenklich und manchmal sogar ein wenig überraschend sein. Je nachdem, wo man ihr begegnet. In dem Büro des Düsseldorfer Landtags wirkt sie auf den ersten Blick minimalistisch. Es gibt kein Papier, keine Zettel, nur ein aufgeklappter Laptop steht auf dem Schreibtisch. “Bei mir wird alles weggepe-de-eft”, sagt Christian Lindner […]. “Weggepe-de-eft” bedeutet, dass Lindner seine Unterlagen elektronisch verwaltet. Und doch hat er vor Kurzem eine Menge Papier produziert. Zusammen mit seinem Parteikollegen Philipp Rösler, Niedersachsens Wirtschaftsminister, hat er ein 366 Seiten dickes Buch herausgegeben. Unter dem Titel Freiheit: gefühlt – gedacht – gelebt versucht sich da die junge FDP-Generation an einer sozialverträglichen Interpretation von Liberalismus.
Und weiter:
Lindner will mit neuen Begriffen politische Themen besetzen, die über das Wirtschaftsliberale hinausgehen: “Steuern runter, Arbeit rauf, so ein Satz taugt höchstens noch als Applausstelle bei einer Parteitagsrede.”
Der Christian war natürlich hin und weg, entzückt, verzaubert. Von dieser süßen Propaganda. Und auch von der Dagmar. Es wurden SMS geschrieben, Dates verhandelt, Liebe gemacht. Zurück in Hamburg erzählte die Dagmar all ihren Kollegen dann auch von ihrer neuen Passion: Kuschelliberalismus, der Christian, die Papierlosigkeit. Fortan erfüllte bedingungslose FDP-Liebe die ZEIT-Redaktion und regelmäßig wurden Seiten freigeräumt, damit der mittlerweile in Berlin angekommene “Philosoph” (Bernd Ulrich) Christian und seine Freunde die frohe Botschaft des heiligen mitfühlenden Marktes verkünden konnten.
Jetzt haben Christian und Dagmar geheiratet. Es heißt, sie seien seit 2009 ein Paar.
Also, eine Aktie ist ein Wertpapier und wird an die Firma verkauft.
Und wenn die Firma beschließt, eine Aktie zu kaufen, dann wird die in Euro umgewandelt.
Und wenn der Wert niedrig ist, dann ist das ein niedriger Wert.
Und wenn der Wert höher ist, ist das ein höherer Wert.
Die Aktien rutschen auch in den Keller.
Was machen die da?
Die werden vergammeln die Aktien,
die haben im Keller nix zu suchen.
Die müssen raus,
die müssen raus,
die müssen raus.
Eine Aktie, wie gesagt, ist ein Wertpapier, was an die Firma verkauft wird und davon gibt es ein Kuchenstück. Und es gibt mehrere Kuchen. Und dieser Kuchen wird in ein Stück geschnitten, das muss man sich mal… also das stell’ ich mir jetzt gerade so vor.
Das, was eigentlich der Börsenvertrag wert ist, ist nicht nur der Börsenvertrag allein, sondern das ist der Wert. Und dieser Wert ist für uns ganz wichtig. Und allen, denen ich das sage, vertraue ich. Dieses Thema ist wichtig für mich. Und ich brauch’ dieses Thema, denn dadurch habe ich viel gelernt. Ich bin nicht so schnell einer, die aufgibt. Und ich weiß, das ich nicht aufgebe, aber ich schaff’ das.
Warum gibt es Börsen?
Börsen sind zum aktivieren.
Börsen sind wichtig.
Börsen sind wichtig.
Börsen sind zum aktivieren.
Börsen sind wichtig.
Börsen sind wichtig.
Börsen sind wichtig.
Ohne Wertpapier gibt es keine Aktien.
Und ohne Aktien gibt es kein Geld.
Und ohne Geld gibt’s keine Arbeit.
Und ohne Arbeit gibt’s keine, keine, keine was?
Kein Essen.
Und ohne Essen können wir nicht leben. Also, bitte.
Weil umsonst arbeiten wir nicht.
Wir sind nicht zum rumsitzen, wir sind zum arbeiten hier.
Oder glaubst du, dass die Texte von alleine angeflogen sind?
Also ich habe noch nie fliegende Texte gesehen.
Genauso ist es mit Aktien.
Peoples, 3mal ausgesuchte Bewegtbild- und Toneffekte für eure gierigen Augen & Ohren. Die Protagonisten dieser kleine Webvideo-Vernissage sind Matthew Dear, Azari & III und der übermächtige Mayer Hawthorne. Yeah:
Freunde, Facebook hat mein Konto gesperrt. Ich habe kaum noch Spucke. Ich habe alle meine Freunde verloren. Ich wurde nicht gewarnt. Zuckerberg hat auf mich geschossen und ich stand mit dem Rücken zu ihm. Ich frage mich: Warum, Mark, warum? Diese sinnlose Gewalt? War das wirklich nötig? Was habe ich getan? Nichts! Unerhört!
Wenn jemand wissen will, wie Nahtod-Erfahrung sich anfühlt, ruft mich an oder schreibt mir eine Mail.
PS.: Okay, okay. AGB-Violation, ich gebe es ja zu.
1. Du musst deinen echten Vor- und Nachnamen angeben – habe ich nicht.
2. Die Verkörperung anderer Personen oder Dinge ist untersagt – mein Profilfoto zeigte General “Buck” Turgidson.
Wieso zeigt mir die Medienmaschine fortwährend die Visage dieses auf hochgestellte Polohemdkragen augenscheinlich sehr viel wert legenden “Teufels” (1)? Der Mann sieht nicht gut aus. Er ist sogar ein bißchen fett, hat zuviel Speck am Hals. Ich will Mr. Superdevil jedenfalls nicht mehr sehen. Ich will auch nicht erklärt bekommen, was offensichtlich niemand erklären kann. Oder doch: der Henryk M. Broder is very much to blame. Er wurde richtig zitiert, was in diesen Zeiten besondere Erwähnung finden sollte.
Überall ist von der quälenden Frage nach dem “Warum” die Rede. Auch ich frage mich, warum. Allerdings ist dieses Fragen nur bis zu einem gewissen Punkt eine anstengende Angelegenheit. Weil man mittlerweile so erfahren ist im Leben, Lesen und zur Kenntnis nehmen, dass man sich, nur um nicht verrückt zu werden, eine Einsicht bereit gelegt hat, die immer dann zum Zuge kommt, wenn unerklärlich Erscheinendes erklärt werden soll: Menschen fressen und werden gefressen, mal ist der Hunger größer, mal kleiner, mal zum Kotzen pervertiert. Jedenfalls: Die Welt, in der wir leben, bringt das mit sich. An dieser Stelle ist es gesund, mit dem Nachdenken aufzuhören und sinnvoller, den alltäglichen Geschäften nachzugehen. Alles andere wäre auch irgendwie wenig produktiv.
Der Versuch, jetzt Experten heranzuziehen, Nachforschungen anzustellen, um verstehen zu können, wirkt lächerlich angesichts der Tat. Ja, klar: Die Umstände. Nur: Wir alle leben in Umständen. Der Plural versteht sich von selbst. Nur für Herrn Uhl reicht ein Singular: Das eine Internet ist die Hölle, aus der der Teufel Anders B. entstieg.
Überhaupt das Präventions-Gelulle: Hätte man ihm die Glock weggenommen, wäre nicht nur der Österreicher beleidigt gewesen, weil eine Marketinggelegenheit für das Qualitätsprodukt aus Deutsch-Wagram zunichte gemacht worden wäre. Nein, es hätte auch nichts genutzt: Der Mann hätte bloß mehr Dünger gekauft und weiter an seinem Manifest geguttenbergt – vermutlich hinter den blickdichten Vorhängen etwaiger Proxy-Dienste, durch die nicht einmal VDS-Uhl hätte schauen können.
Entlarvend auch die Reaktionen der ideologischen Parteien. Die Linksfraktion jubelt, dass es kein Muslim war, ist aber gleichzeitig enttäuscht, dass allenthalben von einem Einzeltäter geredet und nicht gleich Europas Neue Rechte in toto zur globalen Terrorquelle erklärt wird. Was dem Muslim widerfahren ist, sollte den Wilders dieses vollintegrierten Freiwirtschaftsraums Europa nicht vorenthalten bleiben. Dauerverdacht und öffentliche Stigmatisierung für alle! Und überhaupt: NPD verbieten jetzt. Die Rechtsfraktion weiß nicht so recht, wie sie aus der Sache Kapital schlagen soll. Kleinster gemeinsamer Nenner: mehr Sheriffs für den Cyberspace wären schon gut, weil die Message im Subtext von obskuren Internetforenbeiträgen mitunter recht diffus daherkommt. Nur: Anhand einer IP-Adresse kann man zwar Adressdaten ermitteln (oder auch nicht, s.o.), aber noch lange nicht Gehirne aufsägen und reinschauen. Ganz rechts ist man im übrigen froh zu verkünden: “Islamkritik kein Tatmotiv” (2). Soviel also zum Thema Gehirne aufsägen.
Das Verstehenwollen ist kein illegitimes Motiv. Es kann nur in immer neuen, scheiternden Versuchen, die öffentlich als die Ohren und Augen behindernder Schmutz in die Umwelt geworfen werden, den Blick auf unsere Hilflosigkeit und Schwäche verstellen, die jedoch bedeutender Teil der Schönheit dieses Lebens sind.
___
Freunde, ganz frei heraus: Ich hatte Schulden. Der Grund, ich sage das voller Demut: Ich habe über meine Verhältnisse gelebt. Und das ging so: Herzdame und ich wollten Urlaub machen und ich hatte nicht genug Geld. Wenn die Frau alles zahlt, reduziert sich das Männer-Ego regelmäßig auf 0. Also bin ich zur Bank, die meine Schwester ist, und sagte: Schwester, ich will Cocktails trinken auf der Insel und der Ollen Goldgeschenke kaufen, mach’ mich liquide! Wir einigten uns auf eine Ich-Anleihe mit variabler Laufzeit zu moderaten Zinsen, eine mündliche Schuldverschreibung. Do ut des: Versprechen gegen Geld. Mutti, die Ratingagentur, warnte die Bank: Mädchen, die Bonität des Jungen liegt im Nebel, maximal noch Bb2 diese Ich-Anleihen! Die Bank dachte: Whateva, der Kapitalismus ist mit den Dummen und Dreisten – irgendwer wird mir die Knolle-Bonds wohl abkaufen, bis dahin kassiere ich Zinsen. Und Gott sei dank war Vati da – der Rettungsschirm. Als sich während des Schuldner-Urlaubs abzeichnete, dass ein selective default nicht mehr auszuschließen war, besicherte er meine Ich-Anleihen mit hauseigenem Girokontogeld, das von Mutti mit AAA bewertet war (sie hing da selbst mit drin). Am Ende waren’s tatsächlich ein paar Cocktails zuviel: Die Bank rief mich an und sagte, jetzt sei aber langsam mal maturity. Stammelnd hing ich am Hörer und zeigte auf den Mann mit dem Rettungsschirm. So war Frau Geldhaus fein raus, obwohl sie sich verspekuliert hatte. Ich schlürfte weiter Cocktails und der Rettungsschirm fragte sich, warum er überhaupt Kinder in die Welt gesetzt hatte: Er war seitdem in einer nicht enden wollenden Austeritäts-Agonie gefangen.
Freunde, zwei fassungslose Tracks von der neuen Mount Kimbie EP. Kauft euch Boxen (1), dreht die auf und setzt euch davor. Wer kluge Ohren hat, bekommt dann Kribbelei im Gedärm.
___
